Es ist Montag. Aus aktuellem Anlass weise ich die ansonsten meist geschätzte Leserschaft darauf hin, dass der Kommentarbereich („Senfecke“) dieser Website weder ein guter Ersatz für eine eigene Website noch ein geeigneter Ort für derbes Bepöbeln anderer Kommentatoren ist. Den weitgehend mit sich selbst redenden Linksammlern — es gibt Gründe, warum außer mir hier nur ein einziger Gastautor bisher existierte, gerade existiert und jemals existieren wird — empfehle ich, sich einmal mit verschiedenen Optionen auseinanderzusetzen, selbst Dinge im Web zu publizieren, den Pöbelheinis und ‑heininnen wiederum lege ich nahe, sich geräuschlos zu verdrücken. Trefft euch stattdessen hinter der Turnhalle oder so und diskutiert das aus wie früher (z.B. mit Yu-Gi-Oh!-Karten). Man dankt.
Drüben bei Polemica wird angeregt, noch schnell — so lange es noch erlaubt ist — Regierungskritik („Hassrede“) zu üben. Zum Glück gibt es dafür immer wieder tagesaktuelle Auslöser. Duisburg „bleibe“ „bunt“, witzelte etwa dieser Tage eine gegenstandslose Demonstration der SPD im gar nicht besonders bunten Duisburg. Die Frage, ob ausgerechnet die SPD, die neuerdings auch mit der AfD zusammen irgendeinen rechten Käse zu beschließen für eine gute Idee hält, sich auf diesen Demonstrationen überhaupt blicken lassen sollte, wurde bereits oft genug gestellt, daher beschränke ich mich auf anderthalb Verständnisfragen: Welche Farben sind bei „bunt“ nicht mitgemeint und warum nicht? Dass alle nur für irgendwelchen Blödsinn demonstrieren, jedoch ausgerechnet diejenigen, die laute Fürsprecher dringend gebrauchen könnten (etwa Arbeits- und Obdachlose), im Straßendiskurs momentan schlicht nicht vorkommen, ist in so einem Wahljahr ja auch noch eine bemerkenswerte Entwicklung. Irgendwo in der sächsischen Provinz hat am Wochenende ein parteiloser Kandidat der AfD einen Bürgermeisterposten gewonnen. Dies wird spätestens nächste Woche die gefährlichste Diktatur der Welt sein, wenn ich die Berichterstattung richtig verstehe. Sollen sie sich halt Sekundenkleber und/oder einen Traktor kaufen, die Arbeits- und Obdachlosen, wenn sie wollen, dass man ihnen zuhört.
Vermischtes aus der schaltjahrgebeutelten EDV: Die verhaftete RAF-Mutmaßliche hatte auf Facebook der Seite „Karma fickt jeden, auch dich“ ein Gefälltmir verpasst, erfahre ich im Internet. Das ist witzig. Der dümmstmögliche IRC-Ersatz Discord wirbt derweil für sein Abonnement „Nitro“ mit dem Versprechen, man könne „bis zu 200 Servern“ („Server“ sind in der Discordwelt gar keine Server, sondern vielmehr Raumsammlungen) beitreten. Übrigens auch möglich ist das im IRC, ganz ohne Abonnement. Aber von einer Gesellschaft, die selbst ihr Militär offen wie eine Postkarte virtuelle Strategiegespräche führen lässt, erwarte ich schon gar kein Mindestmaß an Grundverständnis für Computerbezogenes mehr.
Ich habe gestern mit Freude festgestellt, selbst die erfolgreichsten „TikTok-Stars“ (für die Älteren: das sind mutmaßliche Menschen, die von einer dreistelligen Millionenzahl an meist anderen Menschen dafür gut gefunden werden, vor einer Kamera zu fremdem Liedgut herumzuhüpfen, quasi Milli Vanilli mit einer noch erbärmlicheren Bildqualität) nicht mal namentlich zu kennen. Meine bisherige Lebensenergie habe ich anscheinend nicht auf die ärgerlichste Art und Weise ausgegeben.
Mein liebster Zeitvertreib war, ist und bleibt stattdessen: Musik.
Guten Morgen.



Guten Morgen tux0r, danke für den Musik Tip, das rettet die Woche
Ich habe am WE Kraan Live gesehen, falls die Herren bei dir in der Nähe vorbeikommen, solltest du dich unbedingt ins Getümmel stürzen.
Viele Grüße und eine gute Zeit
ilwedritsch
Kraan (deren neuestes Album hab’ ich ja schon) gehören zu der Sorte Musik, die mich trotz guter Studioarbeit live bestimmt sehr langweilen wird, fürchte ich. Dennoch: gern geschehen!
Das ist übrigens auch ein spannendes Album, falls du es noch nicht kennst:
https://www.youtube.com/watch?v=ZdKtA0caYQQ
Bei Acid Mothers Temple und ihren ungezählten Kollaborationen habe ich irgendwann den Überblick verloren, dieses Album hatte ich tatsächlich noch nicht gehört — glaube ich. Müsste ich prüfen. Ist aber ziemlich gut, wie alles von denen.
Nur zur einfachen, völlig unrelevanten, kurzen kleinen Erheiterung: beim Aufruf der Seite war der Mauszeiger über dem letzten Buchstaben der Überschrift platziert, und ich dachte einen Moment lang, ich hätte mal wieder irgendeine nur mittelgute Band nicht mitgekriegt. Denn warum sonst wäre “Kein Pöbelsen!” ein Thema?
Einerseits: So würde ich meine Band vielleicht nennen. Andererseits: gibt es bestimmt schon.