In den Nachrichten
Armin Laschets blutige Nächstenliebe

Im Jahr 782, so will es die Geschichtss­chrei­bung, erließ Karl der Große, der “Vater Europas” (Quelle: Inter­net), ein Gesetz, das Capit­u­la­tio de part­ibus Sax­o­ni­ae (“Verord­nun­gen über Sach­sen”) hieß und dem Zweck dienen sollte, die jüngst ins Reich eingegliederten Sach­sen zwecks Stärkung dessen, was offen­sichtlich der einzige Kon­sens zwis­chen den schon damals uneini­gen Völk­ern sein sollte, zu chris­tian­isieren:

1. Alle stim­men dem Prinzip der höheren Fälle zu, daß die Kirchen Christi in Sach­sen nicht gerin­gere, son­dern erhe­blich höhere Gel­tung haben sollen als die Götzen­stät­ten. (…)
4. Ster­ben soll, wer die vierzigtägi­gen Fas­ten vor Ostern in Ver­ach­tung des christlichen Glaubens bricht und Fleisch ißt. (…)
8. Ster­ben soll, wer Hei­de bleiben will und unter den Sach­sen sich ver­birgt, um nicht getauft zu wer­den oder es ver­schmäht, zur Taufe zu gehen. (…)
10. Ster­ben soll, wer mit den Hei­den Ränke gegen die Chris­ten schmiedet oder bei ihnen als Feind der Chris­ten aushar­ren will. Und wer ihn dabei gegen König und Chris­ten­heit unter­stützt, soll eben­falls ster­ben.

Obwohl es mir geboten scheint, diese Anek­dote anlässlich wiederkehren­der Diskus­sio­nen über die his­torische Bedeu­tung eines “geein­ten Europas”, wie es gern (und falsch) genan­nt wird, gele­gentlich zu berück­sichti­gen, hat­te ich eigentlich gehofft, Gottesstaaterei sei wenig­stens in der deutschen Tage­spoli­tik aus der Mode gekom­men.

Dann jedoch las ich ein vor ein­er Woche veröf­fentlicht­es Gespräch auf “WELT ONLINE” (will nicht ver­linkt wer­den). In diesem Gespräch wurde Armin Laschet, Mit­glied der eben­falls aus der Mode gekomme­nen CDU und Min­is­ter­präsi­dent Nor­drhein-West­falens, nach seinem Ver­hält­nis zu dem Quatschbe­griff der “europäis­chen Kul­tur” gefragt:

WELT: Europäis­che Kul­tur, was verbinden Sie damit?

Laschet: His­torisch betra­chtet sind es für mich zwei wesentliche Säulen, die bis heute unsere Gesellschaft for­men: Chris­ten­tum und Bil­dung. Das Chris­ten­tum mit seinem über­ge­ord­neten Wert der Näch­sten­liebe. Und auf Bil­dung hat schon Karl der Große in sein­er Aach­en­er Pfalz großen Wert gelegt. (…) Karl der Große dachte nie nation­al­is­tisch, son­dern europäisch. Vielle­icht sollte man bess­er sagen: transna­tion­al.

Im Kon­text ging es wohl um eine Abgren­zung zur AfD, aber ich bin mir nicht ganz sich­er, ob es unbe­d­ingt empfehlenswert ist, als his­torisches Vor­bild im Kampf gegen Nation­al­is­mus und Abgren­zung unbe­d­ingt jeman­den zu wählen, der die Mehrung der Macht der fränkischen Nation auf Kreuz­züge gegen Ander­s­gläu­bige gestützt hat. So oder so: Man sollte sich das ein­mal anschauen.

Insofern soll­ten die Men­schen, die sich jet­zt gerne aufs „christliche Abend­land“ berufen als Argu­ment für Abgren­zung und Nation­al­is­mus, ein­mal einen Blick in den Aach­en­er Dom wer­fen.

Dort kön­nen sie näm­lich ler­nen, wie weit sie damit kom­men: Zu einem eige­nen Dom. :ja:

Aber es soll ja nie­mand sagen, Armin Laschet — hat “eine große Skulp­tur von Karl dem Großen in seinem Büro” — sei revi­sion­is­tisch und/oder ein biss­chen dumm — vielmehr ist ihm Bil­dung, wie er später nochmals betont, sehr wichtig:

Laschet: Ins­ge­samt wollen wir das Geschichts­be­wusst­sein stärken.

Wird wohl Zeit in Nor­drhein-West­falen.

Senfecke:

  1. …grosse Män­ner, grosse Taten.….man muss was tun, um ein gross­es Reich zu schaf­fen.
    .…auch der Führer hat sein Bestes gegeben.…lach..

  2. Tja, die selek­tive Wahrnehmung von judeo-christlichen Tugen­den und das andere auch was auffe Rei­he brin­gen kön­nten und können…ein trau­riges Kapi­tel wie die Test­flüs­sigkeit aus der Monat­shy­giene-Reklame!
    Also mich erin­nert der Laschet immer an den Vater aus “..denn sie wis­sen nicht, was sie tun!”

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