In den NachrichtenPolitik
Das hal­be Prozent aus Neoweimar

Hinab mit dem Geschmeiß!Auf Twitter ist die­ser Tage wie­der Radau, denn auf Twitter ist der Wunsch nach Gewalt nicht gern gese­hen. Folgerichtig unter­nimmt Twitter Anstrengungen, Blödsinn wie „Faschos aufs Maul“ aus dem eige­nen Netzwerk fern­zu­hal­ten. Trotzig geben die Sanktionierten bekannt, sich von so etwas nicht auf­hal­ten zu las­sen, obwohl Twitter ein „nazi­freund­li­cher Scheißhaufen“ (ebd.) sei. Warum man unbe­dingt wei­ter­hin einem „nazi­freund­li­chen Scheißhaufen“ ein Kunde sein will, bleibt frei­lich uner­klärt. Denjenigen, denen jede wei­ße Wand nur Recht ist, um ihre Schnappatmung drauf­zu­sprü­hen, sind sol­che Details ver­mut­lich aber auch egal. Dort hört ihnen wenig­stens mal jemand zu.

Dass die Sperren zumin­dest bedeu­ten, dass Twitter das Recht des Einzelnen dar­auf, nicht von einem auf­ge­brach­ten Pöbel ver­mö­belt zu wer­den, in Ehren hält, kommt in der Welt der Guten nicht als Bewertungskriterium vor. Auge um Auge. Der Verrückte mit den mei­sten Fähnchen ent­schei­det über Gut und Böse, flei­ßig befeu­ert von grund­sätz­lich an „Haltung“ inter­es­sier­ten Medienschaffern. Nun ist ein gebeug­ter Rücken nun mal auch eine Haltung, was zu Ausfällen wie dem führt, was die „Braunschweiger Zeitung“ gestern ver­zapf­te: Anlässlich einer Demonstration gegen Rechtspopulismus, an der trotz­dem die rechts­po­pu­li­sti­sche SPD teil­neh­men durf­te, hat­ten sich in Braunschweig „über tau­send Menschen“ ver­sam­melt. Die Stadt Braunschweig, Umland nicht ein­ge­rech­net, hat zur­zeit etwa eine Viertelmillion Einwohner, aber das steht da nicht.

Über die sprach­li­che Entgleisung, mit dem inzwi­schen aus der Zeit gefal­le­nen Begriff „Nazis“ mehr als unvor­sich­tig umzu­ge­hen, möch­te ich hier nicht schon wie­der aus­führ­li­cher als unbe­dingt not­wen­dig refe­rie­ren. Der Hinweis soll genü­gen, dass jemand, der einen ande­ren auf­grund sei­nes Wahlverhaltens einen „Nazi“ schimpft, von einem der von ihm ver­ach­te­ten Geschichtsklitterer nicht mehr zu unter­schei­den ist. Es wäre auch ver­fehlt, behaup­te­te man, man sei auf dem Weg, das Dritte Reich zu wie­der­ho­len, denn es sei vie­les wie damals, schon, weil die dama­li­ge Voraussetzung einer schwach wir­ken­den Wirtschaft heu­te kaum gege­ben ist. Die Unzufriedenheit mit der Verteilung des Kapitals - meist von denen, denen es an Kapital fehlt - führt in unter­schied­li­chen Ländern zu unter­schied­li­cher Zeit offen­sicht­lich zu unter­schied­li­chen Lösungsansätzen. Dem Ironiefreund gele­gen kommt aber die Vermutung, dass der momen­tan zuse­hends erbit­ter­ter geführ­te Kampf fürs Klima mit­tel­fri­stig eben zu einer deut­li­chen Schwächung der klas­si­schen Wirtschaft füh­ren wird. Man wird sehen, wel­cher Politiker sich dann als Problemlöser wäh­len las­sen wird. Warum nicht mal jemand aus einer Arbeiterpartei?

Ein „nie­mals wie­der!“ beginnt zu oft 1933, aber man kann ein Wiederkehren des Dritten Reiches nicht ver­mei­den, indem man die Weimarer Republik nach­spielt. Ein star­ker Nationalsozialismus war auch eine Folge der schwa­chen Demokratie, zumal die Zeit davor kei­nes­falls eine fried­li­che war: „Allein 1932 zähl­te das preu­ßi­sche Innenministerium 155 Tote“ bei Straßenschlachten zwi­schen Anhängern von KPD und NSDAP. Wer mag der mora­li­sche Sieger geblie­ben sein? Gewalt öff­net das Tor zur Hölle.

Und es muss­te ja nicht immer nur kör­per­li­che Gewalt gegen die Einzelnen sein, denn manch­mal tra­fen sie sich auch in Gruppen:

Gewalttätige Auseinandersetzungen mit Toten und Verletzten beim Reichsparteitag 1929 ver­schaff­ten der NSDAP lan­des­weit gro­ße Aufmerksamkeit.

Als sei der Parteitag das Problem; und als begeg­ne­te man poli­ti­schen Zerwürfnissen am besten, indem man ein­fluss­ar­me Delegierte für das Treiben der Parteiführung bestraft!

Im oben ver­link­ten Artikel der „Braunschweiger Zeitung“ wird dar­auf hin­ge­wie­sen, dass dem­nächst die AfD sich in Braunschweig zu ver­sam­meln geden­ke. Die Rede ist von einem Aufruf, „sich an den Protesten gegen den AfD-Bundesparteitag zu betei­li­gen“, denn wenn eins gewiss den Frieden und die Demokratie sichert, dann kann es nur der Protest dage­gen sein, dass die gewähl­ten Vertreter eines Viertels der Wähler dem Parteiengesetz Folge lei­sten. Mit „Vielfalt, Toleranz und Solidarität“ gegen Wählervotum und Grundsätze des Rechtsstaats demon­strie­ren: Das muss die­se demo­kra­ti­sche Gesellschaft sein.

Die dop­pel­te Flagge der Antifaschistischen Aktion weht seit etwa vier­zig Jahren nach links. Was sagt das über die Marschrichtung aus?

Senfecke:

  1. Der Moment, wenn Du in einer Kneipe stehst, die zugleich auch Spielhölle ist und sich der Erste beschwert, dass er beschis­sen wird.… *thumps up*

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