PolitikIn den NachrichtenMontagsmusik
Yes — Machine Messiah // Die Freiheit der Anderen

Deutsche Bahn (Symboleule)Es ist Mon­tag. Die Deutsche Bahn AG (“schon im Som­mer an den Win­ter denken”, schreibt sie in einem Medi­en­paket; klar: wenn ich im August aus dem Fen­ster gucke, ist da auch kein Schnee) zeigt sich über­rascht von Märztem­per­a­turen im März und beugte sich dem “Win­tere­in­bruch” (bahn.de), indem sie den Betrieb ein­stellte. Ander­er­seits: Wer will schon nach Leipzig? In Leipzig ist es immer­hin ziem­lich kalt und Pand­abären gibt es dort auch nicht.

An einem anderen kalten Ort wurde gestern gewählt. Der neue rus­sis­che Präsi­dent ist der alte rus­sis­che Präsi­dent. Genau mein Humor: Diejeni­gen deutschen Medi­en, in deren Vorstän­den Funk­tionäre von CDU/CSU und/oder SPD sitzen, bekla­gen sich über eine große Ein­flussnahme des Staates auf die rus­sis­chen Medi­en. Über­raschungsar­mut ist ihr Mit­tel. Was läuft im deutschen Fernse­hen falsch, wenn mir schon zehn Minuten ohne Ton reichen, um eine Wette auf den Fort­gang der Hand­lung abzuschließen? — Etwas über­raschen­der sind dann doch die Finanz­nachricht­en: Nicht mal die Lufthansa will den Berlin­er Flughafen noch haben. Und auch die SPD ist in Feier­laune, wie den ein­schlägi­gen Nachricht­en zu ent­nehmen ist: Kur­den fliehen vor deutschen Panz­ern — da sage noch mal jemand, die Sozialdemokratie habe nichts erre­icht!

Am Speaker’s Cor­ner gilt seit einiger Zeit anscheinend die Regel, dass nicht mehr alles, was nichts mit dem Königshaus zu tun hat, gesagt wer­den darf: Nach­dem erst Mar­tin Sell­ner mit­samt sein­er Entourage aus­gewiesen, dann Lutz Bach­mann, von dessen Leben und Wirken man sicher­lich manch­es hal­ten kann, aber nicht muss, daran gehin­dert wurde, nach Großbri­tan­nien zu reisen, um dessen Rede zu übernehmen, wurde sie nun unter vielfachem Gekreis­che — denn so laufen “Debat­ten” in der ent­poli­tisierten Gesellschaft des 21. Jahrhun­derts zumeist ab — von Tom­my Robin­son gehal­ten, der den Vorteil hat, selb­st Englän­der zu sein. Eine Gesellschaft, die es zulässt, dass ihre Regierung eine sonst­wie offen­sichtlich bescheuerte Mei­n­ung als gesellschafts­feindlich abtut und ihren Inhab­er mit dieser Begrün­dung des Lan­des ver­weist, wird sehr bald eine sehr unerträgliche Gesellschaft sein. Wem nützt eine Welt, in der jede Reibefläche hin­ter Mauern in den Köpfen ver­schwindet?

Auf “ZEIT Cam­pus” habe ich gestern gel­ernt, dass mit Kacke jed­er etwas anfan­gen könne. Da ich das, was jed­er tut, meist zu über­bi­eten beab­sichtige, beginne ich diese Woche mit Musik, die ganz beson­ders unkacke ist.

Guten Mor­gen.