Und da ich gerade dabei war, mich aufzuregen, mache ich damit gleich weiter, sonst kriege ich am Ende noch gute Laune, und das führt dann immer zu eigenartigen Artikeln, die niemand versteht. Gute Laune lässt sich am einfachsten verhindern, indem man die Nachrichten des Tages liest.
Und dann liest man zum Beispiel so etwas:
Portugal erhält Milliardenkredit
Einen Kredit kennt man: Man geht zu seiner Bank, setzt einen Dackelblick auf und seine Unterschrift unter einen Knebelvertrag, den man früher oder später bereut, und hat fortan nicht nur Schulden in Höhe des Kredites, sondern sieht sich obendrein mit Zinsforderungen in mitunter unangenehmer Höhe konfrontiert, bis man diese Schulden zurückgezahlt hat.
Portugal aber ist nicht einfach zur Bank gegangen, denn die portugiesischen Banken sind allesamt der Pleite nahe. Ein bisschen wie die deutschen. Portugal hat sich keinen Kredit geben lassen, sondern ist in die Bank des Nachbarn reinspaziert und hat “Geld her!” gebrüllt, und die Bank schwang zwar den Zeigefinger, gab Portugal das Geld aber trotzdem, denn Portugal sieht so niedlich aus, wenn es weint. Das mit dem Dackelblick kann Portugal wohl schon ganz gut.
Wenn ich mir von der Bank einen Kredit geben ließe und den dann nicht zurückzahlen könnte, würde die Bank zu mir sagen, dass es so nicht ginge, was mir wohl einfiele und dass ich dann wohl mal ein paar Jahre im Kittchen über meinen Umgang mit Geld nachdenken sollte. Leider haben wir kein Kittchen, das groß genug wäre, damit Portugal da reinpasst, also kann man Portugal nicht ins Kittchen stecken. Stattdessen sagt man Portugal bei der Kreditvergabe, es sei gar kein Kredit, sondern ein “Hilfspaket”, das ist wenigstens schön schwammig formuliert. Ich betrachte einen Bankkredit übrigens auch als ein Hilfspaket für mich, aber ich bin ja kein Land.
Hilfspakete unterscheiden sich von Krediten offiziell insofern, als man sie nicht zurückzahlen, sondern nur artig nicken muss, wenn der Paketdienst zur Unterschrift bittet:
Portugal verpflichtet sich gegenüber EU und IWF, das Haushaltsdefizit von 9,1 Prozent des Bruttoinlandsproduktes im vergangenen Jahr bis 2013 unter drei Prozent zu drücken — mehr ist nach den EU-Spielregeln nicht erlaubt.
Und wenn sie das nicht schaffen, dann haben sie halt ziemlich große Schulden bei den Geldgebern, die sich dann ein paar Jahrzehnte lang anhäufen dürfen. Die Geldgeber sind übrigens nicht die Banken oder irgendwelche Staaten, sondern es sind die Steuerzahler in diesen Staaten. Und die Begründung dafür, dass die Steuerzahler in diesen Staaten, deren Haushaltsdefizit auch nicht von schlechten Eltern ist, ihr Minusgeld zugunsten fremder Staatskassen noch ein wenig zu erhöhen haben, ist so simpel wie bescheuert:
“Wir können das nicht ohne Deutschland und seine Bereitschaft, die Stabilität des Euro zu sichern, machen”, sagte Rehn (EU-Währungskommissar) der Zeitung “Die Welt”. “Indem wir Portugal unter strikten, aber realistischen Bedingungen helfen, schützen wir auch die wirtschaftliche Erholung in Deutschland und die Ersparnisse der deutschen Bürger.”
Eine marode Währung stabilisiert man halt am besten, indem man so lange große Beträge hin und her schaufelt, bis alle, die diese Währung nutzen müssen, ungefähr gleich viel Schulden haben, das nennt man dann eine “Währungsunion”. Wieder was gelernt.
Griechenland hat übrigens ein bisschen Glück gehabt, dass sie schon früher pleite waren, denn während es selbstverständlich schlicht eine Frechheit wäre, aus einem Hilfspaket Profit zu schlagen, sieht das mit Geldgeschenken anders aus (Hervorhebung, wie meist, von mir):
Griechenland hatte schon vor Gründung des EU- Rettungsfonds EFSF von einem Extra-Paket von 110 Milliarden Euro profitiert.
Eins allerdings ist einleuchtend: Ersparnisse, die die deutschen Bürger nicht mehr haben, weil sie sie nach Portugal exportiert haben, können sie nicht mehr für Unsinn ausgeben. Das schützt ihre Ersparnisse vor ihnen selbst. Eigentlich wäre es doch eine traumhafte Welt, wenn keiner mehr Geld hätte, um sich davon Waffen oder iPhones zu kaufen. Sollte diese Utopie eines Tages Wirklichkeit werden? Wohl auch getrieben von diesem Traum “hatte [der Bundestag] das Hilfspaket für Portugal bereits mit breiter Mehrheit unterstützt”, aber wirklich ganz breit.
Ich glaube, ich gehe dieser Tage auch mal wieder zu einer Bank, bei der ich bislang kein Kunde war, und frage, natürlich mit Dackelblick, nach einem Hilfspaket. So als armer Student bin ich doch wohl kaum weniger hilfsbedürftig als ein Land voller arbeitender Menschen mit noch funktionierender Exportinfrastruktur.
Und ich bin mal gespannt, wie viel ich bekomme.
(Danke an L.!)


Da erinnere ich mich wieder schlagartig an das Grünenplakat über der Hypo Real Estate:
“Wäre die Welt eine Bank, hättet Ihr Sie schon längst gerettet”
also ich hätte von meiner Bank schon gerne mal so 100 Mrd vom Rettungsschirm
Da musst du der Bank aber erst Geld leihen.
Ja, aber ich zahl als Student doch keine Steuern…ist dies nicht der perfekte Anlass Geld vom zahlenden Bürger zu fordern?!?!?!?!?!?!??!!ß1ß1ß1ßß1
I.f.d.g.
“Und ich bin mal gespannt, wie viel ich bekomme.”
Der bankenverräter wir dich vermutlich mit “bulldoggenblick” angaffen. Und ab dem zeitpunkt wird es schwierig mit der verhandlung.
Dein geschildertes szenario hat was.
Ich hole schon seit monaten alles guthaben von der bank, weil ich nicht weiß was im hintergrund abgeht. Lieber kein guthaben, als nachher in die röhre schauen.
Ciao.…