Wer braucht den Wahl-O-Maten, wenn er Hirnfick 2.0 haben kann? Es folgt ein kurzer alphabetisch sortierter Überblick über die im kommenden Juni zur Wahl stehenden Parteien.
ABG (Aktion Bürger für Gerechtigkeit)
Fordert 2024 immer noch den „sofortigen Stopp aller Corona-Maßnahmen“ und will ins EU-Parlament, um aus dem EU-Parlament rauszukommen („EU-Austritt“). Wäre es nicht einfacher, diesen Schritt direkt zu überspringen?
AfD (Alternative für Deutschland)
Ist die AfD.
BIG (Bündnis für Innovation und Gerechtigkeit)
Nicht in Japan und auch nicht notorious. Islamistische Partei mit menschlichem Antlitz. Laut Wikipedia für die Behauptung bekannt, „dass ein schwules Paar etwas anderes sei als ein heterosexuelles“, obwohl doch jeder weiß, dass Paare immer alle genau identisch sind.
BSW (Bündnis Sahra Wagenknecht)
Links (BSW über das BSW) bzw. rechts (Konkurrenten über das BSW). Spitzenkandidat Fabio De Masi ist nicht der allerblödeste Politiker, der mir gerade einfiele.
Bündnis 90/Die Grünen

Bündnis C – Christen für Deutschland
Wer die katholische Zentrumspartei (tritt nicht selbst an) zu gemäßigt findet, für den ist das Bündnis C vermutlich die richtige Partei. Will raus aus der UNO, findet das Existenzrecht Israels aber trotzdem gut. Sie „lieben Gott und die Menschen unseres Landes und aller Nationen“ (Quelle), verwechseln aber christliche Schwertmission mit Nächstenliebe. „Ethische Prinzipien stehen über aller staatlichen Ordnung und Gesetzgebung.“ Keine Ahnung, warum die unbedingt in ein Parlament wollen.
Bündnis Deutschland
Eine der zahlreichen Ausgründungen aus der AfD. Will demnächst mit „Wir Bürger“ (zuvor LKR, zuvor ALFA) fusionieren und wird dann quasi eine doppelte Ausgründung aus der AfD sein. Politisch irgendwo zwischen CSU und F.D.P. anzusiedeln, nur mit weniger Europa.
CDU/CSU (Christlich-Demokratische/Soziale Union)
„Wir setzen auf unser politisches Spitzenpersonal: Ursula von der Leyen und Friedrich Merz stehen für Führung, Verlässlichkeit und Kompetenz“ (Zitat aus dem CDU-Newsletter zum Europawahlkampf).
DAVA (Demokratische Allianz für Vielfalt und Aufbruch)
Quasi BIG, aber ohne menschliches Antlitz.
dieBasis (Basisdemokratische Partei Deutschland)
Gegründet aus der dadaistisch relevanten „Querdenker“-Szene, die die angesehene Kaste der „Querdenker“ in ein Schimpfwort zu pervertieren versucht hat, heraus. Schmeißt immer wieder Rechtsradikale und Betrüger aus der Partei. Seltsamerweise trägt das nicht dazu bei, dass weniger Rechtsradikale und Betrüger für ihre Mitgliedschaft in der Partei dieBasis bekannt sind.
Die Linke
Große Teile der Partei wollen nicht, dass die Zweitplatzierte auf der Liste zur Europawahl ins Europäische Parlament einzieht. Ich empfehle diesen Wunsch zu respektieren.
Die PARTEI
Es ist gut für die Bürger der Europäischen Union, dass Spitzenkandidat Martin Sonneborn das Transparenzgebot vorlebt. Es ist ärgerlich für die Bürger der Europäischen Union, dass er in der offen frauenfeindlich und rassistisch auftretenden PARTEI ist.
DKP (Deutsche Kommunistische Partei)
Wollte schon ins EU-Parlament, um aus dem EU-Parlament rauszukommen („EU-Austritt“), bevor es cool war. Hält wenig von Trotzki, will aber mit der Bewerbung um wenigstens einen Sitz im EU-Parlament trotzdem der Internationalen zu neuer Stärke verhelfen. Parteichef Patrik Köbele hat zum Weltfrauentag 2024 eine Rede im Internet gehalten und seine Stellvertreterin Wera Richter nicht, weil er Chef ist und sie nicht.
