ComputerNetzfundstücke
Gute Abonnements, schlech­te Abonnements

Zu den Dingen, die mir gele­gent­lich als Ausdruck mei­ner ver­meint­li­chen Rückständigkeit ange­la­stet wer­den, gehört, dass ich mich von EDV-Abonnements fern­hal­te. Ich wei­ge­re mich, Software zu mie­ten, eben­so wie nie­mand jemals erle­ben wird, dass ich auf­hö­re, Tonträger zu kau­fen, weil ich ja statt­des­sen auch für ein paar Groschen im Monat die Erlaubnis mie­ten kann, statt­des­sen auf einem frem­den Computer („in der Cloud“) Musik zu hören. Was auf frem­den - auch Apples - Computern liegt, geht damit aber nicht nur in den Besitz die­ses Fremden über, son­dern kann von die­sem auch jeder­zeit dem eige­nen Zugriff ent­zo­gen werden.

Die wohl meist­ver­brei­te­ten Abonnements - die­je­ni­gen für irgend­wel­che Streamingdienste - haben hier­bei eine ver­trag­li­che Sollbruchstelle: Nach Ablauf des Mietvertrags ver­siegt die Medienquelle unge­ach­tet des aktu­el­len Konsumstandes, also ein­schließ­lich noch nicht gehör­ter Musik und noch nicht gese­he­ner Episoden, und alles, was man bis dahin „gesam­melt“ hat­te, ist fort. Ausgerechnet ein Nutzer meh­re­rer sol­cher Dienste aber war es, der mich heu­te auf die­se Meldung hinwies:

Hewlett-Packard bie­tet unter dem Markennamen Instant Ink für man­che sei­ner Tintenstrahler eine Art Abo für Tintenpatronen an. (…) Doch wer es kün­digt, erhält nicht nur kei­ne Tintenpatronen mehr son­dern kann auch die aktu­ell genutz­te Patrone nicht mehr nut­zen, egal wie hoch oder nied­rig deren Füllstand ist.

Obwohl sich die­ses „Abo“ also genau so ver­hält wie die „Abos“ bei TIDAL, Spotify, Netflix und so wei­ter, führ­te die­se Meldung zu viel­fa­cher Empörung: Wie kann ein Abonnementanbieter es wagen, sein Eigentum nach dem Vertragsende nicht mehr zur Verfügung zu stel­len? Zu sel­ten aber lese ich die sich mir auf­drän­gen­de Frage, war­um das Wesen eines Abonnements bei mate­ri­el­len Gütern offen­bar anders ver­stan­den wird als bei imma­te­ri­el­len Gütern wie Dateien („Streams“). Warum soll­te eine Tintenpatrone wert­vol­ler sein als ein Lied? Warum ent­schei­det man sich für Abonnement statt Kauf, wenn man doch Eigentum statt Besitz erwartet?

Was unter­schei­det die cloud eigent­lich von Erpressungstrojanern?


Bescheuerte Verwendung des Wortes „zuge­ben“ des Tages: Ein VW-Zuständiger habe „zuge­ge­ben“, über­schrif­te­te „The Drive“, dass voll­stän­dig auto­nom fah­ren­de Autos viel­leicht nie­mals gebaut wer­den. Sakrileg! Frevel! Ketzerei!

Senfecke:

  1. Nicht jedes Abonnement bedeu­tet eine „Miete“ (rich­ti­ger wohl: Lizenzierung). Insofern wird kaum jemand über­rascht sein, dass nach Kündigung eines Software-Lizenzvertrags (z.B. „Office 365“-Abo) die ent­spre­chen­de Software nicht mehr ver­wen­det wer­den kann oder dass nach Kündigung des Vertrags mit einem Streamingdienstanbieter kein Zugriff mehr auf den Dienst besteht.

    Ein Tintenpatronen-Abonnement ähnelt aber eher einem Zeitschriftenabonnement, also einem Vertrag über die Lieferung kör­per­li­cher Gegenstände, die nach Lieferung in das Eigentum des Abonnenten über­ge­hen (ver­gleich­bar: das „Abonnieren“ von Verbrauchsgegenständen per Amazon-„Spar-Abo“). Dass nach Kündigung des Abos kei­ne neu­en Tintenpatronen mehr gelie­fert wer­den, ist klar. Dass aber auch die bereits gelie­fer­ten und noch nicht ver­brauch­ten Patronen soft­ware­sei­tig gegen wei­te­re Nutzung gesperrt wer­den, ist durch­aus über­ra­schend (wenn man sich die Vertragsbedingungen nicht zur Gänze ange­schaut hat, jeden­falls). Ich wäre auch sehr über­rascht, wenn nach Kündigung eines Zeitungsabos jemand vor der Tür steht und die noch nicht gele­se­nen Zeitungen zurückfordert …

    • Man lizen­ziert Zugang zu dem Hersteller gehö­ren­den Tintenpatronen. Läuft die Lizenz aus, erlischt das Zugangsrecht. Da sind Tintenpatronen genau wie Onlineangebote von Zeitungen: Man muss sie nicht zurück­ge­ben - unge­le­se­ne Ausgaben wer­den aber unge­le­sen blei­ben müssen.

      • „Man lizen­ziert Zugang zu dem Hersteller gehö­ren­den Tintenpatronen. Läuft die Lizenz aus, erlischt das Zugangsrecht.“

        Ja, genau. Damit rech­net man aller­dings beim Erhalt kör­per­li­cher Gegenstände übli­cher­wei­se nicht.

  2. Pingback: 124c41
  3. Autonome Autos sind also „AUT“,harhar!
    Flugtaxis haben kei­ne Probleme mit Kinderwagens-Entscheidungsethizismen..mal überlegen.…
    Also die ein­zi­gen die „Zielerkennung“ noch inter­es­siert sind 2 Vs:
    Verteidigungsindustrie und Versicherungen…
    Ist viel­leicht etwas zugespitzt,aber wenn ums gro­sse Geld geht…
    sind die Beiden heiss!

    Aqls ich 12 war und kei­ne Ahnung hatte,kam es zum ersten Kontakt mit einem Drücker.
    Ex-Knacki of course,erklärt ein Punkte-System, nach dem er sein Geld bekäme.
    Wenn er sound­so­vie­le Zettel machte…
    Er war die gan­ze Zeit nett und freund­lich und man hat dann eini­ge Zettel unter­schrie­ben und Zeitschriften abonniert
    Das waren die End 70er, mei­ne Lieben!

:) 
:D 
:( 
:o 
8O 
:? 
8) 
:lol: 
:x 
:aufsmaul: 
mehr...
 

Erlaubte Tags:
<strong> <em> <pre> <code> <a href="" title=""> <img src="" title="" alt=""> <blockquote> <q> <b> <i> <del> <span style=""> <strike>

Datenschutzhinweis: Ihre IP-Adresse wird nicht gespeichert. Details finden Sie hier.

Senf hinzufügen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Du willst deinen Senf dazugeben, dir ist aber der Senf ausgegangen? Dann nutz den SENFOMATEN! Per einfachem Klick kannst du fertigen Senf in das Kommentarfeld schmieren, nur dazugeben musst du ihn noch selbst.