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Zum Tode Keith Flints

Während Deutschland, gerade erst über die geradezu klassisch germanische Pointe hinweg, man möge einen anderen Menschen doch bitte wie eine Kanalratte ersäufen, sich noch über alberne Karnevalswitze aufregt, dreht sich die Musikwelt weiter: Keith Flint, die Figur hinter bekannten Liedern wie dem folgenden, ist jetzt auf eigenen Wunsch auch dahin.

The Prodigy – Firestarter (Official Video)

Nun kann man von solcherlei Musik halten, was man möchte, und auch ich spräche unwahr, behauptete ich, Platten des Herrn seien in meinem Besitz; aus gesellschaftlicher Sicht ist sein Tod aber sicher ein größerer Verlust als vielleicht angenommen wird. Bei „spiked” wird Keith Flint als der „letzte Punk” bezeichnet, was zwar nicht nett gegenüber lebenden Punks, aber doch begründet ist: So provokant einige seiner Texte auch gewesen sein mögen und so absichtlich er Menschen mit einem umgangssprachlichen Stock im Arsch auch auf die Palme gebracht hat – er und seine Band waren keineswegs das Vorbild für Gewalt und Hass, als das „linke Spießer” (Slime, anderes Lied, ähnlicher Kontext) sie darzustellen versuchten.

Wie absurd autoritär es ist, die Worte „Smack My Bitch Up” nicht aussprechen zu wollen, damit kein naiver Pop-Rock-Fan sie als Anleitung begreift und die erste Frau verdrischt, der er begegnet!

(Schlimme Übersetzung von mir.)

Die gemeinhin anerkannten Vorbilder, die mit den guten Ratschlägen, gingen schon zur Neige, bevor The Prodigy am erfolgreichsten waren. Sie eigneten sich als Rebellen aber auch nur, wenn man ihre Mitteilungen aus dem Kontext riss und sich seinen eigenen Götzen aus ihnen schuf. Ihre Botschaft war langweilig: Bleibt im Bett! Lasst euer Haar wachsen! Besorgt euch Personal!

John, Yoko und das System

Ob Keith Flints Vermächtnis, wenn ich es einmal journalistisch ausdrücken darf, Früchte tragen wird, wage ich kaum abzuwarten. Bob Dylans ausgestreckter Mittelfinger wirft zusehends kleinere Schatten. Wenn Schlager jetzt das bleiben, was kommende Generationen bewegen wird, dann wird dieser Tod vielleicht ein Ende gewesen sein, das keinen Neuanfang bedeutete. Was für eine Verschwendung!

They didn’t start the fire. Sie wüssten auch gar nicht, was sie damit anstellen sollten.


Apropos Quatsch: Ihr seid interessiert an homöopathischer „Medizin”? Dann fresst doch Grenze!

Senfecke:

  1. Durch Zufall erfuhr ich, dass bereits im Oktober 2018 ein weiterer begnadeter Musiker mit nur 67 Jahren gestorben ist, der evtl. bei den Lesern hier nicht so populär war: Wah Wah Watson, mit bürgerlichem Namen Melvin Ragin, der Erfinder des Wah-Wah-Pedals. Er gehörte zu der Background-Band vieler Motowns-Records.

    Hier ein Beispiel seiner Virtuosität:
    https://www.youtube.com/watch?v=fSPLUEadGJ8

    Mehr auf wiki.

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