In den NachrichtenWirtschaft
“Wie viele Milliarden brauchen Sie?”

(Aus aktuellem Anlass mal wieder ein wenig Laien­wirtschaft. Ergänzun­gen sind willkom­men — tat­säch­lich ist dies nicht mein Fachge­bi­et.)

Den Nachricht­en — Ver­linkung lei­der uner­wün­scht — ist gegen­wär­tig zu ent­nehmen, dass wie jedes Jahr darüber nachgedacht wird, die höch­stver­schulde­ten deutschen Bun­deslän­der, darunter das Saar­land, ein­fach wegzu­fu­sion­ieren. Was aus den Schulden des jew­eili­gen Lan­des wer­den soll, ist dabei lei­der nicht klar geregelt; wahrschein­lich gehen diese dann in das Port­fo­lio des übernehmenden Lan­des über. Vielle­icht möchte Frankre­ich uns das Saar­land ja immer noch abnehmen.

Dabei ist das mit den Schulden doch eigentlich seit 2009 so gut wie erledigt:: Berlin, Bre­men, das Saar­land, Sach­sen-Anhalt und Schleswig-Hol­stein dür­fen nur noch bis Ende 2019 Schulden machen, danach ist Schluss; in anderen Worten: Dem immensen Schulden­berg darf danach nichts mehr hinzuge­fügt wer­den. Zum Ver­gle­ich: Wenn ich ein paar hun­dert Mil­lio­nen Euro Schulden hätte und sech­sein­halb Jahre Auf­schub für die Rück­zahlung erbäte, meine Bank wäre nicht mehr allzu fre­undlich zu mir — aber ich bin ja kein Land.

Inter­es­sant ist das Kon­so­li­dierung­shil­fenge­setz (Kon­sul, hi, ähm, Kon­sHil­fG) aber auch für diejeni­gen zu lesen, die bish­er noch nicht ver­standen haben, wieso es im Volksmund heißt, der Staat ziehe seinen Bürg­ern das Geld aus der Tasche, denn der geplante Schulden­ab­bau (es heißt, wohlge­merkt, Schulden­bremse, nicht Schulden­prell­bock — es wird also nichts abrupt ange­hal­ten, es dauert kün­ftig nur etwas länger) geht natür­lich nicht ein­fach so. Die Län­der bekom­men jedes Jahr ins­ge­samt 800 Mil­lio­nen Euro für die Por­tokasse spendiert, die sie dann bis 2020 sparen sollen. Woher diese 800 Mil­lio­nen kom­men, ist natür­lich eben­falls geset­zlich geregelt (§ 3 Kon­sHil­fG):

Die sich aus der Gewährung der Kon­so­li­dierung­shil­fen ergebende Finanzierungslast wird hälftig von Bund und Län­dern getra­gen. Der Anteil des Bun­des an den Zahlun­gen nach § 1 Absatz 2 beträgt jährlich 400 Mil­lio­nen Euro.

Leg­ende: Der Bund, das sind die Steuerzahler, und die Län­der, das sind eben­falls die Steuerzahler; nur eben diejeni­gen, die blöder­weise in den Län­dern wohnen, die mit ihrem Geld bess­er umge­hen kön­nen. Wer vor 2020 inner­halb Deutsch­lands umziehen möchte, sollte sich also eines der Bun­deslän­der aus­suchen, die nicht im Kon­sHil­fG aufge­führt sind. Man weiß ja nie.

Die 800 Mil­lio­nen Euro sind übri­gens offen­bar nicht dafür gedacht, damit Schulden abzubauen; § 2 Abs. 1 Kon­sHil­fG stellt diese Finanzspritze vielmehr als nettes Geschenk dar:

Gewährte Kon­so­li­dierung­shil­fen bleiben bei der Ermit­tlung des Finanzierungssal­dos unberück­sichtigt.

Selb­st, wenn also bis 2020 besagte Län­der ein aus­geglich­enes Sal­do vor­weisen kön­nen, wer­den die ins­ge­samt 800 Mil­lio­nen Euro sozusagen schlicht aus den Büch­ern gestrichen. Man möchte ja kein Bun­des­land unnötig bestrafen. Und wenn sie das nicht schaf­fen? Tja, dann gibt’s halt im entsprechen­den Jahr kein Extra­bon­bon aus dem Topf und einen mah­nen­den Blick (§ 2 Abs. 3 Kon­sHil­fG):

Wird die Ein­hal­tung der Ober­gren­zen des Finanzierungssal­dos nach Absatz 2 nicht fest­gestellt, ver­warnt der Sta­bil­ität­srat das betrof­fene Land. Der Anspruch des betrof­fe­nen Lan­des auf Kon­so­li­dierung­shil­fe für dieses Jahr ent­fällt.

Zum Ver­gle­ich: Die Bun­deslän­der haben 2012 ins­ge­samt einen Schulden­berg von fast 649 Mil­liar­den Euro aufge­häuft, Ten­denz steigend. Dass der Euro Deutsch­land von den lästi­gen Pflicht­en aus dem Ver­trag von Maas­tricht befre­it hat (für den es 2003 immer­hin noch eine Jubiläums­brief­marke gab), ist da vielle­icht zumin­d­est ein inter­essiertes “Oho!” wert.

Nochmals zum Ver­gle­ich: Die Schweiz, größter Einzel­gläu­biger Deutsch­lands und außer­halb der Euro­zone liegend, hat zurzeit (mit Stand von jet­zt ger­ade) eine tägliche Neu­ver­schul­dung von minus 3,463 Mil­lio­nen Euro.

Peter Bofin­ger — das war der “Wirtschaftsweise”, der sta­bile Währun­gen für Teufel­szeug hält — hat gesagt, es sei falsch, Schulden mit Meth­o­d­en zu bekämpfen, die Ver­luste für Gläu­biger bedeuten kön­nten. Vielle­icht soll­ten wir Deutsch­land ein­fach an die Schweiz angliedern.

Mit Aus­nahme des Saar­lands, ver­ste­ht sich.

(Mit Dank an L.!)