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An der Schwelle eines Bürgerkrieges: Die digitale Generation trifft auf Inkompetenz.

Es ist recht beun­ruhi­gend, was dieser Tage so vor sich geht. In einem medi­al run­dumbeschall­ten Deutsch­land ist es für Poli­tik­er offen­bar nicht mehr notwendig, mit unlieb­samen Äußerun­gen bis nach der näch­sten Wahl zu warten:

“Natür­lich wer­den wir mit­tel- und länger­fristig auch über andere krim­inelle Vorgänge reden”, äußerte sich Wiefel­spütz in Bezug auf Web­seit­en mit ver­fas­sungs­feindlichen oder islamistis­chen Inhal­ten und fügte hinzu “Es kann doch nicht sein, dass es im Inter­net eine Welt ohne Recht und Gesetz gibt”.

(heise.de)*

Dass man alles, was man nicht ver­ste­ht, erst mal ver­bi­eten lassen will, ist bedrück­end. Die Inkom­pe­tenz der p.d. Volksvertreter wird von einem Volk getra­gen, das sich mit Brot und Spie­len besän­fti­gen lässt; Haupt­sache, keine Nazis, oder wie ist das zu ver­ste­hen?

Die Gen­er­a­tion C64 ist längst keine Nis­chenkul­tur mehr, son­dern hat mit ihren Ideen unsere Medi­en­land­schaft stark verän­dert. Das Inter­net ist längst kein Tum­melplatz für ein paar Akademik­er mehr, son­dern bes­timmt viele Aspek­te des täglichen Lebens. Dass nun aus­gerech­net diejeni­gen, die bei jed­er sich bietenden Gele­gen­heit ihre Unken­nt­nis bezüglich der Dig­i­tal­tech­nik der let­zten paar Jahre zur Schau stellen, sich anmaßen, über der­art sen­si­ble The­men Entschei­dun­gen zu tre­f­fen, ohne auf Ein­wände jen­er Per­so­n­en, die seit Jahren ihr Brot mit diesem Fachge­bi­et ver­di­enen, einzuge­hen, sie gar als kon­trapro­duk­tiv einzustufen, ist bizarr.

Mit all den geplanten Ter­ror- und son­sti­gen Abwehrge­set­zen (“[d]ie Sicher­heits­be­hör­den sollen das Recht eingeräumt bekom­men, jeden Brief, jedes Fax, jede E‑Mail, jegliche Kom­mu­nika­tion der Bürg­erin­nen und Bürg­er verdeckt zu überwachen”, via fixm­br) fühlt man sich fast wie in den para­noiden USA; wenn nicht gar wie in der Orwellschen Dystopie, vor deren Umset­zung nun seit Jahren vergebens gewarnt wird. Um so schlim­mer ist die Poli­tikver­drossen­heit der Deutschen.

Alles kom­men­tar­los über sich erge­hen zu lassen ist sicher­lich auch eine Frei­heit, die die demokratis­chen Grund­sätze dieses Staates gewähren. Aber es ist die falsche. Für die anste­hende Europawahl bietet sich immer­hin eine vertret­bare Lösung an, deren Einzug ins Europa­parla­ment gesichert sein dürfte. Aber dann? Und was, wenn nicht?

Um ein let­ztes Mal fixm­br zu zitieren:

Wir kämpfen für die Frei­heit, die Unab­hängigkeit, die Sou­veränität und das Selb­st­bes­tim­mungsrecht jedes einzel­nen Bürg­ers. Es geht nicht um die eine oder andere Mei­n­ung, nicht um Befind­lichkeit­en oder um Ver­gan­ge­nes. Es geht schlicht und ergreifend um die Frage:

Was für eine Gesellschaft wollen wir unseren Kindern hin­ter­lassen?

Es ist schlichtweg zum Kotzen.

(War erst mal mein let­zter poli­tis­ch­er Beitrag. Ver­sprochen.)


* Nach­trag: Inzwis­chen hat er dieser Darstel­lung wider­sprochen.