Nerdkrams
Schöner sichern unter Windows (Teil 2): Alternativen zu rsync

Vor etwa drei Jahren hat­te ich beschrieben, wie man mit cwR­sync unter Win­dows seine wichti­gen Dateien (*) effizient sich­ern kann. Mit Bedauern stellte ich nun gestern fest, dass cwR­sync offen­bar peu a peu in eine kom­merzielle Lösung umge­wan­delt wird. Ärg­er­lich, aber ver­ständlich. Sicher­heit­shal­ber begab ich mich auf die Suche nach Alter­na­tiv­en.

Für meine Zwecke benötige ich eigentlich nur zwei von rsyncs Funk­tio­nen, näm­lich die Spiegelung (Verze­ich­nis 2 wird zu ein­er exak­ten Kopie von Verze­ich­nis 1) und inkre­mentelle Sicherun­gen (nur Änderun­gen wer­den über­tra­gen, was ins­beson­dere bei großen Daten­men­gen ganz nett ist). Eine der möglichen Alter­na­tiv­en zu cwR­sync, die bei­des bieten, ist plat­tfor­munab­hängig, quellof­fen und blöder­weise in Java entwick­elt wor­den. Mit dieser Lösung fange ich direkt an.

Sie heißt Are­ca Back­up und sieht kom­plex­er aus als sie eigentlich ist (hüb­sche Bilder gibt es auf der Web­site). Are­ca (ich kürz’ das jet­zt mal ab) arbeit­et wie die meis­ten Entwick­lungs-IDEs auf Arbeits­bere­ichs­ba­sis, ein Sicherungsvor­gang kann also selb­st gespe­ichert und immer wieder abgerufen wer­den, so dass die Sicherung nur ein einziges Mal vor­bere­it­et wer­den muss und ein­fach mit­gesichert wer­den kann.

(In fol­gen­den Beispie­len möchte ich den Ord­ner “Neuer Ord­ner” mit Aus­nahme aller Dateien, die auf *.tmp enden, auf dem Desk­top auf die externe Fest­plat­te G:\Test\ sich­ern. Zeit­stem­pel müssen nicht über­nom­men wer­den. Der Ord­ner G:\Test\ sollte dabei bere­its existieren, son­st ver­wirrt Are­ca mit wenig aus­sagekräfti­gen Fehler­pop­ups.)

Beim Start ist ein Stan­dar­d­ar­beits­bere­ich (zum Beispiel .areca/workspace im Benutzerverze­ich­nis) vor­eingestellt, ändern lässt sich dieser im Menü “Arbeits­bere­ich / Arbeits­bere­ich öff­nen …”. Da noch nicht klar ist, ob wir vielle­icht später mal weit­ere Dinge sich­ern möcht­en, kön­nen wir Sicherun­gen auch grup­pieren. Dazu ist zuerst eine neue Gruppe (“Bear­beit­en / Neue Gruppe …”) zu erzeu­gen, die zum Beispiel “Sicherungskram” genan­nt wer­den kann.

Dann geht’s an die Sicherun­gen selb­st. Per “Bear­beit­en / Neues Ziel …” (etwas missver­ständlich über­set­zt, bess­er wäre vielle­icht “Neue Sicherung”) kann eine solche ini­tial­isiert wer­den. Dabei ist es unten im Dia­log möglich, die Art der Sicherung auszuwählen. “Delta” ist die inkre­mentelle Sicherung, die nur geän­derte Teile spe­ichert — allerd­ings in ein jew­eils neues Archiv mit ein­stell­barem Namen (Stan­dard ist das aktuelle Datum im For­mat Jahr-Monat-Tag). Es ist, anders als bei rsync, also nicht möglich, einen einzi­gen Back­u­pord­ner ohne tag­basierte Unterord­ner (man möchte vielle­icht immer nur die aktuell­ste Ver­sion auf­be­wahren) inkre­mentell zu pfle­gen, nur eine nicht inkre­mentelle Vari­ante (“Image”) ist ver­füg­bar. Das ist etwas schade.

