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Noch mal Nahost

[1] Atom­waf­fen, und son­st so?
[2] Öster­re­ich, Teil 2
[3] Her­zlichen Glück­wun­sch, 5 Jahre Krieg!
[4] LaFee bzw. Videokri­tik
[5] Mod­ekrim­i­nal­ro­mane


[1] Kaum hat sich der Libanon ein biss­chen beruhigt, schon stürzen sich die Sicher­heits­fa­natik­er auf ein neues (altes) Opfer, den Iran. Von “UN-Res­o­lu­tio­nen” ist plöt­zlich die Rede und davon, dass wir alle sehr besorgt sind, dass der Iran so gemein ist und Atom­en­ergie erforscht und eventuell sog­ar so was wie Atom­waf­fen her­stellen kön­nte etc.
 
Den Poli­tik­in­ter­essierten dürfte das alles noch bekan­nt vorkom­men: Auch ein gewiss­er Herr Hus­sein soll im Besitz von Atom­waf­fen gewe­sen sein und auch wil­lens gewe­sen sein, sie einzuset­zen. Da drängt sich mit einiger Sicher­heit nicht nur mir die Frage auf: Fliegen dem­nächst Bomber über den Iran, auf der Suche nach dem Präsi­den­ten, der sich der­weil einen noch län­geren, ver­lausten Bart wach­sen lässt und in einem Erd­loch ver­steckt hält?
 
Und eine noch viel inter­es­san­tere Frage lautet doch wieder ein­mal:
Was geht’s uns an?
 
“Der Iran erforscht Atom­en­ergie.” Nun, das tut Deutsch­land eben­falls, genau wie viele andere Län­der. Warum sollte man (i.e. aus­gerech­net wir) ein Prob­lem damit haben?
“Aber der Iran kön­nte Atom­waf­fen her­stellen und in einem Krieg ver­wen­den!” — behauptet bitte wer? Nur weil Ahmadenid­schad über ein enormes Atompoten­zial (lat. potesse -> kön­nen) ver­fügt, sind wir alle in Gefahr? Entschuldigt, wenn das jet­zt naiv aussieht, aber ich für meinen Teil habe vor Bush weitaus mehr Angst als vor dem irren Iran­er. Atom­waf­fen ein­set­zen, um irgend­wo Krieg zu spie­len — warum sollte der Iran so was tun? Für die USA hinge­gen gäbe es mehr als genug Gründe, den Iran zu zer­bomben, zum Beispiel Erdöl, Erdöl oder wie wär’s mit Erdöl?
 
Doch, doch, liebe Skep­tik­er und BILD-Leser, genau so ist’s. Der Iran ist nun mal eine der wichtig­sten Ölförderge­bi­ete, und das ist dem Weißen Haus per se sus­pekt. Erdöl ist spätestens seit der Bushregierung ein nahezu per­fek­ter Anlass, in der jew­eili­gen Region den, äh, Frieden zu sich­ern (nochmals: siehe Irak). Die Unter­stützung der Bevölkerung ist mit Ver­mu­tun­gen wie “die haben Atom­waf­fen, die Schweine” in den USA bedauer­licher­weise fast mit voll­ständi­ger Sicher­heit gewon­nen (ich würde das pauschal als “Naiv­ität” beze­ich­nen), und mehr braucht’s nicht.
 
Gut, gut — von mir aus dür­fen sich Bush und Ahmadeni­d­ings gegen­seit­ig die Häuser weg­pusten. Abge­se­hen von dem ethis­chen Aspekt aber brin­gen solche Kriege üblicher­weise noch ein ganz anderes Prob­lem mit sich, landläu­fig als “Friedens­mis­sion” beze­ich­net, siehe aktuell im Libanon. Ich würde gern wis­sen, wie man sich eine “Friedens­mis­sion” mit Sol­dat­en und Panz­ern denn vorzustellen hat. Oder ist der alte Traum von den Friedenspanz­ern, die Blu­men statt Granat­en schießen, endlich wahr gewor­den?


[2] An dieser Stelle noch ein Wort zu Frau Kam­pusch: Na fein, nun hat sie der Welt also auf RTL — wo son­st? — all das erzählt, was wir seit Tagen wussten. Aber nun wis­sen wir auch, wie sie aussieht. Welch eine Freude. Das hil­ft uns wirk­lich weit­er. ;-)
(vor allem, weil man sie jet­zt leichter erken­nt, auf der Straße zum Beispiel, und den Rest ihres Lebens nicht in Ruhe lässt)
 
Aber immer­hin ist sie ehrlich genug, zuzugeben, dass sie Geld aus ihrer Ent­führung schla­gen will: ein Buch drüber schreiben, noch haufen­weise Inter­views geben und sich dumm und däm­lich ver­di­enen an der Sen­sa­tion­s­gi­er der eben­so Dum­men, was auch durch die angekündigte “Stiftung für Ent­führte” nicht deut­lich pos­i­tiv­er zu werten ist. Mir indes fällt dazu nur ein: Siehste?
 
