In den NachrichtenNerdkrams
Der Vor­teil der App­le­leh­rer in einer Zeit des Pflicht­fachs „Infor­ma­tik“

„Cor­rec­tiv“, das nur die Exis­tenz des „Fak­ten­che­ckers“ davor bewahrt, den irre­füh­rends­ten Namen in der gegen­wär­ti­gen Medi­en­land­schaft zu tra­gen, warnt grif­fig vor „Apple-Leh­rern“. „Apple-Leh­rer“, schreibt Chris­toph Pen­gel dort, sei­en die­je­ni­gen Lahr­kräf­te, die auch jen­seits des Cur­ri­cu­lums eine Ver­bun­den­heit mit dem Kon­zern Apple zei­gen. Auf­ge­zeigt wer­den soll mit dem Arti­kel anschei­nend, dass Schü­ler auf die­se Wei­se sozu­sa­gen kos­ten­lo­se Wer­bung für Apple als Inhalt des Stun­den­plans bekommen.

Damit igno­riert „Cor­rec­tiv“ aller­dings den glei­chen Aspekt, den auch seit Jah­ren irgend­wel­che Ver­brau­cher­schüt­zer igno­rie­ren, wenn sie behaup­ten, Schu­len „dürf­ten“ nicht von ein­zel­nen Tech­nik­kon­zer­nen „abhän­gig“ wer­den. Dabei müs­sen sie das sogar.

Sicher: Brie­fe­schrei­ben und You­Tube-Gucken geht auf nahe­zu allen moder­nen Sys­te­men auf eine ver­gleich­ba­re Wei­se, es ist hier­für nahe­zu völ­lig egal, ob man Word­Per­fect und Fire­fox oder Libre­Of­fice Wri­ter und Safa­ri ein­setzt. Die Bedie­nung der Soft­ware ist weit­ge­hend zu ver­nach­läs­si­gen. (Ande­rer­seits beginnt die Argu­men­ta­ti­on auch hier zu schwä­cheln: Einer Lern­grup­pe, die sich nicht auf ein Office­pa­ket eini­gen kann, kann man zwar die Bedie­nung „einer Text­ver­ar­bei­tung“ bei­brin­gen – zwei iden­ti­sche Doku­men­te sind in unter­schied­li­cher Soft­ware auf unter­schied­li­chen Sys­te­men aber nicht immer ganz leicht zu erzeugen.)

Nun leben wir aber in einer Zeit, in der kurz­den­ken­de Schrei­häl­se das „Pflicht­fach Infor­ma­tik“ in Tei­len Deutsch­lands her­bei­get­wit­tert haben, was weni­ger auf­re­gens­wert wäre, lern­ten die Schü­ler dar­in tat­säch­lich vor­ran­gig etwas über das Wesen der Infor­ma­tik (viel Mathe­ma­tik, viel Auto­ma­ten­theo­rie) und neben­bei viel­leicht ein wenig Medi­en­kom­pe­tenz, was den Daten­schutz im Inter­net angeht. Statt­des­sen geht es um „Pro­gram­mie­ren ler­nen, Tech­no­lo­gien ver­ste­hen, Apps ent­wi­ckeln“. (Amü­sier­te Fra­ge aus dem Berufs­le­ben: wor­in besteht eigent­lich der Unter­schied zwi­schen „pro­gram­mie­ren“ und „Apps ent­wi­ckeln“?) Dem Bran­chen­ver­band „Bit­kom“, der es anschei­nend auch sonst gern sehen wür­de, wenn jun­ge Men­schen mit dem Abschluss ihrer Aus­bil­dung dar­auf opti­miert wor­den sind, fähi­ge (aber bil­li­ge) Arbeits­droh­nen zu sein, gefällt das.

Und jetzt neh­men wir ein­fach mal an, der Schwarm der spä­te­ren Arbeits­droh­nen lern­te Pro­gram­mie­ren nicht mit einem von oben vor­ge­ge­be­nen ein­heit­li­chen Sys­tem, son­dern lie­ße die Lehr­kräf­te (viel Spaß, Ver­tre­tungs­leh­rer!) oder gar die Schü­ler selbst ent­schei­den, wel­ches Betriebs­sys­tem sie gern ein­set­zen wür­den. Es dürf­te mit­un­ter schwer wer­den, über­haupt eine geeig­ne­te Pro­gram­mier­spra­che zu fin­den, die auf allen genutz­ten Sys­te­men auf dem glei­chen Ent­wick­lungs­stand ist und die glei­che Stan­dard­bi­blio­thek hat (gera­de Win­dows ist oft etwas eigen, was letz­te­ren Aspekt angeht); hin­sicht­lich der hier­für ein­ge­setz­ten Pro­gram­mier­werk­zeu­ge ist der Wild­wuchs gar nicht aus­zu­ma­len. Es wird auch immer irgend­ei­nen Schelm – frü­her wäre ich das gewe­sen – geben, der im Unter­richt dann mit Plan 9 oder sons­ti­gen obsku­ren Sys­te­men auf­taucht, auf denen selbst C völ­lig anders funk­tio­niert. Ein­fach, um dann lei­der nicht mit­ma­chen zu können.

Obwohl es also sicher­lich man­ches gibt, was man „Apple-Schu­len“ vor­wer­fen kann (etwa, dass mit­un­ter die schie­re Frech­heit aus­ge­lebt wird, dass auch arme Fami­li­en den Kram selbst bezah­len müs­sen oder andern­falls schlicht ein Pro­blem haben): Die vor­ge­schrie­be­ne Nut­zung einer ein­heit­li­chen Umge­bung jen­seits des Film- und Face­book­gu­ckens zählt mei­ner Ansicht nach aus­drück­lich nicht dazu.