Areca - Ziel bearbeiten

Unter “Quellen” kann nun aus­gewählt wer­den, was gesichert wer­den soll. Dort kann der “neue Ord­ner”, den wir sich­ern wollen, ein­fach hinzuge­fügt wer­den — ein Herum­spie­len mit Optio­nen ist nicht notwendig. Inter­es­sant ist auch der “Filter”-Dialog: Dort kön­nen bes­timmte Unterord­ner, Dateien und Date­itypen — etwa unser *.tmp — von der Sicherung in diesen Ord­ner ausgenom­men wer­den. Are­ca unter­stützt auch Ver­schlüs­selung und Kom­pres­sion der Daten­sicherun­gen. Klickt ein­fach mal in diesem Dia­log herum.

Wenn alles fer­tig ist, erscheint die Sicherung im “Baum” im Are­ca-Fen­ster:

Areca-Baum

Per Recht­sklick kann die Sicherung nun simuliert wer­den. Wenn alles zur eige­nen Zufrieden­heit geklappt hat, ste­ht der eigentlichen Sicherung (eben­dort) nichts mehr im Weg.

Ach so, Are­ca bringt auch eine Kom­man­dozeilen­ver­sion mit, die aber etwas umständlich zu bedi­enen ist. Ich per­sön­lich halte robo­copy unter Win­dows (und rsync unter Lin­ux und BSD) für bess­er bedi­en­bar, zu robo­copy komme ich weit­er unten noch.

Die anderen bei­den Pro­gramme näm­lich, die mir pos­i­tiv aufge­fall­en sind, sind zwar nicht quellof­fen, für Win­dows­nutzer aber schon deswe­gen inter­es­sant, weil sie mit­tler­weile fes­ter Bestandteil des Sys­tems sind:

1. Win­dows Back­up

Das gute, alte Win­dows-Back­up, damals noch trist und eher funk­tion­ss­chwach, hat sich inzwis­chen zu einem voll­w­er­ti­gen Ersatz für Are­ca gemausert, beherrscht auch inkre­mentelle Sicherun­gen und eine voll­ständi­ge Inte­gra­tion in den Win­dows-Auf­gaben­plan­er, so dass man sich nicht mehr selb­st darum küm­mern müss. Blöd: Die Ein­rich­tung ist etwas umständlich. Wer aber auf der Suche nach einem guten Sicherungssys­tem unter Win­dows ist, der sollte zumin­d­est ein­mal über­prüfen, ob Win­dows’ eigenes Back­up­sys­tem die Anforderun­gen erfüllt; vielle­icht erspart das etwas Aufwand.

2. robo­copy

robo­copy, ein däm­lich­es Wort­spiel mit “Robo­cop” sowie einst Teil des “Resource Kits” (also ein­er Samm­lung von Admin­is­tra­tionswerkzeu­gen für Win­dows), seit Win­dows Vista stan­dard­mäßig dabei, ist ein Kom­man­dozeilen­werkzeug, das dem einst emp­fohle­nen xcopy32 einiges voraus hat. Um es zu ver­wen­den, benöti­gen wir zunächst mal eine Kom­man­dozeile (etwa cmd oder PyCmd). Dort lässt sich ein Überblick über die vielfälti­gen Fähigkeit­en von robo­copy mit­tels robo­copy /? erhal­ten:

robocopy-Parameter

Für unsere Zwecke — die ein­seit­ige inkre­mentelle Spiegelung eines Ord­ners in einen anderen — benöti­gen wir fol­glich drei Para­me­ter:

  1. /MIR: Spiegelt die Verze­ich­nis­struk­tur, ent­fer­nt im Orig­i­nal gelöschte Dateien im Zielord­ner.
  2. /M: Kopiert nur Dateien mit geset­ztem Archivbit, set­zt dieses Bit nach dem Kopieren zurück.
    (Anstelle der Option /M kann auch /XO ver­wen­det wer­den, das Dateien, die älter als die let­zte Sicherung sind, über­springt. Dies ist aber zeit­stem­pelab­hängig — den dür­fen wir hier also nicht mitkopieren. robo­copy tut dies stan­dard­mäßig nicht.)
  3. /XF *.tmp: Über­springt alle Dateien/Unterordner, die auf *.tmp passen.

