Da freue ich mich doch gerade wie ein Erdferkel, dass ich vorhin keinen Kaffee trank, denn ich hätte ihn vermutlich vor Schreck verschüttet. Denn was wurde da von einer nicht näher benannten Sendeanstalt in die Empfangsgeräte geschallt?
Die vor etwa einem Jahr auf sämtlichen Kanälen thematisierte Bombardierung zweier Tanklaster in Afghanistan, der ziemlich viele Tote folgten, habe “in Deutschland Diskussionen … ausgelöst”, mit der Betonung auf “Diskussionen”, als seien Diskussionen hierzulande prägnanter als jede nur denkbare Revolution; “Gefahr, Herr König, sie diskutieren bereits!”
In der Hoffnung, dass dies eine peinliche Formulierungspanne sein sollte, vergewisserte ich mich im Internet, dass dies nicht so ist. Allenthalben war in den Tagen und Wochen nach dem Bombardement von “Diskussionen” die Rede, die jetzt total plötzlich entstanden waren und nicht etwa schon seit dem Marschbefehl existiert hatten, unter anderem in diesem Artikel (sehr lobenswerte Überschrift auch, Herr Blum!).
Nein, keinesfalls hat die zweckfreie, völkerrechtlich vermutlich auch nicht unbedingt als total prima einzustufende Tötung von Zivilisten irgendwelche “Diskussionen” um Sinn und Unsinn des Kampfeinsatzes “ausgelöst”. Man hatte sich zu diesem Zeitpunkt bereits seit Jahren darauf geeinigt, dass eine deutsche Armee da unten nichts verloren hat. Allein: Hätte das deutsche Volk nicht längst das Wissen um und die Bereitschaft zu die und der Durchführung eines anständigen Aufstandes, wie er in Frankreich noch immer als hohes Kulturgut gepflegt wird, verloren, so gälte die Diskussion nicht als aggressivstes Protestmedium. Was die Menschen, bei denen man “Diskussionen ausgelöst” hat, wollten, war der Rücktritt dieses bekloppten Kriegstreiberhaufens. Da gab es gar nichts zu diskutieren.
Andernfalls hat der 2. Weltkrieg ebenfalls “Diskussionen ausgelöst”, aber lustigerweise wird das in den Geschichtsbüchern nie erwähnt.
(Da wir gerade bei Politik waren, noch zwei Kurze: Das Innenministerium von Rheinland-Pfalz hat nicht nur beschlossen, den Bundestrojaner einzuführen (via Fefe), sondern kann auch ganz offensichtlich “dass” und “das” nicht auseinanderhalten. Wie lautet eigentlich noch mal der Fachbegriff für die Herrschaft der Blöden?)


Die tun doch nichts, die diskutieren bloß …
Schöner Artikel. Hinter dem Wort “Bereitschaft” scheint mir irgendwas nicht ganz zu passen.
Und die Antwort auf die Frage am Ende weiß ich nicht. Ich glaube aber auch nicht, daß das Problem ist, daß DIE blöd wären, deshalb bleibe ich bei “Plutokratie”.
Doch, hinter “Bereitschaft” passt alles; du musst es nur richtig betonen.
(Das Wissen um die — und die Bereitschaft zu der …)
Hmm, nein, ich halt mich nicht für blöd.
Letzteres hatte ich auch auf keinen Fall ausdrücken wollen.
Auch nichts in dem Sinne, WIR wären dann wohl blöd. Da war mein Satz mißverständlich.
Aber ich bin offenbar zu blöd, den Satz mit der Bereitschaft verständlich zu betonen.
Jau, biste.
Also:
“Hätte das deutsche Volk nicht längst das Wissen um [und] die Bereitschaft zu die [und] der Durchführung eines anständigen Aufstandes (…) verloren.…”
Der Satz besteht aus 2 Aussagen, der fetten und der kursiven.
Das könnte man auch nacheinander schreiben, aber wieso sollte man?
Vergleichbarer Satz: “Du regst mich an und auf”.
(Hilft’s?)
Nö, hilft nich.
ich hätte lieber so getextet:
… “das Wissen um die und die Bereitschaft zur” …
aber ist dein Text.
Der Sinn ist der gleiche …
Ich gebe zu, ich habe Spaß an bewusst schwurbeligen Formulierungen. *g*