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Kurz verlinkt XXXII: Vom Singen, Sprechen und Kotzen

Viel Getöse ver­anstal­ten die guten und weniger guten Medi­en seit eini­gen Monat­en, als die GEMA im Auf­trag der VG Musikedi­tion — dies wird sel­ten bemerkt — Kindertagesstät­ten angeschrieben hat­te, sie, die Kindertagesstät­ten, soll­ten doch bitte eine Pauschale für das Kopieren von Noten­blät­tern zahlen. Gehir­nakro­bat­en wie die Schreiber­linge von BILD, aber lei­der auch die ser­iös­er Mag­a­zine, haben es seit­dem ver­säumt, die Kindertagesstät­ten mal zu fra­gen, was denn eigentlich genau in den Anschreiben ste­ht, und beschränken sich darauf, von einem “Singver­bot” zu schwadronieren und davon, dass Kinder, die noch nicht mal lesen kön­nen, jet­zt nicht mehr von Noten­blät­tern able­sen dürften, ohne hor­rende Gebühren zu bezahlen; allein: das durften sie nie.

Das entsprechende Gesetz ist schon einige Jahrzehnte alt: Das Kopieren von urhe­ber­rechtlich geschützten Par­ti­turen erfüllt den Straftatbe­stand der uner­laubten Ver­w­er­tung urhe­ber­rechtlich geschützter Werke, auch “Pri­vatkopi­en” sind aus­nahm­sweise nicht ges­tat­tet. Der Vere­in Musikpi­rat­en e.V. stellt zwar unter freier Cre­ative-Com­mons-Lizenz ste­hende Alter­na­tiv­en zur Ver­fü­gung, nichts­destotrotz soll­ten die Poli­tik­er ger­ade auch der F.D.P., die sich jet­zt dem Volk am näch­sten zeigen möcht­en, weniger pop­ulis­tis­chen Unfug in Totholzme­di­en rülpsen, son­dern ihren Ver­trag mit der Musik­mafia, der einst das strit­tige Gesetz entste­hen ließ, ein­seit­ig kündi­gen; selb­st dann, wenn dadurch regelmäßige Spenden ent­fall­en. Mehr weiß Ste­fan Nigge­meier.

Apro­pos Gerülps:

Verkehrsmin­is­ter Peter Ram­sauer hat eine Mis­sion: Der CSU-Poli­tik­er ruft zum Kampf gegen englis­che Begriffe auf.

Das (Quelle) ist pri­ma und ein Grund, Her­rn Min­is­ter Ram­sauer wertzuschätzen, und darum möchte ich hier auch keinen Ein­wand erheben gegen den Inhalt der Mel­dung, son­dern gegen die Pub­likum­sreak­tion in Form von Kom­mentaren unten­drunter:

“Lasst euch von nem Unnöti­gen wie Ram­schi nix erzählen”, bit­tet Anony­mus “LouChy­pher”, der sich in kein­er Sprache zurechtzufind­en scheint. “Elric” stört es, dass man ver­suche, ihm sein geliebtes schlecht­es Englisch zu nehmen, denn es sei “Bull­shit”, schließlich solle “[d]er Typ … ver­nu­en­ftig reigeren und nicht pop­ulis­tis­che Scheinge­fechte schueren”; er, Ram­sauer, sei “der rein­ste cir­cle-jerk”. Der passend benamte “Deutschtrot­tel” pos­tuliert, er könne “ja nichts dafuer, dass mache Poli­tik­er zu bloed sind um Englisch zu reden”, erk­lärt jedoch auch nicht, wer etwas dafür kann, dass er ein Deutschtrot­tel ist.

Zus­pruch ist in der Masse von inzwis­chen über 1.400 Kom­mentaren nur wenig zu find­en, einige gewitzte Leser stim­men zwar “im Prinzip zu”, weisen dann aber auf das “Aber” hin, so etwa Kom­men­ta­tor “Har­ka”, der da schreibt: “Ges­pan­nt bin ich auch auf seinen Alter­na­tivvorschlag zum “Handy”, einen englis­chen Begriff, den es im Englis­chem gar nicht gibt”, kein Prob­lem: Im Englis­chen, wie auch im Deutschen, nen­nt sich das Gerät näm­lich schlicht Mobil­tele­fon, gern geschehen. Andere, etwa “ccc”, missver­ste­hen Her­rn Ram­sauer, denn “mit aller Gewalt aus dem Lap­top einen Klap­prech­n­er zu machen [sei] ein­fach nur lächer­lich”, ja, nur ver­sucht Herr Ram­sauer es nicht mit Gewalt; anders etwa hier nicht näher benan­nte Insti­tu­tio­nen, die “Job­cen­ter” und “Ser­vi­ce­points”, gern auch “Ser­vice Points”, betreiben, angesichts der­er ich mein­er­seits übri­gens auch nicht immer ohne Gedanken an Gewalt mein­er Wege gehe. Es ist unge­mindert erstaunlich, wie bere­itwillig sich manche Men­schen ins Abseits stellen. (Danke an M.)

Eine schließlich dann noch eine etwas weniger erheit­ernde Mel­dung ist diese:

Sie war mager­süchtig und stellte ihren gepeinigten Kör­p­er zur Schau, um andere vor der Krankheit zu war­nen. Wie jet­zt bekan­nt wurde, ist das franzö­sis­che Mod­el Isabelle Caro in einem Kranken­haus in Japan gestor­ben — ver­mut­lich an ein­er Lun­genentzün­dung. (…) Sie war 1,64 Meter groß und wog ger­ade ein­mal 31 Kilo, als sie sich von Star­fo­tograf Oliviero Toscani [im Jahr 2007] nackt für eine Kam­pagne gegen Anorex­ie fotografieren ließ.