FAMILIE (Familien-Partei Deutschlands)
Sitzt – von vielen unbemerkt – seit 2014 im Europäischen Parlament, dort in der EVP-Fraktion (CDU/CSU, ÖVP, Forza Italia und so weiter). Hat eine Website namens „xn--whlefamilie-l8a.de“ (bzw. wählefamilie.de). Will einerseits weniger Krieg, andererseits auch mehr Kinder. Verwechselt im Wahlprogramm Europa mit der Europäischen Union. Will, dass Flüchtlinge „aus unserer Kultur so viel lernen und mitnehmen, wie sie können“ (ebd.), erklärt aber nicht, wohin sie was mitnehmen sollen. Hat familienkritischen Wählern wenig zu bieten, aber das sagt ja der Name schon.
FDP (Freie Demokratische Partei)
Hält es für eine gute Idee, in außenpolitisch schwierigen Zeiten ausgerechnet Marie-Agnes Strack-Zimmermann zur Spitzenkandidatin zu machen, die trotz ihres eigenen Namens Namenswitze für lustig hält („Wir brauchen weniger von der Leyen und mehr von der Freiheit“). Glaubt trotz des Kosovokrieges, die Europäische Union sei ein Garant für Frieden, und will mehr Panzer, damit das so bleibt.
Freie Wähler
Sitzt ebenfalls seit 2014 im Europäischen Parlament herum. Möchte zwar die deutsche Sprache auf europäischer Ebene stärken, was (statistisch gesehen) Sinn ergibt, hat aber einen Niederbayern als Parteichef. Droht im Parteiprogramm damit, „europäische Werte“ im Internet „durchzusetzen“.
HEIMAT (Die Heimat)
Hieß früher NPD. Spitzenkandidat Udo Voigt war schon mal im Europäischen Parlament und macht seit vielen Jahren PARTEI-würdige Witze. Will „weniger Brüssel“ und mitsamt dem kompletten Staat Deutschland raus aus dem Europäischen Parlament, behelfsweise ein „Europa der Vaterländer“. Listenplatz 2 heißt mit Vornamen Ronny. Das ist nicht witzig (siehe auch FDP).
Klimaliste (Klimaliste Deutschland)
Hält sich für eine Graswurzelbewegung. Existiert, weil die Grünen nach der Wahl nicht machen, was sie vor der Wahl versprochen haben, glaubt aber, nach der Wahl das machen zu können, was sie vor der Wahl versprochen haben.
Letzte Generation (Parlament aufmischen – Stimme der Letzten Generation)
Hat auf der zwölf Plätze umfassenden Kandidatenliste für den Einzug im Europäischen Parlament mehr gerichtliche Verurteilungen als dieBasis versammelt. Die Spitzenkandidatin will keine Politikerin sein („ZEIT ONLINE“, 23. März 2024), findet das aber nicht merkwürdig.
Menschliche Welt (Menschliche Welt – für das Wohl und Glücklichsein aller)
Will, dass es allen „Menschen, Tieren und der Natur“ gut geht, hat aber einen Namen, für dessen vollständige Aussprache man viel CO2 ausstoßen muss. Auf der Website der Partei kommt momentan direkt auf der Startseite zwölfmal das Wort „Meditation“ vor. Meditationstipps für Haustiere werden leider nicht gegeben.
MERA25
Eine der inzwischen mehreren deutschen Parteien, die glauben, sie wären die einzige Partei, die es auch in anderen Ländern gibt. Steht nach eigenen Angaben für „Frieden, Solidarität und Freiheit“. Will, dass sich in der EU menschliche Arbeitsbedingungen durchsetzen, fordert andererseits „kostenlosen ÖPNV“, meint damit wahrscheinlich zwar bezahlten, aber fahrscheinfreien ÖPNV, bleibt aber eine Erläuterung schuldig, inwiefern das Europäische Parlament die kommunalen (meist privatisierten) Busbetreiber diesbezüglich beeinflussen soll.
MLPD (Marxistisch-Leninistische Partei Deutschlands)
Ist keine Sekte (MLPD über die MLPD) bzw. ist doch eine Sekte (alle anderen über die MLPD). Ist zwar kommunal deutlich weniger erfolgreich als die DKP, hat aber mehr Geld für Plakate und stellt manchmal umstrittene Statuen in Gelsenkirchen auf. Glaubt, das Erbe der KPD angetreten zu haben, sieht aber keinen Widerspruch im Erbe der KPD und dem eigenen Auftreten. Will ins Europäische Parlament, hat aber kein öffentlich einsehbares Wahlprogramm für selbiges. Irgendwas mit Proletariat.