Mir als — tut mir ja Leid! — Mann fehlt lei­der bzw. schön­er­weise jeglich­es Mit­ge­fühl für so eine Frau. Sie kann nichts dafür, dass sie ent­führt wurde, und die let­zten Jahre waren der Hor­ror für sie und so weit­er und so fort; nun, so hil­febedürftig kam sie mir im Inter­view — das ich im Übri­gen ohne Bild und nur aus dem Neben­z­im­mer ver­fol­gte, aus Desin­ter­esse zum Beispiel — gar nicht vor. Im Gegen­teil, auf mich machte sie den Ein­druck ein­er selb­st­ständi­gen und (trotz öster­re­ichis­ch­er Gene, scnr) gebilde­ten Frau, die alles andere als ver­stört durch die Gegend geht und — siehe oben — sich nicht unbe­d­ingt dafür schämt, die bere­its erwäh­nte Sen­sa­tion­s­gi­er (ich nenne es i.d.R. “BILD-Syn­drom”, weil erblich) der Unter- und Mit­telschicht auszunutzen, zumal

  1. wir wirk­lich inter­es­san­tere Prob­leme haben, z. B. die Arbeits­mark­t­si­t­u­a­tion, und
  2. in Afri­ka und Lateinameri­ka auch ständig Kinder ent­führt, jahre­lang gefoltert und in der Regel getötet (!) wer­den und uns das komis­cher­weise einiger­maßen am Gesäß vor­beige­ht

was ich, neben­bei erwäh­nt, als Phil­an­throp ohne­hin zum Brechen finde, und da frage ich mich doch, was Frau Kam­pusch zu einem besseren Men­schen macht, und über­haupt q.e.d. und Punkt.


[3] Weit­er im Text und apro­pos: Der 11. Sep­tem­ber feiert Geburt­stag. Ich als Kalen­derken­ner und Teilzeit-Erb­sen­zäh­ler halte es ohne­hin für ein Und­ing, dass man ein Datum als fest­ste­hen­den Begriff fes­tlegt (oder wer redet von “der 6. Dezem­ber”, wenn er den Niko­laustag meint?), zumal die Sprach­pan­sch­er eine ganz eigen­tüm­liche neue Regel geset­zt haben, die da lautet: “Nine-Eleven sowie 9/11 sind im deutschsprachi­gen Raum einge­tra­gene Marken des Jahres 2001” oder so ein Quark… ich jeden­falls stre­ich mir den Tag regelmäßig rot an und geh feiern. Kaf­fee und Kuchen und so. Die Musik bring ich aber selb­st mit!


[4] Und nochmals apro­pos, dies­mal Musik bzw. Quark: Heute schon gelacht? Erst kür­zlich hat­te ich das Vergnü­gen (jawoll!), LaFee — m.W. nach eige­nen Aus­sagen, aber zumin­d­est unver­hohlen stolz darauf, die Hauptschule (sic; vgl. Textpas­sagen wie “jed­er Arsch will mit dir gehn”) zugun­sten ein­er Musikkar­riere (sic!) abge­brochen zu haben; “Kopp zu” ist noch das Fre­undlich­ste, das mir dazu ein­fall­en will — also diese LaFee jeden­falls von ein­er ganz neuen Seite ken­nen­zuler­nen, näm­lich der chap­linesken, slap­stick­haften oder wahlweise auch chore­o­graphisch aus­ge­feil­ten. Wer teil­haben möchte an meinem Amuse­ment, möge ein­fach warten, bis auf VIVA das im Übri­gen ermü­dende Lied­chen “Prinzess­chen” von eben­jen­er ehe­ma­li­gen Hauptschü­lerin läuft — was i.d.R. nicht lange dauert — und umge­hend den Ton abdrehen.
 
Für die, bei denen VIVA Hausver­bot hat, habe ich hier eine kleine Zusam­men­fas­sung der Chore­o­gra­phie des Hauptvideos (jenes, in welchem LaFee in Satanis­ten- respek­tive Nut­ten­klei­dung im Wald rum­ste­ht und doof guckt) vor­bere­it­et:
Link­er Arm nach vorn, Pause, rechter Arm nach vorn, Pause, link­er Arm nach vorn, Pause, rechter Arm nach vorn, Pause, link­er Arm nach vorn, Pause, rechter Arm nach vorn usw. und das ganze Spiel so 3–4 Minuten lang immer wieder hin und her (was geschrieben weit weniger debil aussieht als ge‑, äh, tanzt) — ich hoffe, das wird nicht der neue “trendy” Som­mer­tanz.
 
Ich, der ich stets einen möglichst großen Abstand zu allem Hiphopesken (… hieß früher Stot­tern und war heil­bar … das nur neben­bei) zu hal­ten bemüht bin, komme den­noch nicht umhin, hier Par­al­le­len zu den spastis­chen Zuck­un­gen von Bushi­do, Eko Fresh und wiesealle­heißen festzustellen; let­z­tendlich bleibt aber ein Gefühl der geisti­gen Über­legen­heit zurück, bei allem Respekt, den man empfind­en mag.


[5] Übri­gens, Mode: Kür­zlich fiel mir ein Krim­i­nal­ro­man in ein­er Frauen­zeitschrift (welche im Übri­gen nicht ich las) auf, der “Mod­ekri­mi” betitelt war. “Mod­ekri­mi?”, fragt sich da so manch­er (z.B. ich), “waren das nicht die 80-er?” … oder was bitte soll man sich unter einem Mod­ekri­mi vorstellen?
 
“Der Ein­brech­er, gek­lei­det in edlen Paris­er Samt mit blauen App­lika­tio­nen (Lager­feld, 500 Euro, gestohlen), brach in das Ate­lier des stat­tlichen Design­ers ein, der ger­ade in seinem kun­st­sei­de­nen Man­tel (Quelle, 39,95 Euro) durch sein nach Chanel duf­ten­des Büro” und so weit­er… na danke.


Har­ren wir also besorgt der Dinge, die da kom­men. Bis dahin blu­mige Grüße, vor allem an Stef­fi!
— euer Hob­by­paz­i­fist


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