Kon­trär hierzu stell­ten die “Frauenärzte im Netz” im März 2010 zum The­ma Mager­sucht fest:

Im Ver­gle­ich zu 2000 hat sich die Zahl der Behand­lun­gen um über acht Prozent erhöht.

Mal ganz ehrlich, ihr jun­gen, dum­men Dinger, die ihr hier mitlest:
Ist das etwa attrak­tiv? (Vor­sicht: Alb­traumge­fahr.)

Ihr missver­ste­ht da etwas:

Dass 63 Prozent der 13- bis 14-Jähri­gen sagen, sie wür­den gerne bess­er ausse­hen, sei Besorg­nis erre­gend, (…).

Es wäre sehr angenehm, sähet ihr bess­er aus, reduziertet ihr etwa eure fünf bis sechs Schicht­en Kajal und son­stige Schminke auf höch­stens eine, denn was nützt euch kün­stliche Schön­heit, wenn das, was eure kün­fti­gen Lebens­ab­schnittspart­ner abends zu sehen bekom­men, mit eurem zur Schau gestell­ten Kon­sum­gesicht nicht mehr viel gemein­sam hat? Eine dauer­hafte Beziehung, die schon mit ein­er Lüge begin­nt, kön­nt ihr euch, haha, abschminken.

Stattdessen find­et ihr es total pri­ma, euch zu bemalen wie Harlekins oder zumin­d­est Nut­ten auf der Reeper­bahn nachts um halb drei und glaubt, man würde euch nicht angewidert anse­hen, weil ihr euch schminkt und klei­det wie jemand, dessen Beziehun­gen nach Stun­den­tarif vergütet wer­den, son­dern weil ihr zu fett wärt. Immer noch ein biss­chen weniger, Klei­dung nur noch bei C&A in der Kinder­abteilung kaufen und so lange hungern, bis ihr hinein­passt. Ide­al­gewicht: 40 Kilo­gramm. Haupt­sache, nicht so fett sein wie die beste Fre­undin, die immer­hin fast 60 Kilo­gramm wiegt, das speck­ige Wal­ross!

Bitte ver­schont uns mit eurem Anblick.

(Unglück­lich gewählt ist übri­gens diese For­mulierung: “Essstörun­gen nehmen unter Frauen und Mäd­chen zu”. Hihi!)

Senfecke:

  1. Straftatbe­stand ein­er Urhe­ber­rechtsver­let­zung? Welche Vorschrift soll das denn sein? Ich kenne u. a. den Straftatbe­stand der uner­laubten Ver­w­er­tung urhe­ber­rechtlich geschützter Werke, §§ 106 ff UrhG.

  2. Hau’ doch oben gle­ich den Link zum Gesetz rein, zu find­en bei dejure.org. Übri­gens, diese Fehler lassen sich kün­ftig ver­mei­den, wenn man das Gesetz vor­ab liest.

  3. Blut­mord? Nie gehört. Na, wer den Link will, möge die Kom­mentare lesen. Ich betreibe bekan­ntlich kein Juris­ten­blog, das mit “keine Poli­tik” wirbt.

  4. Na, aber das Niveau ist doch hier ein wesentlich höheres als in jenen Stammtis­chblogs, die (nicht auss­chließlich) juris­tis­chen Un- und Schwachsinn hinkotzen. Wenn Du Dich schon auf juris­tis­ches Ter­rain beg­ib­st, dann doch bitte wenig­stens mit genauer Beze­ich­nung der Vorschriften. Soviel darf wohl auch vom juris­tis­chen Laien in Deinem eige­nen Inter­esse erwartet wer­den. Schließlich halte ich auch die Gren­zen meines tech­nis­chen Ver­ständ­niss­es ein. Meis­tens jeden­falls.

  5. Ich begebe mich nur aus zynis­chen Grün­den auf juris­tis­ches Ter­räng, ich habe schlicht keine Ahnung von der­lei. :)

    Klar hab ich die (und dein Dep­pen Leerze­ichen) gese­hen; ist ja nicht allzu gut ver­steckt. Warum macht ein Knall bei dir eigentlich Bomm und nicht Bumm?

  6. Ich weiß nicht, was Du mit dem “Dep­pen Leerze­ichen” meinst. Meinst Du “IT Recht”? Ich hätte auch “IT und Recht” oder “IT, Recht” schreiben kön­nen. Keines­falls aber IT-Recht, denn das war nicht gemeint. Ich habe aber auf Kom­ma­ta verzichtet.
    Der Knall macht Boom und nicht “Bomm”.

  7. Ich habe früher immer sehr gerne “Auf und davon” gese­hen, weil mich die Sendung zumin­d­est teil­weise an meine Zeit im Aus­land erin­nerte. Bis das Niveau auf K. her­ab­sack­te. Als ich es (sie?) zum ersten Mal sah, dachte ich, es han­dele sich um eine Transe.

  8. Es gab schon einige pfif­fige Damen: Eine prüfte eine Über­sied­lung in die Nähe Medel­líns, weil ihre Mut­ter dor­thin zurück­kehren wollte, eine andere besuchte eine Schule in Sin­ga­pur (kann auch was anders gewe­sen sein), und zur Zeit wird die Geschichte ein­er Aus­tauschschü­lerin in Argen­tinien wieder­holt.

  9. Und dann jemand, dessen Welt­bereis­theit sich auf “ick kann Franzö­sisch, hihi­hi” beschränkt?
    (Ich fol­gere dies aus der entsprechen­den Switch-Par­o­die.)

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