Unter der ungewöhnlich wenig reißerischen Überschrift “Web-Anwender in der Tracker-Falle” sülzte gestern Stefan Betschon für die “Neue Zürcher Zeitung” sein eigenes Verständnis von der Herausforderung, die der mediale Umgang mit Facebook mit sich bringt, in ein unvorbereitetes Web hinein:
Auf Facebook könnte man notfalls verzichten. Aber ohne das Web kann man nicht leben.
Kann man nicht. Geht nicht. Ist nicht vorgesehen. Der Versuch ist garantiert tödlich. Deswegen sterben arme Kinder in fernen Ländern auch immer so früh: Kein Web. Kann man nix machen.
Und sobald man den Web-Browser aufstartet und Websites aufruft, lädt man sich kleine Progrämmchen (Scripts) in den Hauptspeicher, die meist ohne Wissen des Betroffenen und manchmal auch ohne Wissen des zuständigen Website-Betreibers personenbezogene Informationen sammeln. (…) Meist geht es darum, Web-Benutzer zu beobachten.
Diese sehr falsche Vorstellung von einer Website — als wären die Progrämmchen verpflichtend! — sei zur Referenz einmal vorgemerkt, ebenso übrigens die moralische Bewertung selbiger:
Das ist nicht unbedingt verwerflich. Solche Tracker können beispielsweise dazu beitragen, die Gestaltung von Websites zu verbessern, indem sie dem Website-Betreiber zeigen, wie die Benutzer bei der Informationssuche vorgehen. Manchmal aber folgen diese Tracker dem Benutzer von Website zu Website, nachdem sie (…) besondere Merkmale des Computers feststellen konnten. Manchmal zeichnen solche Tracker (…) sehr detailliert alle Aktionen eines Web-Nutzers auf, registrieren jede Bewegung der Maus und jede Eingabe mit der Tastatur[.]
Wie das “Vorgehen bei der Informationssuche”, gegen dessen Beobachtung Stefan Betschon offensichtlich nichts einzuwenden hat, sich von einer Aufzeichnung aller Aktionen, die Stefan Betschon offensichtlich zu Recht für eher unangenehm hält, unterscheidet, wird im vorliegenden Artikel leider nicht erklärt. Dafür wird einigermaßen ausführlich erklärt, wie viele Tracker denn ungefähr kursieren:
Laut den Informationen dieses Web Transparency and Accountability Project kommen in den USA auf den 50 populärsten Websites jeweils mehrere Dutzend Tracker zum Einsatz. Alles in allem haben die Forscher mehr als 80 000 Unternehmen beobachtet, die Tracker verwenden. (…) Die Tracker stehen meist im Dienst der Online-Werbung, laut Narayanan ist es aber leicht möglich, die Tracking-Infrastruktur für staatliche Überwachung umzufunktionieren.
Das klingt ja gefährlich! Ist etwa auch die “NZZ” betroffen? Nein, das wäre ja sonst auch unredlich:
Im Rahmen der «nicht abschliessenden Untersuchung» wurden im März 374 populäre Schweizer Websites aufgerufen, und dabei hat man herausgefunden, dass mindestens 24% der Websites – darunter jene von Digitec, NZZ, Swiss und Zalando – Fingerprinting-Verfahren nutzen. (…) Bei der NZZ wurde das Fingerprinting vorübergehend eingesetzt im Bemühen, die kostenpflichtigen Online-Inhalte besser zu schützen. Das Verfahren wird inzwischen nicht mehr eingesetzt.
Genau, die NZZ macht das nicht mehr. Dann ist doch alles in bester Ordnung. Bis auf diesen Teil des Artikelquelltexts natürlich:
<script src="//aka-cdn.adtech.de/dt/common/DAC.js"></script> <script src="//aka-cdn.adtech.de/dac/1135.1/w1070036.js"></script> <script> try { window.performance.mark('js.ads.done'); } catch (e) {} </script> <script class="adtech-data"> if (window.adgroupid == undefined) { window.adgroupid = Math.round(Math.random() * 1000); } var ADTECH = ADTECH || {}; if (ADTECH.config) { ADTECH.config.page = { protocol: "https", server: "adserver.adtech.de", network: "1135.1", pageid: "", kv: {}, params: { kvkw: "wirtschaft", kvarticle: "yes:ld.1370488", kvmorph: "desktop", loc: "100", grp: "" + window.adgroupid, misc: "" + new Date().getTime() } }; ADTECH.config.page.params.kvcac = 'none'; window.audienzz = window.audienzz || {}; window.audienzz.dmp = {providerId: '-1262851859831711409', userHash: ''} } </script><script src="//adnz.co/dmp/publisher.js"></script>
Und diesen:
<script> var ADTECH = ADTECH || {}; if (ADTECH.config && ADTECH.config.placements) { ADTECH.config.placements[2945552] = { adContainerId: 'resor__item--2945552', sizeid: 1217, params: {alias: '', target: '_blank'} } var showAd = true; if (showAd) { ADTECH.loadAd(2945552); } } </script>
Und diesen:
<script> var ADTECH = ADTECH || {}; if (ADTECH.config && ADTECH.config.placements) { ADTECH.config.placements[2945402] = { adContainerId: 'resor__item--2945402', sizeid: 154, params: {alias: '', target: '_blank'} } var showAd = true; if (showAd) { ADTECH.loadAd(2945402); } } </script>
Von diesen Progrämmchen findet man noch manches, als Beispiele sollen die hier eingefügten jedoch einmal reichen. Auffällig sind neben “loadAd”, dessen Funktionsweise ich absehen zu können meine, die Aufrufe von “Audienzz” beziehungsweise “adnz”. Dies ist, es sollte kaum überraschen, eine Reklamepartnerfirma der NZZ (vastehste, “AudieNZZ”) und hat unter anderem solches im Repertoire:
Detaillierte Informationen über Nutzer, Angebote und Nutzungsverhalten. Auswertungen nach Sprachregionen möglich. Internationale Vergleichbarkeit.
Es sei, zitiere ich abermals, “leicht möglich, die Tracking-Infrastruktur für staatliche Überwachung umzufunktionieren.” Gemäß der NZZ ist es somit für die eigene Sicherheit einigermaßen gefährlich, die Website der “Neuen Zürcher Zeitung” ohne besonderen Schutz gegen etwaige Progrämmchen — also Werbe- und Progrämmchen-Blockaden — zu besuchen.
Ob sie wohl auch bald — wie zuvor schon “SPIEGEL ONLINE” — voller Unverständnis für diese Maßnahmen ihr Onlineangebot hinter einer Bezahlschranke versteckt?
Die “ZEIT” kann man ja auch nicht mehr ruhigen Gewissens lesen.


Was für ein selten bescheuerter Beitrag. OMG
Hätte man nicht warten können?!
#metoo
Ah, der Herr Fachmann. Suchen Sie im Internet häufiger nach sich oder war das ein zugesteckter Tipp?