NetzfundstückeNerdkrams
Kom­pli­zier­tes Makro­blog­ging

Auf Mast­o­don ent­wickel­te sich unlängst eine kur­ze Dis­kus­si­on dar­über, ob der Unter­schied zwi­schen Micro­blog­ging (Twit­ter, Mast­o­don, so was halt) und rich­ti­gen Blogs sich wirk­lich an der Zei­chen­zahl fest­ma­chen lie­ße oder ob man nicht auch ein zwölf­sei­ti­ges Essay in ein Micro­blog schrei­ben kön­nen soll­te, ohne dabei das Medi­um ad absur­dum zu füh­ren.

Mei­ner etwas ver­wun­der­ten Fra­ge, ob denn nicht die Exi­stenz­be­rech­ti­gung von „Micro­blog­ging“ dar­in begrün­det lie­ge, dass man sich kurz fas­sen müs­se, wur­de ent­geg­net, dass der gro­ße Unter­schied mit­nich­ten in der Län­ge (klar: ich habe auch schon Din­ge „gebloggt“, die pro­blem­los in eine SMS-Nach­richt gepasst hät­ten), son­dern im Medi­en­bruch zu fin­den sei. Beim Micro­blog­ging habe man das Ein­ga­be­feld jeder­zeit zur Hand, bei nor­ma­len Blogs sei­en mit einer Publi­ka­ti­on wei­te­re Spe­renz­chen ver­bun­den. Nun mag ich ja Spe­renz­chen beim Schrei­ben, aber das Argu­ment war den­noch über­zeu­gend: Wenn man in den stän­di­gen Strom von Gedan­ken ein­fach rein­brül­len kann, statt ihn unter­bre­chen zu müs­sen, um sich an ihm zu betei­li­gen, ist die Mit­mach­schwel­le ver­mut­lich deut­lich nied­ri­ger.

Im guten alten Mit­mach­in­ter­net, also in News­groups (für die Jün­ge­ren: das ist was ande­res als Face­book) und Mai­ling­li­sten, war und ist ein sol­cher nied­rig­schwel­li­ger Sprung zwi­schen Lesen und Schrei­ben bis heu­te Usus. In einem Fen­ster liest man, im ande­ren Fen­ster (gern auf dem­sel­ben Bild­schirm irgend­wo unter, über oder neben dem Lese­text) schreibt man. Natür­lich könn­te man das auch mit einem han­dels­üb­li­chen Blog nach­bil­den, wenn man einen gro­ßen (oder einen zwei­ten) Bild­schirm hat, aber der Fluss geht durch den Fen­ster­wech­sel den­noch ver­lo­ren. Stimmt schon.

Dass Blogs und Publi­ka­tio­nen wie die­se hier immer noch die bes­se­re (weil: im Best­fall län­ger­le­bi­ge) Form des Ins­in­ter­net­schrei­bens sind als Micro­blogs, möch­te ich auf kei­nen Fall als im Zwei­fel ste­hend for­mu­liert wis­sen. Rich­tig ist trotz­dem, dass in der schnelllebi­gen Zeit, in der zu leben wir das Miss­ver­gnü­gen haben, das klu­ge Aus­for­mu­lie­ren von Tex­ten auf Sen­der- und Emp­fän­ger­sei­te zuse­hends schwe­rer wird, weil der häpp­chen­wei­se Kon­sum, das Infor­ma­ti­ons-Fast­food, längst das nahr­haf­te, aber eben auch aus­gie­bi­ge Mahl ver­drängt hat. Die sich auf­lö­sen­den Struk­tu­ren auf Dis­kus­si­ons­platt­for­men tun hier ihr Übri­ges: Inspi­riert von Quatsch­por­ta­len wie eben Face­book haben die mei­sten Dis­kus­si­ons­fo­ren ihre Baum­struk­tu­ren auf­ge­ge­ben, was die gleich­zei­ti­ge Bespre­chung meh­re­rer The­men wie unge­ord­ne­tes Geschnat­ter wir­ken lässt. Zusam­men­hän­ge sind so 90er.

Ich weiß nicht, wie man das lösen kann. Das stört mich dar­an am mei­sten.

Senfecke:

  1. Wir leben längst in einer Post-Social-Media-Ära. Ist noch kei­nem auf­ge­fal­len.
    Die­ses kogni­ti­ve Abkü­beln in vor­ge­fer­tig­ten Fen­stern ist von gestern.
    Vor­ge­fer­tig­te Laber­fen­ster sind eine Form von Herr­schaft. Der Herr fen­stert, der Skla­ve kübelt.
    Men­schen müs­sen par­al­lel und zeit­gleich an Tex­ten und Kon­zep­ten arbei­ten kön­nen.
    „Wie wollt ihr leben ?“…tacker…tacker..tacker..

  2. Wo kom­men wir denn hin, wenn ich nach dem Lesen kurz nach­den­ke, was ich schrei­be.

    Ande­rer Gedan­ke. Wenn Men­schen mei­nen 2000 Leu­ten fol­gen zu müs­sen. Wenn da jetzt täg­lich 100 Posten und die Limi­tie­rung fällt weg. Dann kom­men vie­len Men­schen ja gar nicht mehr zum Arbei­ten.

    Wenn ich lese, was ich schrei­be, fällt mir auf, dass ich Micro­blog­ging ganz schö­nen Quatsch fin­de.

    Auf ein lan­ges Makro-Blog­ging

  3. Ich emp­fin­de die 500 Zei­chen und die feh­len­de Mark­down-Unter­stüt­zung von Mast­o­don schon als eine Art „Wett­be­werbs­nach­teil“ gegen­über Ple­ro­ma. Viel­leicht liegt das auch dar­an, dass mei­ne „Social Net­work-Bio­gra­phie“ statt mit einem Twit­ter- mit einem Tumb­lr-Account begann.

    Aber wenn der süd­afri­ka­ni­sche Tony Stark auf sei­nem „X“ plötz­lich Mark­down-Unter­stüt­zung ein­füh­ren wür­de, wür­de es Gar­gron ver­mut­lich erst recht blockie­ren.

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      • Kein Pro­blem :D. Die däm­li­che Impres­sums­pflicht­the­ma­tik ist eigent­lich die Haupt­pro­ble­ma­tik, die mich seit Jah­ren davon abge­hal­ten hat (davor hat­te ich eine ille­ga­le Post­fach­va­ri­an­te in Ver­wen­dung).

          • Erste­res habe ich des­öf­te­ren in Erwä­gung gezo­gen (und immer noch nicht ver­wor­fen), Letz­te­res ist mir zu kom­pli­ziert. Als drit­te Alter­na­ti­ve habe ich irgend­wel­che selt­sa­men Autoren­dien­ste wie Impres­sums­ser­vice gefun­den. Bin lei­der immer noch mit die­sen Gedan­ken­gän­gen beschäf­tigt, anstatt mich auf die Ver­öf­fent­li­chung von „was auch immer mir in den Sinn kommt, publi­ziert zu wer­den“ zu kon­zen­trie­ren. So viel zur frei­en Mei­nungs­äu­ße­rung, die mit der­ar­ti­gen Sei­ten­ef­fek­ten daher kommt.

            • Ja, in Deutsch­land macht das wenig Spaß. Aber bestimmt wird alles bes­ser, wenn man näch­stes Mal die ande­re Wich­ser­par­tei wählt.

              Nach der Revo­lu­ti­on kom­men die Inter­net­fein­de von Rot/Grün zuerst ins Gulag.

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