Der voll­ständi­ge Befehl, um unsere gewün­schte Sicherung anzule­gen, lautet also: robo­copy “C:\Users\hp\Desktop\Neuer Ord­ner” G:\Test\ /MIR /M /XF *.tmp /L. Der Para­me­ter /L sorgt dafür, dass der Vor­gang zunächst nur simuliert wird:

robocopy-Simulation

Wenn alles geklappt hat und robo­copy keine Fehler aus­gibt, kann /L wegge­lassen wer­den. Um exakt den gle­ichen Befehl später wieder­holen zu kön­nen, kann übri­gens auch robo­copy Aufträge spe­ich­ern: Der Para­me­ter /SAVE:Sicherung spe­ichert den Beispielfall, später genügt die Eingabe von robo­copy /JOB:Sicherung zum erneuten Abruf.

Beson­ders nüt­zlich wird robo­copy, wenn man es in ein­er Batch­datei, also in Verbindung mit anderen Befehlen oder als Samm­lung von robo­copy-Abläufen, benutzt. Das The­ma Batch­pro­gram­mierung würde hier jedoch den Rah­men spren­gen, ich ver­weise daher hier­für auf Wik­i­books.

Gibt es Ergänzun­gen, vielle­icht gar Aler­na­tiv­en zu cwR­sync, die weit­er­hin unkom­merziell weit­er­en­twick­elt wer­den? In den Kom­mentaren sind sie gern gese­hen!


*: zum Beispiel Pornos.

Senfecke:

    • Hab’ ich mir ange­se­hen, ist ziem­lich hässlich — und die Kon­fig­u­ra­tions­möglichkeit­en sind eher beschränkt. :-(
      Oder habe ich was überse­hen?

  1. Wenn die Kon­fig­u­ra­tions­möglichkeit­en, die Du oben beschreib­st beschränkt sind, dann weiss ich’s auch nicht, was will­ste denn? Runde Eck­en und Kuchen back­en?

  2. Wär’ cool.

    Wie gesagt, hat­te es mir nur ange­se­hen. :D Aber tat­säch­lich vergessen oben zu erwäh­nen. Danke für die Erin­nerung jeden­falls.

    • Die Optik ist ja mal geil! (Kein Witz.) — Aber die kosten­lose Ver­sion ist ein biss­chen sehr eingeschränkt, gemessen an den Alter­na­tiv­en. (Mehrere Sicherun­gen gehen offen­bar nicht.) Aber es scheint tat­säch­lich alles zu kön­nen, was ich brauche, danke.

      Das scheint wie Are­ca zu funk­tion­ieren, also nicht “alles in einem Ord­ner”, son­dern 1 Ord­ner pro Tag, richtig?

    • Ja, aber mehrere voneinan­der unab­hängige Sicherun­gen, sagt die Ver­gle­ich­sta­belle, gehen nur in der Bezahlver­sion.

  3. Hm, ich weiß jet­zt nicht wirlich was du mit unab­hängi­gen Sicherun­gen genau meinst. Es ist auf jeden Fall möglich mehrere Pro­jek­te mit jew­eils eige­nen zu sich­ern­den Verze­ich­nis­sen anzule­gen. Auch in der kosten­losen Ver­sion.

  4. Ger­ade das /mir sollte man weglassen, wenn man von BACKUP redet!
    robo­copy “C:\Users\hp\Desktop\Neuer Ord­ner” G:\Test\ /MIR /M /XF *.tmp /L.

