Eher zufällig entdeckte ich soeben, dass das Videoportal YouTube nunmehr eine neu gestaltete Startseite mit sich herumträgt, die an prominenter Stelle Empfehlungen ausspricht.
Und diese Empfehlungen amüsieren mich, denn sie haben mit meinen tatsächlichen Präferenzen etwa ebenso viel zu tun wie meine Amazon-Empfehlungen, nachdem ich für meine Schwester blöde Pferdebücher bestellt habe. Elvis-Presley-Videos mit doofen Schlagern gehen als Empfehlungen gerade noch durch, wenn man zuvor nicht ganz so doofe Schlager von EAV hörte, aber den Genuss von Nihiling als Begründung für die Empfehlung “gucken Sie doch mal Lambada” zu verwenden ist doch recht eigenartig. (Ob die Jungs und der Nichtjunge von Nihiling mit einer Klage wegen Rufschädigung wohl Erfolg hätten?)
Empfehlungen können eine wirklich gute Sache sein, wenn sie von jemandem ausgesprochen werden, der den Geschmack des Adressaten nicht nur aus seinem bisherigen “öffentlichen” Konsumverhalten zu folgern weiß, sondern tatsächlich kennt; manchmal, etwa beim CD-Kauf, hat ja selbst Amazon.de lichte Momente.
Aber worauf sich die YouTube-Empfehlungen stützen, würde mich dann doch schon mal interessieren, ist doch YouTube in der Regel vor allem ein Portal, auf das man gelangt, wenn einem entfernte Bekannte und vermeintliche Freunde irgendwelche Links auf es zukommen lassen. “Guck dir das mal an, ist witzig. Mann fällt um.” Mit den tatsächlichen Vorlieben der Besucher hat das indes oft nur wenig zu tun, und den Betreibern von YouTube dürfte das nicht unbekannt sein.
Auf YouTube gibt es bekanntlich nahezu alles zu sehen. Zugeschnittene Empfehlungen aus einem engen Katalog, die auf nur durch Zufall gesammelten — quasi “ausgewürfelten” — Statistiken basieren und so beim Versuch, Nähe zum Konsumenten herzustellen, vollends versagen, dienen da nicht der Orientierung. (Ähnlich sinnvoll erscheint mir auch die Twitter-Funktion “Wem folgen?”, die ich vorhin bei einem anderen Twitternutzer sah; wer etwa dem Big Ben “folgt”, legt auf andere Quatschbots womöglich nur wenig Wert.)
Aber Hauptsache, alles ist schön interaktiv. Fünf Drachmen ins Phrasenschwein.



die frage , wie die das auswählen frage ich mich auch immer wieder.
sowie bei amazon wie auch youtube.
Bei Amazon aufgrund der bisher gekauften Werke, was zumindest aussagekräftiger ist als eine Bewertung aufgrund der bisherigen Betrachtungen, denn Spontankäufe auf Amazon dürften seltener vorkommen als Spontanklicks auf YouTube.
Das Prinzip ist doch ganz ähnlich wie bei Amazon:
“Leute, die Video A gesehen haben, haben oft auch Video B, C oder D gesehen”.
Für Leute, die oft in ihr Googe-/Youtube-Konto eingeloggt sind und viele Videos sehen, lässt sich doch ohne weiteres ein sehr genaues Benutzerprofil erstellen. Es ist doch völlig irrelevant, ob die Videos auf Youtube selbst, eingebunden in andere Websites, vor drei Tagen oder vor drei Monaten gesehen wurden… Google knows! (Meistens). Ob das mit den Empfehlungen dann immer so hinhaut, ist eine andere Frage, aber zumindest an relevanten Daten mangelt es nicht, oder?
Von daher werden solche Vorschläge werden mit der Zeit unter Garantie immer zutreffender werden.
Google ist immerhin der weltweite Experte darin, Inhalte zielgerichtet auf Nutzer zuzuschneiden — ihre Haupteinnahmequelle Adwords lebt davon.
Twitter… naja. Sie geben sich zumindest Mühe
Insofern ist es eigentlich ziemlich beruhigend, dass Google bei mir voll danebenhaut beim Raten.
Durch dich inspiriert sehe ich gerade mal wieder meine Amazon-Empfehlungen durch. Bisheriges Highlight: Man empfiehlt mir Gran Turismo 4 für die PS2 — weil ich ein Fantasy-Buch von Wolfgang Hohlbein besitze.
Ist doch gut, so bekommst du wenigstens mal ein bisschen Abwechslung und verbringst nicht immer nur so viel Zeit mit doofen alten Büchern von doofen alten Leuten. ;-)
Ich hab aber gar keine PS2! Und ausserdem sind meine Auto-Rennspiel-Skills in etwa so ausgeprägt wie deine Liebe zu Frauen.
Das war jetzt allerdings hart.
Hm, warum kaufst du dir dann nicht einfach eine PS2, etwa auf amazon.de, und übst ein wenig?