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Kurz­kri­tik: Edgar’s Hair – Jonathan’s Dive

Edgar's Hair - Jonathan's DiveLan­ge nichts mehr über Musik geschrie­ben.

Im Novem­ber 2017 ver­öf­fent­lich­te das nie­der­län­di­sche Trio Edgar’s Hair, also „dem Edgar sei­ne Haa­re“, benannt wahr­schein­lich nach einem Fri­seur­sa­lon oder so (das ist jetzt eine von mir frei erfun­de­ne Anek­do­te), das erste von bis­her zwei Stu­dio­al­ben. Es ist ein Dop­pel­al­bum, des­sen Inspi­ra­ti­on das ermü­den­de Büch­lein „Die Möwe Jona­than“ gewe­sen sein soll (das wie­der­um nicht), und trägt den Titel „Jonathan’s Dive“ (TIDAL, Bandcamp.com, Amazon.de).

Zu hören gibt es nach dem über 12 Minu­ten lan­gen Ein­lei­tungs­stück „Glit­te­rings Height“, das bereits eine dich­te Atmo­sphä­re auf­baut, um stil­echt auf das Album ein­zu­stim­men, genau das, wor­auf der Ver­fas­ser die­ser Zei­len heu­te Lust hat: Tat­säch­lich an Anna von Hauss­wolff erin­nern­des Erha­ben-Kathe­dra­les („Banis­hed To A Soli­ta­ry Life On The Far Cliffs“) steht gleich­be­rech­tigt neben sanf­tem, aber immer auch beklem­mend dich­tem Jazz­rock („Floa­ting Time“, „The Mes­sen­ger“), gewürzt mit hör­ba­ren und von den Musi­kern selbst, so behauptet’s das Inter­net, zitier­ten Ein­flüs­sen von Grup­pen wie Motor­psy­cho, Mog­wai und Sigur Rós („The Gull Sees Far­thest Who Flies Hig­hest“), ohne dabei das über­ge­ord­ne­te Klang­bild zu ver­lie­ren.

The gull sees far­thest­w­ho flies hig­hest

Der crims­o­nes­que, nicht mal zwei­mi­nü­ti­ge Gitar­ren­aus­bruch „God’s Plan“ reißt als vor­letz­tes Stück nur kurz aus der Trance, bevor der veri­ta­ble, frei­for­ma­ti­ge Zwan­zig­mi­nü­ter „Stra­to­sphe­re“, der in der Tat auch eine Welt­raum­rei­se pas­send unter­ma­len könn­te, das Album beschließt. „Jonathan’s Dive“ sei ein Album mit sound­scapes, also Klang­flä­chen, behaup­tet die Band­camp­sei­te zum Album. Tat­säch­lich wird viel mit Geräu­schen expe­ri­men­tiert – im Titel­stück „reg­net“ es gar. Text gibt es nur spär­lich und wird auch nicht ver­misst.

Ein wirk­lich erfreu­li­ches Album also, und zum Glück auch kei­ne ein­ma­li­ge Ange­le­gen­heit: Bereits 2021 kam der deut­lich kür­ze­re, sti­li­stisch aber sehr ähn­li­che Nach­fol­ger raus. Von mir aus kön­nen sie das so wei­ter­ma­chen.

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