ödp (Ökologisch-Demokratische Partei)
Tritt neuerdings gern mal in Wahlgemeinschaften mit Volt und der Piratenpartei auf. Konzentriert sich im Europawahlkampf auf das Thema Naturschutz, kann sich Namenswitze dabei aber auch nicht verkneifen („Tierwohl ist Özdemirdochegal“). Wahrt im öffentlichen Auftreten eine Äquidistanz zu CDU/CSU und Grünen, weil beide nicht grün genug seien, und bezeichnet sich selbst als „Lobbyisten für die Natur“. Unten auf der ödp-Webseite zur Europawahl (Archivversion) steht, man dürfe die dort zu findenden Bildchen nur bis Juni 2024 „teilen“. Ups.
Partei für schulmedizinische Verjüngungsforschung
Ein-Themen-Partei. Will von mir auf Wahlplakaten wissen, wo ich in 800 Jahren leben will, womit ein Wahlerfolg der Partei mittelfristig zwangsläufig zu einer Erhöhung des Rentenalters auf 760 Jahre führen wird. Pff.
PdF (Partei des Fortschritts)
Nennt sich „das neue Parteiformat“. JpeG wäre aber auch noch frei gewesen. Die Partei ist eine der zahlreichen „basisdemokratischen“ Parteien, die glauben, irgendwas viel besser zu machen als die anderen „basisdemokratischen“ Parteien, hat aber trotzdem eine Unvereinbarkeit mit Antifa, AfD, NPD und APPD beschlossen. Das Wahlprogramm soll in acht Tagen beschlossen werden. Ich vermute, es wird dann als PDF-Datei bereitgestellt werden. Die Website ist voller Rechtschreibfehler. Ein Lektor wäre hilfreich gewesen.
PdH (Partei der Humanisten)
Auf den „offenen Stammtischen“ der Partei der Humanisten wird bisweilen vorgeschlagen, Putin einfach zu meucheln. Die Partei der Humanisten will zwar keine Wehrpflicht, fordert aber eine EU-Armee. Kernthema ist die Trennung zwischen Politik und Religion, netzpolitisch ist die Partei liberal ausgerichtet. Das Wahlprogramm ist im klassischen Sinne liberal und harmoniert mit dem digitalisierten Parteikonzept, aber die Unvereinbarkeitsliste hat momentan neun Seiten. Preußischen Bürokraten gefällt das.
PdV (Partei der Vernunft)
Unvereinbar mit der Partei der Humanisten. Ist die einzige libertäre Partei Deutschlands und in dieser Szene insofern beliebt, findet die EU folgerichtig überflüssig, will aber trotzdem mitmachen. Hat im alten Kürzel ein großes D und im neuen Kürzel ein kleines D. Ein Europawahlprogramm ist noch nicht zu finden, kommt aber vielleicht noch.
Piraten (Piratenpartei Deutschland)
Inoffizieller Parteiname: „Die gibt’s noch?“. Hat mit Patrick Breyer einen engagierten Kämpfer für Datenschutz und Netzfreiheit im Parlament, hat mit Anja Hirschel eine zweifellos hochqualifizierte Spitzenkandidatin als seine potenzielle Nachfolgerin im Köcher, aber weil die Piratenpartei die Piratenpartei ist, sind die Städte hier in der Region trotzdem nicht mit Anja Hirschel, sondern mit Anne Herpertz (äußerst widerwillig und trotz intensiver Lobbybemühungen nur auf Platz 2 gewählt) und Thomas Ganskow (Platz 13) beplakatiert worden. Nicht, dass es so aussieht, als wäre man bei Piratens mal harmonisch organisiert.
SGP (Sozialistische Gleichheitspartei)
Findet außerhalb von Berlin nicht statt, ist trotzdem die einzige hinreichend relevante trotzkistische Partei des Landes. Will keinen Krieg, aber auch keine Europäische Union in der bestehenden Form, setzt sich stattdessen für „die Vereinigten Sozialistischen Staaten von Europa“ ein. Kritisiert im Wahlprogramm Sahra Wagenknechts BSW, beruft sich aber trotzdem auf Karl Liebknecht, Rosa Luxemburg und die Bolschewiken.
