Das mit dem Fußball habe ich, wie angekündigt, euch Lesern, abgesehen von einigen Totalausfällen in Supermärkten und Zeitungen, ja erfolgreich erspart, kein Wort der Berichterstattung erreichte diese Internetpräsenz.
Dass aber die deutsche Mannschaft in einem, wie Zuschauer übereinstimmend berichten, eher mittelmäßigen Spiel das Erreichen des Finales mal wieder nicht hinbekam, ging an mir natürlich ebenso wenig vorüber wie der plötzliche Schwund der schwarz-rot-goldenen Flaggen draußen, denn so richtig stolzer Deutscher darf man eben nur sein, wenn gerade Brüllball läuft, damit man nicht dem völkischen Gedankengut anheimfalle, wobei ein Neonazi, der die schwarz-rot-goldene Flagge der Demokratie anstelle der schwarz-weiß-roten des Kaiserreiches hisst, schon ein bisschen blöde sein muss; sei’s drum.
Allein das plötzliche Desinteresse der Deutschen am Fußballsport ist mir jetzt noch ein paar Zeilen wert, und die überlasse ich Lukas Heinser:
Schlimmer als diese Fans, die es mit ihrer Begeisterung für den Sport dann vielleicht doch ein bisschen übertreiben, sind aber jene Leute, die sich zu internationalen Turnieren in schwarz-rot-goldene Schale werfen und gemeinsam mit der Boulevardpresse darauf hoffen, dass “wir” den Titel holen.
(…) Wer Fußball nur guckt, weil er auf einen Titelgewinn der eigenen Mannschaft hofft, ist kein Fan der Sportart, sondern einfach nur jemand, der sein Verhältnis zu dieser Sportart von einem einzigen Faktor abhängig macht: dem Titel. Mit dieser Einstellung kann man dieser Tage nicht mal mehr Fan des FC Bayern München werden — und selber Sport treiben sowieso nicht.
Ganz Deutschland interessiert sich nicht mehr für uns und unsere Mannschaft. Hat ganz Deutschland vor dem Ausscheiden unserer Mannschaft eigentlich die jüngsten Entwicklungen bezüglich der GEMA-Tarife oder des ESM hinbekommen? Nein? Natürlich nicht, da schießt ja auch niemand ein Tor.
Ganz Deutschland geht es immer noch zu gut.

