Eigentlich hätte jetzt hier ein geschliffen formulierter Text voll zynischer Wortspiele stehen sollen, der die derzeit durch die Blogs geisternde Geschichte von der bislang blödesten Abmahnung des Jahrzehnts zum Thema hätte und in dem ich mich über die eigentlich überaus unangenehme Verbindung aus fehlender technischer Sachkenntnis und Geld für Anwälte beklagen wollte, aber bevor ich ihn schließlich fixierte, beschloss ich, noch einmal einen Blick in den immer noch stetig wachsenden Sammelordner noch zu hörender Musikalben zu werfen, schob also das erstbeste Werk in mein Abspielgerät, setzte die Kopfhörer auf und war ausreichend fasziniert, um stattdessen einen Text über die gehörte Musik zu verfassen.
Das Album “Alligator” der US-amerikanischen Band The National ist inzwischen fünf Jahre alt, aber es hat sich bislang erfolgreich meinen Ohren entzogen; wohl auch, weil mir das Nachfolgewerk “Boxer” eher ab- als zusagen wollte und weil ich deshalb erst mal verdrängt habe, je etwas von dieser Musikgruppe konsumiert zu haben. Ich hoffe nicht, dass es ein Zeichen fortschreitenden Alters ist, aber “Alligator” trifft derzeit genau neben meinen musikalischen Nerv. (Würde es meinen Nerv treffen, würde es schmerzen, daher ist daneben gerade gut. Ach, Wortspiele, die man erklären muss, sind keine guten solchen.)
Peter vergleicht The National mit den Editors (die ich nicht mag) und Interpol (die ich nicht kenne), auf Amazon.de zieht man mit Joy Division und den Tindersticks dann immerhin Vergleiche, die ich einigermaßen verstehe und für richtig halte. Mischt man alles zusammen, was man so über dieses Album liest, so enthält es mindestens melancholischen Indie-Americana-Post-Punk-Rock, und weil sich das vermutlich dann doch lieber keiner merken will, nenne ich es einfach mal eine Melange aus letzteren beiden Bands und freue mich tierisch darüber, so eine schöne kurze Beschreibung formuliert zu haben. Die ist wenigstens schön griffig.
Dieses Album also, das (schrieb ich das schon?) mir sehr gefällt, drückt in Text, Gesang und Instrumentierung eine verzweifelte Melancholie aus, wie sie mir in all meiner Melodramatik gerade recht kommt. Musik für einsame Seelen, die für feige Depressionen dann doch wieder nicht einsam genug sind.
I got two sets of headphones, I miss you like hell
Won’t you come here and stay with me
Why don’t you come here and stay with me
Ungekünstelte Lyrik ist gute Lyrik, und vertont klingt sie so oder auch so. Kaufen, hören und auf die Texte achten. Ersteres und zweiteres in dieser Reihenfolge, dritteres gleichzeitig mit zweiterem. (Davor oder danach geht natürlich auch.)