SPD (Sozialdemokratische Partei Deutschlands)
Hat auf ihren Wahlplakaten Katarina Barley und Olaf Scholz abgedruckt, hat aber bis auf Weiteres überhaupt nicht vor, Olaf Scholz im Ausland endzulagern. Stimmt im Europäischen Parlament mit schönster Regelmäßigkeit ungezwungen für mehr Überwachungsstaat, findet das dann aber selber doof. Spitzenkandidatin Katarina Barley sitzt schon seit 2019 im Europäischen Parlament und hat allein im Februar und März dieses Jahres in dieser Rolle unter anderem für biometrische Massenüberwachung und gegen Bargeldfreiheit votiert.
TIERSCHUTZ hier! (Aktion Partei für Tierschutz)
Die „Aktion Partei für Tierschutz“ hat sich 2017 aus piratenparteiwürdigen Gründen von der Tierschutzpartei abgespalten, ist aber sonst eigentlich die gleiche Partei.
Tierschutzpartei (Partei Mensch Umwelt Tierschutz)
Hat als nicht völlig erfolglose Protestpartei für alle, die Tiere irgendwie weniger schlimm finden als andere Menschen, vermutlich durchaus Chancen auf einen zweiten Sitz im Europäischen Parlament. Saß von 2014 bis 2020 bereits mit einem Sitz dort herum, hielt Streiten aber für interessanter als konstruktive Politik. Die Zweitplatzierte der Wahlliste sei, erfahre ich im Internet, Anfang April 2024 aus der Partei ausgetreten. Wann auch sonst?
V‑Partei³
Die „Europaliste“ der V‑Partei³ umfasst 19 Personen. Optimismus können sie. Politisch beantwortet die V‑Partei³ die Frage, wie es wohl wäre, wenn man ein beliebiges Onlineforum für Veganer wählen könnte. Die wohl einzige Partei mit einer eigenen Rezepteseite im Web.
Volt (Volt Deutschland)
Behauptet immer noch, irgendein politisches Alleinstellungsmerkmal zu haben. Koaliert kommunal mal mit der Linken, mal mit der CDU, möchte bei der Europawahl aber trotzdem nicht „das Schlimmste (…) verhindern, sondern das Beste (…) ermöglichen“ (Quelle). Plakatiert die Forderung nach „mehr Eis“ und verlangt, ich möge „kein Arschloch“ sein (Quelle), will aber trotzdem eine europäische Armee haben. Kernforderungen sind die weitgehende Abschaffung nationaler Souveränität in der Europäischen Union, mithin die Umwandlung des Bündnisses in einen supranationalen Staat, höhere Steuern und mehr Freiheit, jedoch findet Volt Deutschland im Parteiprogramm, die Mitbestimmung der Bürger möge auf das Recht, Petitionen einzureichen, beschränkt sein. Reicht ja auch.

Oh! Wer richtet den geringsten Schaden an?
Eine Dose Thunfisch, aber die steht leider nicht zur Wahl.
Mein Freund möchte wissen, ob zwei Dosen Thunfisch (ist das ein verkappter Greta-Witz?) geringeren Schaden anrichten oder eher keine Dose Thunfisch.
Namenswitze selbst über Greta Thunberg sind meine Sache nicht, darum bin ich ja niemandes Spitzenkandidat. Zur Frage: Olaf Scholz zum Beispiel ist keine Dose Thunfisch. Zwei Dosen Thunfisch klingen nach einer besseren Idee.
Ich mag Wurst. Bratwurst.
> Große Teile der Partei wollen nicht, dass die Zweitplatzierte auf der Liste zur Europawahl ins Europäische Parlament einzieht. Ich empfehle diesen Wunsch zu respektieren.
Weil mich das so gewundert hat: Der Artikel zitiert nur Wagenknecht-Leute, also Politiker, die gerade aus der Partei austreten oder gekickt werden müssen. Daher auch die rechten Sprüche und die offene Beschädigung der Partei durch Zurschaustellung eines Kampfes (den es in der Partei wahrscheinlich gar nicht gibt).
Dass es zum Zeitpunkt der Aufstellung von Frau Rackete noch gar keine „Wagenknecht-Leute“ gab, ignorieren wir für dieses Argument mal, ja?
Natürlich gab es damals schon Wagenknecht-Leute. Die Kämpfe zwischen ihren Anhängern und ihren Gegnern lähmten die Partei seit langer Zeit.
Was ist mit der Partei der Biertrinker passiert?
Alle auf Entzug?
Die meisten Parteien sind Parteien der Biertrinker, fürchte ich.
ERSTER!
Ich mag Wurst.