Bezaubernd ist es ja schon, wenn man frühmorgens, also gegen 10 Uhr, mit dem ÖPNV fährt und, statt sich anderweitig zu beschäftigen, ausnahmsweise den laufenden Radiosendungen lauscht. Um diese Zeit ist Werbung, abgesehen von der ständigen akustischen Erinnerung daran, welchen Sender man gerade ertragen muss (für wie blöd halten die ihre Zuhörerschaft eigentlich?), noch nicht Hauptbestandteil der Beschallung, aber wer denkt, damit wäre der kulturellen Bereicherung genügend Vorschub geleistet, der irrt:
Es ist ja durchaus nicht zu beanstanden, dass Moderatoren versuchen, das Publikum bei Laune zu halten, doch allzu blöde Witze der Machart “er so und sie dann so, hihihi” (sicher nicht zufällig werden Radiosendungen zumeist von Männlein und Weiblein moderiert) werden nicht besser, wenn man sie täglich, unwesentlich modifiziert und minderqualitativ pointiert, glucksend wiederholt.
Und überhaupt die Musik bzw. apropos wiederholen:
Mindestens einmal wöchentlich erscheint kommerziell nennenswerte Musik radiotauglicher (also fraglicher) Qualität im Handel. Warium zum Geier werden dann “Satellite”, “Heavy Cross” und ähnlicher output jeden Tag aufs Neue bis zum Erbrechen wiederholt? Halten es Plattenfirmen nicht für nötig, ihre aktuellen Erzeugnisse dergestalt zu bewerben?
Andererseits ist’s vermutlich auch besser so. (Schade, dass die Schallgrenzen so selten ausgestrahlt werden.) Ab und zu sollte man mal Radio hören, um sich wieder daran zu erinnern, warum man das sonst nicht tut.
(Was man allerdings auch sonst derzeit vermeiden sollte, ist ein Blick in die Anzeigetafeln der so genannten “Gotteshäuser”, die überschwänglicher Hormone Freude über die bevorstehenden Einschulungen Ausdruck verleihen. “Einschulungsgottesdienste” eröffnen hierzulande traditionell die Schullaufbahn. Anders gesagt: Das Erste, was ein Schüler lernt, ist es, einem höheren Wesen unklarer Beschaffenheit zu dienen, übrigens ungeachtet eventueller Vorkommnisse, die mit Priestern und Kindern zu tun haben; und, dass blinder Glaube immer noch für ein wichtiges und vor allem positives Persönlichkeitsmerkmal gehalten wird, weil’s eben alle machen. Der Gedanke daran, eines trüben Tages eventuell selbst mal ein Kind dieser kranken Gesellschaft auszusetzen, erscheint täglich abstoßender.)



Ich höre aufgrund der oben genannten Gründe schon seit Jahren kein
Radio mehr. Zwischen all dem Getöse (Werbung, Jingles,
Ankündigungen, Nachrichten) kracht morgens um 6 Uhr zum Überfluss
noch eine E‑Gitarre ins Ohr und irgendein Scheissmoderator macht
oftmals mit Unterstützung irgendeiner Tucke auf gute Laune. Ich
habe morgens keine gute Laune. Ich will auch keine haben. Ich will
meine Ruhe. Tod NDR2, Radio FFN und all dem anderen Schrott! Musik
schneide ich im Netz mit. Und ich höre was ich will und wann ich es
will. Ohne Gequake.
Rein vorsorglich, denn Du kommst ja sowieso damit: NEIN, ich höre
auch nicht den NDR1 Radio Niedersachsen. Vergiss einfach jeden
blöden Spruch, der in diese Richtung geht.
Mitschneiden lohnt nur selten, Netz ist auch nur Radio. Aber ’s gibt ja andere Quellen zur Befriedigung eigener Bedürfnisse.
Wie gesagt: Ich pflege mir das auch nicht anzutun.
Nicht? Ist dir das zu modern?
(Einer unserer Busfahrer hingegen schon.)
Doch, mitschneiden lohnt sich durchaus, wenn man den Sender mit der
entsprechenden Musik gefunden hat. Z. B. einen Sender, der
ausschließlich Jazz spielt. So habe ich mir eine exquisite Sammlung
aufgebaut. Eure Busfahrer müssen in Eurer Langweilerregion auch
kirre werden.
Oder Schallgrenzen. Lohnt sich auch immer.
Hmja, ich glaube, das liegt an den grauseligen Kindern jeden Tag.
(“Langweilerregion” schrieb der Hannoveraner.)
Als nächstes stimmt Tux noch dem Herrn Bohlen zu, der sich gerade
Im übrigen solltest du nicht so tun, als wärst du
darüber beschwert, dass seine DSDS-“Künstler” in
öffentlich-rechtlichen Radiostationen kaum bis gar nicht beachtet
werden.
der einzige, der nur grausiges im ÖPNV erlebt. Bin Dienstag
zwangsweise mal wieder Bus gefahren. 4,50 Euro für 30 Minuten Fahrt
+ Warten beim Umsteigen sind schon toll, wenn man die Strecke
gewöhnlich im Auto in gut 20 Minuten schafft ;( Jedenfalls stieg
eine Haltestelle nach mir eine nicht mehr ganz so junge Mutter mit
ihrem Sohn ein. Der Sohn, etwa 13 Jahre alt, erfreute nicht nur
alle anderen Passagiere damit, dass seine kurze Hose im Schritt in
etwa so weit aufgerissen war wie das Dekolletee von Pamela
Anderson, sondern auch mit einer Stimme, die mich daran zweifeln
ließ, dass es sich um einen “Sohn” handelte. Damit nicht genug,
nein, er platzierte sich mit seiner Mama nach einem Moment des
Umschauens auf der Vierer-Rückbank des Busses, jeweils aussen am
Fenster. Für etwa 30 Sekunden. Dann bemerkte er einen kleinen Käfer
mir unbekannter Art, der am Fenster entlang in seine Richtung
krabbelte, sprang beinahe kreischend auf und klammerte sich an
seine Mutti. Beim Besten Willen.. da ist mir aber jeder blöde
Flachwitz im Radio lieber…
Außer mir redet aber keiner drüber.
(Wer ist Herr Bohlen?)