Musik
Offe­ner Brief

Als klei­ner Nach­trag zu mei­nem vori­gen Ein­trag, wo wir gera­de bei „Musik“ waren, noch ein Wört­chen an unse­re gelieb­te „Musik„industrie, die ja die letz­ten Wochen wie­der damit ver­bracht hat, sich über man­geln­de Ein­nah­men auf­zu­re­gen:

Wer­te Ent­schei­der!
Ich weiß, in Zei­ten der glo­ba­len Ver­net­zung ist es alles ande­re als leicht, Geld mit etwas zu ver­die­nen, das man mit ein klein wenig Skru­pel­lo­sig­keit auch kosten­los – und unge­heu­er bequem! – online bekom­men kann. Es ist ja in der Tat nicht unbe­dingt mora­lisch ver­tret­bar, sich das gei­sti­ge Eigen­tum ande­rer Men­schen unbe­zahlt anzu­eig­nen; eure Ver­glei­che mit Kauf­haus­die­ben sind in mei­nen Augen auch durch­aus berech­tigt.
Dass ihr aber, wie so oft, die gesam­te Onlin­ege­mein­schaft pau­schal in Sip­pen­haft neh­men und sym­bo­lisch ver­prü­geln wollt, hal­te ich doch für frag­wür­dig; gera­de ihr, die ihr doch am mei­sten von ihr pro­fi­tiert! Wo wür­det ihr ste­hen, wenn nicht einst ein klei­nes Kind die Netz­ge­mein­de kosten­los mit dem Lied vom „klei­nen Kro­ko­dil“ berei­chert hät­te (und ihr euch nur wenig spä­ter an ihm)? Was wäret ihr nur ohne jene Künst­ler, die allein für die Kunst und nicht für Geld spie­len – Gnarls Bar­kley und die Arc­tic Mon­keys, um nur zwei zu nen­nen?

Dass es tat­säch­lich noch Musi­ker gibt, die sich nicht um euer Geld sche­ren, ist euch sicht­lich unan­ge­nehm. Klar, mit kosten­lo­sen Down­loads habt ihr schlech­te Erfah­run­gen gemacht. Wenn man euren Aus­füh­run­gen glaubt, sind Media Markt und das Pres­se­zen­trum längst ver­gan­ge­ne Bastio­nen glor­rei­cher Zei­ten. Aber, ganz im Ver­trau­en, ich sag euch mal was:

Nie­mand mit nur ein klein wenig Musik­ver­stand ist bereit, sein (gera­de ange­sichts der der­zei­ti­gen Wirt­schafts­la­ge) sau­er ver­dien­tes Geld für eure Retor­ten­bands aus­zu­ge­ben. Wel­ches Argu­ment recht­fer­tigt bei der „rele­van­ten Ziel­grup­pe“ (das sind mei­nes Wis­sens Men­schen über 12 Jah­ren) den Kauf einer CD von Bana­roo, Yoo­mi­ietc. und wie sie alle hei­ßen mögen? Anders­her­um: Wie vie­le Kin­der im Alter von sagen­wir­mal 10–12 haben in Deutsch­land denn genug Geld, um euch über Was­ser zu hal­ten?

Ihr habt es euch zum Ziel gesetzt, alles, was euren Ver­kauf von Ton­trä­gern irgend­wie behin­dert oder erschwert, aus dem Weg zu räu­men, sofern mög­lich. Sehr edles Ziel. Aber mei­nes Erach­tens ist euer Wahl­spruch der fal­sche. „Copy kills music“ – das wäre zu ein­fach. Nein, das Prin­zip heißt ein­deu­tig „Indu­stry kills music“.
Ich gebe es zu, ich selbst bin einer die­ser Schwer­ver­bre­cher, denen der Kopf abge­hackt gehört, weil ich unver­schämt genug bin, lie­ber Web­ra­dio zu strea­men statt eure Plat­ten zu kau­fen. Nun, so sind die GEZ-Gebüh­ren immer­hin sinn­voll ange­legt. Dabei war es doch ein­mal so ein­fach: Ihr stellt Musik her, wir kau­fen sie. Nur hat sich mitt­ler­wei­le eini­ges geän­dert, und Ange­bot (Retor­ten­ge­hop­se) und Nach­fra­ge (Musik) sind alles ande­re als deckungs­gleich. Auf Dau­er kann man auch mit noch so tol­len Extras kei­ne schlech­te Musik wett­ma­chen. Tool aller­dings sind da eine Aus­nah­me; ich wage zu behaup­ten, dass es zum Bei­spiel von 10.000 days mehr lega­le als ille­ga­le Kopien gibt, allein wegen des Art­work. Und war­um wer­den seich­te Grup­pie­run­gen wie US 5 von euch mit Geld und Lob über­häuft, wäh­rend musi­ka­lisch anspruchs­vol­le Künst­ler wie Ost­kreutz oder sagen­wir­mal The Gos­sip höch­stens unter „haben wir auch irgend­wo rum­lie­gen“ geführt wer­den?

Ich den­ke, ich spre­che für vie­le mei­ner Leser, wenn ich euch fol­gen­des Geschäft vor­schla­ge:
Ihr pro­du­ziert wie­der gute Musik, und wir kau­fen sie. Glaubt mir, mit Bands, die nach The Who oder mei­net­we­gen auch nach The Beat­les klin­gen, kann man auch nach 40 Jah­ren noch reich wer­den. Dann fällt die klei­ne Quo­te der armen Irren, die wei­ter­hin Tokio Hotel und Bana­roo down­loa­den, nicht mehr ins Gewicht…

Klingt doch fair? Gut!