Eine der lustigeren Beschimpfungen, die mir im Laufe meiner Karriere als Internetnutzer bisher so entgegengeschleudert wurden, ist übrigens Manipulator.
Was war passiert? Ich hatte es nach ausführlicher Diskussion mit anderen Autoren gewagt, den von verschiedenen Quellen als tendenziös und den Radikalfeminismus (zur Bedeutung dieses Begriffs bitte Valerie Solanas erforschen) verharmlosenden Wikipediaartikel über Feminismus dergestalt zu ändern, dass er eine klare Trennung zwischen “dem Feminismus” — den es als homogenes Konstrukt nicht gibt — und den verschiedenen sexistischen bis gemäßigten Strömungen desselben vornimmt. In der Folge wurde ich mehrfach, unter anderem auf Twitter, der Manipulation bezichtigt.
Da kennen sie eben keinen Spaß, die Verfechter der neuen Offenheit: Freiheit ist super, aber sie möge nur dem eigenen hehren Zweck dienen. Wer Artikeln in der Wikipedia einen neutralen Anstrich zu verpassen versucht, ist kein Wikipediaautor, sondern ein Manipulator (ach, nein: ein Möchtegern-Manipulator, was dann sogar doppelt Käse ist), als handele es sich um jemanden, der widerrechtlich in die Wikipediadatenbank eingebrochen ist und da unerlaubt herumeditiert hat.
Interessantes Gedankenspiel: Wenn das Editieren von Texten, um deren Bearbeitung ausdrücklich gebeten wird, bereits mit Manipulation gleichgesetzt wird, wie schlimm muss es erst um freie Software bestellt sein? Man steuert in der Welt der freien Software also keinen Code mehr bei, man manipuliert an Software herum. Wer es wagt, Codeänderungen vorzunehmen, die nicht jedem Benutzer des jeweiligen Programms gefallen, ist manipulativ.
Ich schlage zur besseren Trennung zwischen guter und böser Manipulation an dieser Stelle das Wort “wikipulativ” nebst Deklination und Ableitungen vor. Den Vorwurf, wikipulativ zu sein, lasse ich mir zumindest gern gefallen.



Ich mag Wurst.
In der freien Softwarewelt sollte dann von “Saboteuren” die Rede sein. Eine freie Software ist eigentlich eh ein Akt der effektivsten Sabotage…
“Saboteure” klingt nach etwas, was Theo de Raadt äußern würde.
Mann, das haste dir ’n tolles Thema ausgesucht. Das ist sowas, das kannste nach 6 Bier schon nicht mehr ergebnisorientiert diskutieren und du meinst, du müsstest dich damit jetzt anne Wikipedia ranwagen?! Deine Frustration ob der Reaktion kann ich verstehen, aber mir bleibt nur dir grobe Fahrlässigkeit zu unterstellen! Wir sind hier immerhin im Internet. Dennoch sei anzuerkennen, dass ein Blogger mit deinem recht hohen Maß an Ironie und Sarkasmus in seinen Artikeln natürlich eine inhaltliche Grundlage schaffen muss, über die es sich zu schreiben lohnt. Davon bietet sich tatsächlich aber auch ohne eigenes Zutun reichlich im alltäglichen Netzgeschehen…
Ich meine, man hat dich als “Manipulator” betitelt in einem Kommentarreigen, den ich an und für sich als nicht lesenswert betrachten würde. Das in Bezug auf die Bearbeitung eines Artikels zu einem kontroversen Thema auf einer Platform, die man als leicht verfügbare Tertiärquelle missbraucht, und die für ihre sinnentleerten, zeitintensiven Diskussionen bekannt ist. Kann ich nur positiv mitnehmen, dass du mich zu einem eigenen, zugegeben auch recht sinnfreien Kommentar hast hinreissen können, während mir der Gedanke ein “Saboteur” in oben genannter Definition zu sein von Augenblick zu Augenblick besser gefällt.
Darf ich übrigens einen Gastartikel schreiben, wenn ich kommende Woche bewundern darf, wie jemand meine Evaluierung für eine sinnvolle EDV-Neuanschaffung ausgelegt hat? Da kann ich aller Wahrscheinlichkeit eine heitere Zusammenfassung anbieten, wie ein Saboteur sabotiert wurde.
Der Vorwurf des Manipulators scholl mir zuerst in einem Tweet entgegen, leider konnte ich diesen nicht mehr finden.
Gastartikel nur nach Kontextnennung.
Ich denke bei freier Software kann man da noch etwas besser vorbeugen, schließlich gibt es dort Projektleiter und der gleichen, die in eine ganz bestimmte Richtung wollen und will man das nicht, dann forkt man eben. Die Wikipedia soll aber eine Enzyklopädie sein und daher neutral sein, wie du ja schreibst — daher kann man aber auch keine wirklich Verantwortlichen für Artikel festlegen, soll ja alles demokratisch ablaufen (ohne Wikipedia-Interna jetzt näher zu kennen)
Für sowas bräuchte man wohl eine etablierte Gegenplattform à la “abgewiesene Wikipedia-Artikel” oder so — aber ob sich sowas wirklich etablieren könnte …
Gibt es. Hier entlang!