    Aus­verse­hen gelöscht, aus­ge­führt und weg ist die Datei.
    Dieser Befehl sollte man NICHT bei ein­fach Sicherun­gen ver­wen­den. (Also nur ein Sicherungsmedi­um)
    Wenn jedoch Groß­vater-Vater-Sohn auf Monats­ba­sis ver­fol­gt wird, kann man das so ste­hen lassen.

    Alter­na­tiv:
    rem: wech­sel in Back­up­root
    cd G:\Backup\
    robo­copy “C:\Users\hp\Desktop\Neuer Ord­ner” G:\%Computername%-%Date%\ /MIR /M /XF *.tmp /L.

    • Wer “aus Verse­hen löscht”, hat ganz andere Sor­gen, glaube. Ich habe halt lieber gern ein “sauberes” Back­up.

  5. gibt es noch pro­gramme, die sich intu­itiv ver­wen­den lassen, ohne dass man hirn­sausen bekommt? nur noch unfähige dro­gen­süchtige java-pfusch­er ??? arm­selig so was.

Comments are closed.

https://tuxproject.de/blog/wp-content/plugins/wp-monalisa/icons/smiley_emoticons_smilenew.gif  https://tuxproject.de/blog/wp-content/plugins/wp-monalisa/icons/smiley_emoticons_biggrin2.gif  https://tuxproject.de/blog/wp-content/plugins/wp-monalisa/icons/smiley_emoticons_sadnew.gif  https://tuxproject.de/blog/wp-content/plugins/wp-monalisa/icons/smiley_emoticons_eek.gif  https://tuxproject.de/blog/wp-content/plugins/wp-monalisa/icons/smiley_emoticons_shocked.gif  https://tuxproject.de/blog/wp-content/plugins/wp-monalisa/icons/smiley_emoticons_confusednew.gif  https://tuxproject.de/blog/wp-content/plugins/wp-monalisa/icons/smiley_emoticons_coolnew.gif  https://tuxproject.de/blog/wp-content/plugins/wp-monalisa/icons/smiley_emoticons_lol.gif  https://tuxproject.de/blog/wp-content/plugins/wp-monalisa/icons/smiley_emoticons_madnew.gif  https://tuxproject.de/blog/wp-content/plugins/wp-monalisa/icons/smiley_emoticons_aufsmaul.gif  https://tuxproject.de/blog/wp-content/plugins/wp-monalisa/icons/smiley_emoticons_seb_zunge.gif  https://tuxproject.de/blog/wp-content/plugins/wp-monalisa/icons/smiley_emoticons_blushnew.gif  https://tuxproject.de/blog/wp-content/plugins/wp-monalisa/icons/smiley_emoticons_frown.gif  https://tuxproject.de/blog/wp-content/plugins/wp-monalisa/icons/smiley_emoticons_twistedevil1.gif  https://tuxproject.de/blog/wp-content/plugins/wp-monalisa/icons/smiley_emoticons_twistedevil2.gif  https://tuxproject.de/blog/wp-content/plugins/wp-monalisa/icons/icon_mad.gif  https://tuxproject.de/blog/wp-content/plugins/wp-monalisa/icons/smiley_emoticons_rolleyesnew.gif  https://tuxproject.de/blog/wp-content/plugins/wp-monalisa/icons/smiley_emoticons_wink2.gif  https://tuxproject.de/blog/wp-content/plugins/wp-monalisa/icons/smiley_emoticons_idea2.gif  https://tuxproject.de/blog/wp-content/plugins/wp-monalisa/icons/smiley_emoticons_arrow2.gif 
mehr …
 

Erlaubte Tags:
<strong> <em> <pre> <code> <a href="" title=""> <img src="" title="" alt=""> <blockquote> <q> <b> <i> <del> <tt> <span style=""> <strike>

Datenschutzhinweis: Deine IP-Adresse wird nicht gespeichert. Details findest du hier.