Es ist Montag. Lesen ist jetzt männlich. Sicherheitshalber habe ich gestern nur dort gelesen, wo es keiner gesehen hat. Sonst cancelt mich noch wer.
Themensprung nicht notwendig: Am vergangenen Wochenende fand in Braunschweig eine gewohnt frauenkritische „CSD“-Parade statt. Vor Autofahrern „geschützt“ wurde das Schaulaufen von Menschen mit erstaunlich geringem Verständnis von stilvollem Auftreten von Polizisten mit Maschinenpistolen. Ist es das, was die Parteien wollen, die sich für die größtmögliche Freiheit am Steuer einsetzen?
Bloß nicht hinterfragen, ob Automobile in jeder Stadt zwingend freie Fahrt haben müssen und ob es wirklich so schlau ist, dem motorisierten Individualverkehr noch Kaufanreize anstelle erheblicher Nachteile gegenüber Bus, Bahn und Rad zukommen zu lassen. Könnte ja die Wirtschaft ärgern.
Apropos Wirtschaft: Der Verband der Internetwirtschaft, schon namentlich fast so unattraktiv wie die einem sonst gesunden Magen nicht zuträgliche Bundeswehr, freut sich darüber, seit nunmehr fünfunddreißig Jahren das zuvor für normale Menschen nützliche Internet mithilfe des Webs kommerziell ausbeuten zu dürfen. Der komplette „Artikel“ ist eine überzeugende, wenn auch vermutlich nicht als solche beabsichtigte Werbung für das Usenet. Man muss sich diesen Menschen nicht als Zielgruppe anbieten, wenn man es nicht unbedingt darauf anlegt.
(Hihi: „Wespen endlich dauerhaft loswerden: AEG präsentiert Fuchtelmaschine“. Ich wünschte, es würde nicht immer die falsche Satire zur Realität.)
Börsendystopie der Woche: Microsoft könnte Reddit kaufen. Da wächst irgendwas zusammen (ich berichtete). Der Chef einer anderen „KI“-Firma fragt sich derweil erstaunt: Arbeitet man bei moralisch verwerflichen Firmen wie Anthropic womöglich nicht, weil man an „die Mission glaubt“ (als wär’s eine Religion und kein profitorientiertes Unternehmen), sondern, weil man dort – oh Schreck! – gut bezahlt wird? Gibt es dazu schon Studien? Was sagt die „KI“ dazu? – Andererseits fand ich mich dieser Tage in einer Diskussion darüber wieder, ob ich uncooler Greis (m/w/d), der die Unsitte, Menschen außerhalb von Familie und Freundeskreis plump duzend anzukumpeln, in ihrem Verlauf energisch kritisiert hat, nicht dringend mal akzeptieren sollte, dass Duzen das neue Siezen „ist“ und es doch total großartig sei, dass man sogar mit dem Chef inzwischen per Du zu sein hat, so’s die Firmendoktrin hergibt. Flache Hierarchien statt Karrierechancen, Duzen statt okayer Bezahlung. Und ein Obstkorb. Und Kegelabende mit den Kollegen, geschätzt oder geduldet. Man sei ja quasi eine Art Familie und wer braucht schon Freunde und Freizeit, wenn er auch mit den Arbeitskollegen smalltalken kann? Ich solle mal dringend an meinem sozialen Defizit arbeiten, ey. Digga. („Digga“ stand, zugegeben, nicht im mir entgegengeschleuderten Kommentar, aber es hätte ihn rhetorisch passend abgerundet.)
Den Umstand, dass meine ganz persönliche Hölle gefüllt ist mit smalltalk, also mit ziellosem Quatschen um des Quatschens Willen, diesmal außen vor gelassen: Dass die Duz-„Kultur“ mal die neoliberale Logik, dass Arbeit allein das Leben versüße, in der Jugend zum akzeptierten Duktus werden lassen würde, hätte man mir vor wenigen Jahren, ach was: Wochen ja auch noch nicht glaubhaft erzählen können.
Wir leben in wundersamen Zeiten.
Frauenquote des Tages: Tote Hamburger Obdachlose. Dieses Patriarchat, von dem alle reden: kann ich das noch mal sehen?
Kann ich noch mal, ganz ohne Winamp (die Älteren erinnern sich), hören: Musik.
Guten Morgen.



Nicht nur abend‑, sondern ebenso morgen- und mittagsschön fände ich es, ersetzte man sämtliche Hospitant*innen im ZEIT-Feuilleton, idealerweise gleich auch die ihnen vorgesetzten Redigierenden, durch (gern genderneutrale) Fuchtelmaschinen. Dann hätten wir evtl. weniger Wespen, in jedem Falle aber weniger entsetzlich dumme Sätze, zusammengefügt zu womöglich noch dümmeren Texten.
Die freigesetzte Annika könnte dann ja immerhin noch Mode-Beeinflussende mit dazugehörigem Insta-Dingens werden. Ich wäre jedoch ggf. sehr froh, wenn das hier niemals verlinkt würde.
Jack White, mag ich sehr gerne. Kann wohl auch die Konzerte empfehlen. War ich letztens in Hamburg, wirklich guter Sound und Handyverbot!
War lustig die Leute vor Konzertbeginn zu beobachten, was die so gemacht haben ohne Ablenkung.
Onaniert?
Winamp existiert noch als Marke? Das geht ohne AOL? Die Jungs haben ja meinen Ratschlag von damals befolgt und mischen seit über 20 Jahren den Audiomarkt mit Reaper auf. Das finde ich Crazy.
Die Marke wurde mehrmals weiterverkauft. Cockos (mit Justin Frankel) ist nicht Nullsoft – REAPER nutze ich aber auch. Sogar lizenziert.
Übrigens: das Montagspandakränzchen trinkt definitiv keinen Kaffee; die Kränzchenteilnehmenden sind doch ganz offensichtlich sämtlich sturzbesoffen! Ich tippe mal auf in Reiswein eingelegte Bambusschößlinge.