Soeben lausche ich dem 2007 veröffentlichten Musikalbum “In Stormy Nights” des japanischen Sextetts Ghost, genauer: dem 5. enthaltenen Stück “Caledonia”, das mit seiner Dudelsackbegleitung trotz der seltsamen Gitarrenklänge irischer Tanzmusik nicht unähnlich klingt, und beschließe, es hier zu würdigen. Zum Glück singt Frontmann Masaki Batoh auf Englisch — mein Japanisch ist nicht das Beste.
Der Titel des Albums taucht lediglich in der abschließenden Folkballade “Grisaille”, benannt wohl nach dem Gemäldestil, der nur aus schwarzen, weißen und grauen Farben besteht, und auch nach einer vertonten Umsetzung dieses Stils klingend. Es regiert die Tristesse.
Das ist nach dem bis dahin recht stürmischen Rest des Albums ziemlich ungewöhnlich, denn der hat es in sich.
In der englischsprachigen Wikipedia werden Ghost zurzeit in die Schubladen Acid Folk, Experimental Rock und Psychedelic Rock geschoben. Ich würde noch eine Prise Postrock/Shoegaze dazugeben wollen. Fast die Hälfte der Spielzeit nimmt das imposante, 28-Komma-nochwas-minütige Instrumentalstück “Hemicyclic Anthelion” ein. Selbiges wird über fast die ganze Länge von einem monotonen, metallischen Grundrauschen wie von einer Maschine untermalt, das erst nach 22 Minuten verstummt. Darüber flirren allerlei Synthesizer- und ähnliche Klänge, wie sie in der elektronischen Musik der frühen 1970er Jahre üblich waren.
Das folgende “Water Door Yellow Gate” schlägt die Brücke zum Folk: Während der Rhythmus, der jenen gefallen dürfte, die auch an Colosseum (II) ihre Freude haben, vorangetrieben wird, ertönen allerlei Tasteninstrumente, (vermutlich) Kazuo Ogino erzeugt Chorgeräusche, und fast bis zur Unkenntlichkeit verzerrte Gitarren begleiten das bunte Treiben; überdies ruft Masaki Batoh mit akzentuiertem Gesang zu den Waffen und erzählt von verbrannter Erde in einem Niemandsland. Wäre ich Musikjournalist und würde mein erbärmliches Geld damit verdienen, solchen Momenten Etiketten anzuheften, ich entschiede mich vermutlich für Psychedelic Folk. Da haben wir es wieder. “Water Door Yellow Gate” wird gefolgt von “Gareki No Toshi”, das nach einem ähnlichen Muster funktioniert, die (wenigen) Spracheinwürfe — verzerrt und eher gerufen als gesungen — klingen eher nach Scooter (Scooter?!) als nach Tangerine Dream. Skurril.
“In Stormy Nights” ist sicherlich nichts, was dem Gelegenheitshörer umgehend Freude zu bereiten vermag, wenn er mit genannten Genres (oder Musikgruppen) nicht viel anzufangen weiß. Dass Ghost hierzulande aber nicht unbedingt zu den bekanntesten Musikgruppen der schrägen Folkmusik gehören, finde ich ein wenig schade. Möge dieser Beitrag seinen Teil dazu beitragen, dass sich dieser Zustand alsbald ändere!


Muahaha…habe allein in „Caledonia“ reingehört.
Frech!
“hihihi du hast sex gesagt”
-tett!