Einen bedenklichen Fall von akuter Sprachverwirrung nahm ich heute in einem der Lebensmittelgeschäfte meiner Wahl wahr. Zwischen allerlei normalen Grillsaucen nämlich entdeckte ich auch zwei Sorten der Marke Heinz, die das diesjährige Proletenduo Grillsaison und Fußball-EM (zu deren Boykott ich aus allerlei politischen Gründen rate und mit gutem Beispiel vorangehe; Details sind den Nachrichten zu entnehmen) thematisieren. Eine von ihnen heißt (dämlicher‑, nicht aber falscherweise) “Elfmeter für Würstchen”, die andere “You’ll never grill alone”.
Klar: Hier wird Bezug genommen auf das meist grölend vorgetragene ehemals Broadway- und nun Fußballliedchen “You’ll Never Walk Alone”, “Du gehst nie allein”. Aber “grillen” heißt doch im Englischen irgendwas mit “barbecue”? Stimmt, “grillen” (etwas auf dem Rost erhitzen) heißt “to barbecue”, im US-Amerikanischen auch “to broil”.
Indes: Analog zum grill, dem Grillrost, existiert auch “to grill”. Das Wörterbuch — je nach Wörterbuch — übersetzt es mit “jemanden examinieren”, “jemandem auf den Zahn fühlen”, “jemanden in die Mangel nehmen” und, als umgangssprachliche Kurzform für “to cook something under the grill” und somit eigentlich kaum relevant, “etwas unter den Grillrost legen”, und Holzkohle mit Sauce schmeckt vermutlich nicht mal den US-Amerikanern.
Grillsauce ist im Englischen bekanntermaßen (da vielfach in hiesigen Läden zu sehen) “barbecue sauce” oder schlimmstenfalls “BBQ sauce”, aber eben keine “grill sauce”.
“You’ll never grill alone”, “du wirst nie allein examinieren”. Wohl bekomm’s.


See Me, Feel Me, Kill Me, Grill Me
Näh, falsche Musikgruppe. Ich halte es mehr mit denen hier — sehr ähnlicher Text.
Näh, bäh, falsche Musikgruppe. Ich halte es mit “The Who”.
Ach so, ich dachte, du meintest die hier. The Who sind tatsächlich etwas erträglicher.
Richtig, ich meinte das hier.
Aaaaaaaaalt.
Es ist immer wieder erstaunlich wie du es schaffst aus einer Flasche Ketchup einen solch langen Artikel herauszudrücken.
Ich wünschte, das würde ich mit Zahncreme auch so mühelos hinbekommen.
Im Übrigen: Ich drücke hier gleich was ganz anderes, Junge!!1
Tux, was Du in Deinem Blogpost völlig ignorierst: Der Inhalt von Heinzflaschen ist mit der Konsistenz der Gehirne der Durchschnittsbürger identisch. Heinz könnte “Bla bla bla bla” auf die Saucentuben schreiben und es würde keinen großen Unterschied machen.
Wenn man clever gewesen wäre, hätte man sich aber im Vorfeld darauf geeinigt, rund um die EM nur Straßenhunde zu grillen — die waren eh übrig.
(Gut, gell, wie ich mich hier nach 5 Monaten mal wieder melde, als wär nie was gewesen?)
Willkommen zurück. Ja, die Ukraine, ein lustiges Land, und würde ich mich über alles auskotzen, was mir dort nicht passt, bekäme ich Sodbrennen, glaube ich. Da lieber: Ignorieren, nix zu schreiben, auf SPIEGEL Online verweisen (mache ich ungern), wichtigere Dinge im Auge behalten. Apropos, wenn Heinz “Bla bla bla bla” draufschriebe, bekämen sie vor allem Zulauf von Lady-Gaga-Fans, die das sofort mitsingen können. Furchtbar, diese Popmusik.