MusikMusikkritik
Rela­ti­ve Halb­werts­zeit

Betrach­tet man die Musik­ge­schich­te der letz­ten 60 Jah­re, so stellt man schnell einen Zusam­men­hang zwi­schen der „Lebens­dau­er“ einer Musik­grup­pe und ihrem Ein­fluss auf spä­te­re Musi­ker fest. Nicht jedoch bedeu­tet, wie man mei­nen soll­te, eine län­ge­re erste­re auch eine grö­ße­re zwei­te­re, viel­mehr ist das Gegen­teil der Fall.

Neh­men wir das Bei­spiel die Comets, seit 1948 im Geschäft, mit­hin die dienst­äl­te­ste Rock­band: Einst lan­de­ten sie Erfol­ge mit Bill Haley („Rock Around the Clock“), aber hat das nach­hal­tig Ein­druck bei spä­te­ren Künst­lern hin­ter­las­sen? Eben­so die Rol­ling Stones: Seit 1962 mit wech­seln­dem kom­mer­zi­el­lem Erfolg aktiv, als musi­ka­li­sches Vor­bild jedoch nie in grö­ße­rem Maße in Erschei­nung getre­ten. Eine Chan­ce, trotz lan­gen Zusam­men­spiels blei­ben­den Ein­druck zu hin­ter­las­sen, hat man eigent­lich nur, wenn man nach drei oder vier wirk­lich ernst­haf­ten Alben in die Belie­big­keit abdrif­tet, so etwa Yes nach „Going For The One“ und Bob Dylan nach „Blon­de On Blon­de“. (Oder kann einer von euch, lie­be Leser, spon­tan ein Bob-Dylan-Stück aus den 70-ern sum­men? Ich kann es nicht.)

Wie anders dage­gen die Beat­les (1960 bis 1970), The Vel­vet Under­ground (1965 bis 1971) und Gent­le Giant (1970 bis 1980)! Ohne sie kei­ne Oasis, kei­ne Blur, kei­ne High Wheel, kei­ne Flower Kings, kei­ne Strokes, kei­ne The Fall, kei­ne Sonic Youth, kei­ne Bau­haus, nicht zuletzt auch: Kein Gothic Rock und kei­ne Brit­pop-Wel­le. Ob das in jedem Fall ein Ver­lust ist, las­se ich offen, aber auch hier: Paul McCart­ney, Rin­go Starr, Ker­ry Min­ne­ar, Lou Reed, Mau­re­en Tucker und John Cale sind alle­samt seit dem Ende ihrer jewei­li­gen Stamm­band solo aktiv, wen jedoch haben sie selbst musi­ka­lisch beein­flusst?

Schnell leben, jung ster­ben als For­mel für unsterb­li­chen Ruhm. Was ver­gäng­lich ist, bleibt.
Musi­ka­li­sche Vor­bil­der als Sta­tus­sym­bol.

Und so heißt das neue kom­men­de Ding der­zeit anschei­nend Arca­de Fire, seit acht Jah­ren exi­stent und an jeden­falls mir bis­lang spur­los vor­bei­gerauscht. Ein­flüs­se: The Beach Boys (immer­hin 1961 gegrün­det), anson­sten der übli­che ver­qua­ste Main­stream. R.E.M., Joy Divi­si­on, Bruce Springsteen. Eine Band, die der Welt also mal so gar nichts mit­zu­tei­len hat. Gut zu wis­sen – spart Geld.