In den NachrichtenMontagsmusikMir wird geschlecht
Goldray — Rising // Doctress Who // Ramelows Präzision

Bitte zurück ins Nest bringen.Es ist Mon­tag. Pünk­tlich zum Woch­enen­dende hat sich auch der Kopf­schmerz wieder beruhigt, auf dass man fro­hen Mutes zur immer­hin bezahlten Tat schre­it­en kann. Pand­abär in Berlin müsste man sein, dann bekäme man jet­zt Eis mit Gemüse, aber stattdessen ist man weit von Berlin ent­fer­nt und denkt als bloßer Men­sch über Pan­das nach. So kann es gehen.

Und die Nachricht­en so? Der seit 54 Jahren männliche Titel­held aus “Doc­tor Who” ist ab Ende dieses Jahres eine Fem­i­nistin, was der Serie, die in jün­ger­er Zeit neben dem erst­mals weib­lichen Antag­o­nis­ten mit “Bill” auch eine Neben­darstel­lerin (“Com­pan­ion”) bekom­men hat, deren wesentliche Eigen­schaft es war, eine les­bis­che Fem­i­nistin zu sein, zwar eine gewisse Kon­ti­nu­ität ver­lei­ht, mich hinge­gen skep­tisch min­destens eine Augen­braue heben lässt, denn, wen­ngle­ich die schaus­pielerische Leis­tung eines “Doc­tors” bis­lang keineswegs geschlechts­be­zo­gen zu beurteilen war, die Serien­mach­er scheinen in let­zter Zeit das drin­gende Bedürf­nis zu haben, dem ver­dammten Patri­ar­chat über­ra­gend selb­st­sichere Frauen­fig­uren ent­ge­gen­zustellen, die außer dem Frau­sein nichts wirk­lich gut kön­nen. Haben die “Ghost­busters” ver­passt?

Der aufge­bran­dete Jubel auf Twit­ter, endlich dürfe eine Frau mal einen sowieso unsterblichen Helden mit ein­er lan­gen Ver­gan­gen­heit und voraus­sichtlich Zukun­ft verkör­pern, was unab­hängig von der charak­ter­lichen Entwick­lung schon deshalb gut sei, weil sie kein Mann sei, ist jeden­falls ein schlecht­es Zeichen, belegt er doch, dass viele der Zuschauer eine Fernsehserie nicht als Unter­hal­tung, son­dern als poli­tis­ches Mit­tel zur Machtver­schiebung begreifen, als habe irgen­deine Weltan­schau­ung plöt­zlich gewon­nen, nur, weil in ein­er Serie, in der das allerd­ings schon mehrfach passiert ist, eine Fig­ur das Geschlecht wech­selt. Dem Patri­ar­chat dürfte das jeden­falls einiger­maßen egal sein und den verbliebe­nen nicht ret­tungs­los bescheuerten Zuschauern bleibt zu hof­fen, dass es endlich mal wieder eine Neube­set­zung in “Doc­tor Who” gibt, die der Serie inhaltliche Tiefe zurück­gibt. Apro­pos: In Berlin-Licht­en­berg ist der antipa­tri­ar­chalis­che Vorstoß der örtlichen “Grü­nen”, poten­ziellen Red­nern im Bezirkspar­la­ment nach Geschlecht statt Inhalt das Wort zu erteilen, nun vor­erst gescheit­ert. Wie viel wäre auf dieser Welt gewon­nen, achtete man nur mehr auf die Qual­ität des Erbracht­en statt auf das Geschlecht des Erbringers!

Während die ehe­mals qual­itäts­fokussierte Piraten­partei in Kon­stanz, München und Leipzig anlässlich der jew­eili­gen Christo­pher-Street-Day-Parade um net­zpoli­tisch eben­so desin­ter­essierte Unter­stützer für die kom­mende Bun­destagswahl warb, gin­gen unbe­merkt zwei Nachricht­en von let­zter Woche fast ver­loren: Die CIA hackt völ­lig über­raschend auch Lin­ux, was ich hier nur ver­linke, weil das Didi immer so schön her­aus­fordert; schlim­mer jedoch: es wurde die Nach­fol­gerin von Gün­ther Oet­tinger, also die neue EU-Dig­italkom­mis­sarin, verei­digt, die gern “schär­fere Regeln gegen Has­säußerun­gen und Falschmel­dun­gen” (“heise online”) durch­set­zen lassen würde. In ein­er gesun­den Gesellschaft würde sich zahlre­ich­er Wider­stand formieren, aber es ist Wahlkampf, da macht man nichts mit Poli­tik.

Der thüringis­che Min­is­ter­präsi­dent Bodo Ramelow (“Linke”), der auch nichts mit Poli­tik macht, hat gestern vorgeschla­gen, man möge, um den Erfolg von lan­desan­säs­si­gen “Recht­srock­konz­erten” (als seien Schlager leichter zu ertra­gen) einzudäm­men, das Ver­samm­lungsrecht, für Ost­deutsche bekan­ntlich keine Selb­stver­ständlichkeit, doch bitte “präzisieren”; mit anderen Worten: Zu viele Dinge gehen derzeit als “Ver­samm­lung” durch. Unklar bleibt, welche Art von Konz­erten kün­ftig noch als legit­ime Ver­samm­lung gel­ten darf. Hof­fentlich nichts mit Phil Collins!

Här nix Ton, nix Musik.

Gol­dray — Ris­ing — [Offi­cial Video]

Guten Mor­gen.