Hallo, Kabel Deutschland,
ich beschäftige mich ja schon eine Weile mit euch, nicht nur, weil ihr mit eurer “Flatrate”-Drosselung ein Vorreiter in etwas wart, das nicht sehr vorbildlich ist, sondern auch, weil ihr ja quasi allgegenwärtig seid.
Und es wurde nicht besser, als euch Vodafone kaufte und die schlimme Marke O2 mitbrachte, deren Kundendienst weder viel mit Kunden noch mit Dienst zu tun hat. Vodafone ist mir zumindest in lustiger Erinnerung, seit die Vertreter dieser Firma auch für euch zuständig sind: Als mir einmal einer von ihnen einer eurer Prospekte andrehen wollte und ich ihn auf sein Vodafone-Namensschild ansprach, verdeckte er es schnell. Es muss eine Freude sein, für eure Chefs zu arbeiten.
Dass O2 Kunden schon mal ablehnt, weil sie im falschen Stadtbezirk wohnen, kann ich euch natürlich schwer vorwerfen. Auch, dass euer Kundendienst im Internet (Vorsicht: JavaScript-Pflicht) nicht besonders positiv bewertet wird, kann ja mal passieren — wer zufrieden ist, hat selten was zu nörgeln. Dass ihr das Gebot der Netzneutralität nicht kennt, ist für den Verbraucher zu verschmerzen. Ihr müsst ja auch von irgendwas leben.
Aber mir scheint, ihr werdet einfach zu groß.
Im Keller meines Elternhauses liegt seit den 1980-er Jahren eines eurer Kabel herum. Es gehörte wohl dem Vorbesitzer des Hauses, wurde nach dem Besitzerwechsel aber (wegen Satellitenfernsehens) nicht mehr gebraucht und entsprechend verplombt. Ihr fragtet in den folgenden Jahren noch ein paarmal nach, ob das Kabel wirklich, wirklich nicht mehr gebraucht würde, und gabt euch mit der Ablehnung zufrieden.
Dass daraus folgen könnte, dass es nie mehr — nicht einmal, wenn ihr mal Internet anbieten würdet — möglich sein würde, euer Kunde zu werden, habt ihr zu kommunizieren versäumt. Nun würden diejenigen, die die Vollmacht über dieses Kabel zu haben, aber gern ihren Vertrag mit 1&1, die fast zwei Wochen lang — naja, jedenfalls länger als eine Woche lang — nicht imstande waren, sich nach einem Ausfall, der es sogar schaffte, den Router zu zerstören, um eine brauchbare Internetverbindung zu bemühen, auflösen. Was tun? Klar: Schnelles, günstiges Internet wäre gut. Bei euch, so beschied den Fragenden der Verkäufer in eurer erschreckend leeren Filiale, sei das aber nicht möglich — von dem verlegten Kabel wisse das System nichts, ein neues sei aber auch nicht verlegbar, weil ja bereits eines verlegt sei. Aber wahrscheinlich könnt ihr — Opfer des Systems — auch dafür nichts.
Dass man bei euch, Kabel Deutschland, in den Läden nur Rentner und technisch unbedarfte Kleinfamilien zu sehen meint, ist sicher nur Zufall. Ihr würdet diesen Umstand aber gern ändern, denn das große Geld bringen poweruser. Offenbar wirke ich schon von Weitem wie ein solcher, und so schmiss sich mir erst Ende September wieder einer eurer Vertreter am nahen Hauptbahnhof in den Weg. Ich finde es ja immer sehr sympathisch, wenn sich Leute mir in den Weg werfen, weil sie mein Geld wollen. Aber was soll’s, von Apple lernen heißt siegen lernen und seine potenziellen Kunden allesamt für kindisch halten: “Wie alt bist du?”
Wohl in der Hoffnung, mir einen Knebelvertrag andrehen zu können, will das schnell in Erfahrung gebracht sein. Je jünger, desto naiver, außer bei Rentnern, da ist’s eh meist egal. Meine ehrliche Antwort ließ das erwartungsvolle Grinsen im Gesicht des Verkäufers einer sichtlichen Ernüchterung weichen; Mist, wieder kein leichter Fang. Wisst ihr, es ist ja nicht so, dass ich kein Interesse an einem Wechsel hätte. Mein Mobilfunkanbieter ist schlecht, der familiäre DSL-Anbieter ist schlecht, selbst die Wasserversorgung ist schlecht. Aber zu euch? Nun ja. Natürlich, sprach ich, würde ich vorhaben zu wechseln; und zwar zur Telekom. Die haben zwar auch einen miesen Kundendienst, aber wenigstens eine bessere mobile Netzabdeckung als ihr. Dass ihr niemanden aus meiner Familie als euren DSL-Kunden haben wollt. hat euer Vertreter allerdings genau so wenig verstanden wie wir.
Im Keller nämlich liege sehr wohl ein Kabel; ein Kabel, das ihr nicht mehr haben wolltet. Kein Problem, “gucken wir schnell nach!”. Von so einer Lappalie wie dem Umstand, dass das schon passiert ist, wollte er nichts wissen; “nee, gucken wir jetzt nach!”. Das gibt eine glatte Sechs in Logik, aber zumindest ein Fleißbienchen in Penetranz. Nur mit Mühe ließ er sich von dem Vorhaben abbringen, die längst erfolgte Überprüfung, ob ihr das Kabel wirklich, wirklich schon vergessen habt, ein weiteres Mal durchzuführen.
Ihr müsst ja nicht, wenn ihr nicht wollt. Das ist ein Vorteil dieses Marktes.

