“Aber Struppi, liest du denn keine Zeitung?” (Tim, c/o “Tim und Struppi”, Super RTL, etwa 20:30 Uhr); heute und morgen hält die Piratenpartei Deutschland ihren Bundesparteitag 2010, auf Twitter.com als Ticker hier zu finden, ab und entscheidet derweil über Zukunft und Ausrichtung der Partei wie auch über gestellte Anträge jedwelcher Art. Ein, wie ich meine, gutes Zeichen ist es, dass Jens Seipenbusch, Seele und Identifikationsfigur der Partei, in seiner Position als Parteichef bestätigt wurde. Von einer Tendenz der Piratenpartei zur Beliebigkeit, wie sie mitunter gewünscht wird, ist unter seiner Führung nicht auszugehen.
Amüsant indes ist neben dem merkwürdigen Zeitpunkt für den Rücktritt Aaron Koenigs die Personalie Andreas Popp: Ein großes Geschrei ertönte im Herbst vergangenen Jahres, als jener der Zeitschrift “Junge Freiheit” ein Gespräch gewährte, sich nicht bewusst dessen, dass es sich um eine Zeitschrift des rechten politischen Spektrums handelte. “Parteiausschluss!”, “Piraten sind Nazis!”, “Nie wieder Piraten!” und derlei wurde skandiert, weil es ein Pirat wagte, für seine Meinung einzustehen, nachzulesen unter anderem hier. Und was ist das Ergebnis?
Andreas Popp mit 52,1% zum stellv. Vorsitzenden gewählt.
Dies zeigt doch zumindest: Wer am lautesten schreit, hat am wenigsten recht, und Prognosen sind Firlefanz. Apropos Schreihälse: Lena Simon, bekanntlich Initiatorin der unsäglichen “Piratinnen”-Kampagne, hat es sich ebenfalls nicht nehmen lassen, noch mal über ihr Lieblingsthema, “Warum die sexistische Piratenpartei gefälligst Piratinnenpartei heißen soll”, zu reden, was die anwesenden Piraten bekanntlich längst satt haben; und was zitieren die üblichen Piratenverrissblogs? So etwas.
Dass Frau Simons Endlosleier, es sei ein unhaltbarer Zustand, dass es in einer Partei keine strikte Geschlechtertrennung (womöglich also, wie etwa bei den schrecklichen Grüninnen üblich, eine Frauenförderung) gibt, nach all der Vorgeschichte (wir erinnern uns: Nicht autorisierte Pressemitteilung, Gespräche mit taz und Spreeblick.com, nur keine konstruktive Rücksprache mit der Parteibasis, die ihr mehrheitlich schlicht den Vogel zeigte) nur mehr stört, löst zumindest in mir keine Verwunderung aus.
Auch hübsch ist natürlich dies, etwa gleichzeitig geschehen:
Ärger auf dem Ökumenischen Kirchentag: Die evangelische Pfarrerin Käßmann hat die Antibabypille als “Geschenk Gottes” bezeichnet — und damit die katholischen Bischöfe verärgert. Deren Vorsitzender Zollitsch wies die Deutung entschieden zurück.
Warum ausgerechnet Vertreter der katholischen Kirche Schwierigkeiten damit haben, Empfängnisverhütung gutzuheißen, erscheint mir allmählich nicht mehr sehr verständlich, können doch ihre Partner ohnehin selten schwanger werden; sei’s drum.

