Unter der dramaturgisch wertvollen Überschrift „Europäer irritiert über angeblichen US-Friedensplan für Ukraine“ erzählt die „tagesschau“ (Archivversion):
Angesichts eines angeblichen neuen US-Friedensplans für die Ukraine hat die EU-Außenbeauftragte Kaja Kallas die Beteiligung Kiews und Brüssels angemahnt. „Damit jedweder Friedensplan funktioniert, müssen die Ukrainer und die Europäer an Bord sein“, sagte Kallas vor einem Treffen der EU-Außenminister in Brüssel zu Journalisten. (…) Auch der polnische Außenminister Radoslaw Sikorski forderte, Europa müsse bei Friedensbemühungen konsultiert werden.
Von der lästigen Vermengung des Kontinents mit dem Staatenbund, als wäre Russland selbst nicht das bevölkerungsreichste Land Europas, was hervorzuheben mir zusehends wichtiger scheint, dennoch abgesehen war meine spontane Reaktion ein irritiertes „Hä?“, aber weil „Hä?“ als politische Analyse kaum taugt, frage ich stattdessen: Die Forderung, bei der Gestaltung der außenpolitischen Verträge eines souveränen Staates, mit dem man keinerlei völkerrechtliches Bündnis jenseits irgendwelcher Waffenkäufe eingegangen ist, gefälligst auch mitreden zu dürfen: ist das nicht genau das, was Russland auch macht?


Hat Russland keinerlei völkerrechtliches Bündnis mit der Ukraine? Budapester Memorandum? Minsker Abkommen?
Der Wertewesten findet: Nein. Und wer wäre ich, da zu widersprechen?
Natürlich hat „Europa“ da Interessen.
Schewtschenko. Also jetzt nicht die Tanja, sondern ein Städtchen, so ca. vor einem halben Jahr (oder vor einem ganzen, die Quellen sind uneins, liegt wohl am gesteigerten ukrainischen Interesse) an Russland gefallen. D.h. weniger der Ort, sondern das was drunter liegt, interessiert: Eines der größten Lithium-Vorkommen in Osteuropa. https://en.wikipedia.org/wiki/Shevchenko_deposit
Die nächsten großen Lithiumvorkommen befinden sich in (Ost-) Deutschland, Tschechien, Österreich und Finnland – dem Vernehmen nach gibt es auch noch ein paar Krümel im Baltikum.
Ich kann mir daher den US-Deal in etwa so vorstellen.
„Wenn euch bald das Öl ausgeht, behaltet halt Schewtschenko, da hatten ohnehin bloß die Europäer Schürfrechte. Dafür lasst ihr die Finger vom Rest, denn DEN wollen WIR! Und exklusive Lieferverträge für das Donezklithium natürlich auch. Falls nicht, gibt’s Tomahawks für den Kreml, aber per Luftpost.“
Der Kreml muss dann noch etwas nationalpatriotische PR-Soße drüberkippen, fertig ist der Deal.
Und die vielen schönen MFK, die dann nicht mehr nach Russland fliegen, werden schonmal, mit ostasiatischen Marinebasen vorprogrammiert, an Taiwan (denn das ist weniger verschmerzbar) geliefert. In Peking wird man nicht amüsiert sein. Dort hatte man sicherlich auf mehr aktive Abrüstung bei weitreichenden Waffensystemen spekuliert.
Da käme „KEIN KRIEG FÜR LITHIUM!“ wohl etwas ungelegen beim Erweitern der technologischen Basis.
Die letzten Jahrhunderte mußten die Russen immer mal wieder das Berliner Blut und das Ingenieurswesen auffrischen. Sie machten das nie gerne. Und siehe da, die Datenverarbeitung ist so durcheinander, daß nur das russische Schulwesen hülfe.