Nerdkrams
Exif- und IPTC-Tags sta­pel­wei­se löschen

Ihr kennt das viel­leicht: Ihr geht mit eurer Digi­tal­ka­me­ra durch eure Umwelt, macht Fotos und publi­ziert sie womög­lich gar, und Mona­te spä­ter fällt euch auf, dass eure Kame­ra Meta-Tags in den Bil­dern hin­ter­las­sen hat, was die Datei­en unnö­tig auf­bläst und oben­drein beredt Aus­kunft über euer equip­ment erteilt. Meist habt ihr die Bild­da­tei­en nicht ein­mal mehr auf der Fest­plat­te, müss­tet sie also erst wie­der her­un­ter­la­den, um die Tags ent­fer­nen zu können.

Nun könn­te man die­sem Pro­blem natür­lich mit spe­zi­el­len Anwen­dun­gen wie etwa dem in der kosten­lo­sen Ver­si­on nicht sta­pel­fä­hi­gen Exif Tag Remo­ver oder den übli­chen Hilfs­pro­gram­men (einem FTP-Cli­ent zum Run­ter- und Hoch­la­den eurer Datei­en und einem skript­fä­hi­gen Gra­fik­pro­gramm wie etwa dem gleich­falls nicht all­zu preis­wer­ten Ado­be Pho­to­shop) zu Lei­be rücken, aber ich neh­me an, ihr als mei­ne Leser erwar­tet fle­xi­ble­re und vor allem kosten­lo­se Alter­na­ti­ven, die sich wun­der­bar in der Kon­so­le und somit etwa auch in Batch-Skrip­ten nut­zen las­sen. Die fol­gen­den Schrit­te sind unter Win­dows, Mac OS X und Linux glei­cher­ma­ßen durch­zu­füh­ren, die ver­wen­de­te Soft­ware läuft über­all dort. Ich erklä­re es mal im fol­gen­den Bei­spiel nur für Micro­soft Win­dows, da die mei­sten mei­ner Besu­cher die­ses Betriebs­sy­stem ver­wen­den; die Vor­ge­hens­wei­se unter den ande­ren Betriebs­sy­ste­men ist aber weit­ge­hend identisch.

Zunächst soll­tet ihr den NcFTP-Cli­ent instal­lie­ren, ein Kon­so­len-FTP-Pro­gramm, das weit mehr Mög­lich­kei­ten bie­tet als der jeweils betriebs­sy­stem­ei­ge­ne ftp-Befehl. Dar­auf kom­me ich noch zu spre­chen. Außer­dem braucht ihr das Exif­Tool; ich emp­feh­le die vor­kom­pi­lier­te Ver­si­on, sofern ihr nicht Linux nutzt oder euch mit Perl aus­kennt (in die­sem Fall soll­tet ihr statt die­sem Bei­trag zunächst die Doku­men­ta­ti­on kon­sul­tie­ren), unter Win­dows also das im .zip-Archiv ent­hal­te­ne Pro­gramm exiftool(-k).exe, das ihr belie­big umbe­nen­nen könnt. Spei­chert es am besten im NcFTP-Ver­zeich­nis, das spart spä­ter ein wenig Tipparbeit.

Ist alles so weit ein­ge­rich­tet, kann die Arbeit begin­nen. Öff­net ein Kon­so­len­fen­ster mit der Tasten­kom­bi­na­ti­on Windowstaste+R und der Ein­ga­be cmd. Ein schwar­zes Fen­ster mit einem Ein­ga­be­cur­sor soll­te geöff­net wer­den. Wech­selt dort nun in euer NcFTP-Ver­zeich­nis und legt ein Unter­ver­zeich­nis an, in dem ihr die Bild­da­tei­en zur Ver­ar­bei­tung zwi­schen­spei­chern könnt, zum Bei­spiel so:

cd „C:\Program Files\NcFTP“
md ablage

Jetzt könnt ihr mit­tels NcFTP zunächst die zu ändern­den Bild­da­tei­en auf euren Rech­ner (in das neu erstell­te Ver­zeich­nis „abla­ge“) kopie­ren, am besten also gleich euer gesam­tes Bil­der­ar­chiv. NcFTP besteht im Wesent­li­chen aus den bei­den Pro­gram­men NcFTPGet (her­un­ter­la­den) und NcFTP­Put (hoch­la­den). Zunächst wird erste­res benö­tigt. Die Syn­tax für das Kopie­ren von Ver­zeich­nis­sen vom FTP-Ser­ver auf eure Fest­plat­te lautet:

ncftpget ‑R ‑u Benut­zer­na­me ‑p Pass­wort FTP-Ser­ver Ziel­ord­ner Quellordner

Ange­nom­men, eure Bil­der lie­gen auf dem FTP-Ser­ver meinServer.de unter /​archiv/​bilder/​ und des­sen Unter­ord­nern, sähe der zu ver­wen­den­de Befehl also wie folgt aus:

ncftpget ‑R ‑u Benut­zer­na­me ‑p Pass­wort meinServer.de ./​ablage /​archiv/​bilder

Eine voll­stän­di­ge Para­me­ter­li­ste erhal­tet ihr übri­gens mit dem Para­me­ter -help hin­ter dem Pro­gramm­na­men. Die Ein­ga­be obi­gen Befehls jeden­falls soll­te das Ver­zeich­nis bil­der mit­samt allen Unter­ord­nern und Datei­en in …\NcFTP\ablage kopieren.

Lagen eure Bild­da­tei­en ohne­hin noch auf eurer Fest­plat­te, so beginnt der Bei­trag hier für euch. ;-)

In die­sem Bil­der­ver­zeich­nis nun könnt ihr mit­hil­fe des Exif­Tools auto­ma­ti­siert alle Exif- und son­sti­gen Tags ent­fer­nen. Die Syn­tax lautet:

exiftool(-k) Para­me­ter Dateien

Um also rekur­siv (-R) alle Infor­ma­ti­ons­tags (-0:all) im Ver­zeich­nis abla­ge zu löschen (=), muss der Befehl wie folgt lauten:

exiftool(-k) ‑R ‑0:all= ablage

Das Exif­Tool unter­stützt hier­bei übri­gens neben .jpg‑, .png- und .gif-Datei­en auch ver­schie­de­ne Office-Doku­men­te und Audio-/Vi­deo­for­ma­te, aus denen es mit dem Befehl auch die Copy­right­in­for­ma­tio­nen ent­fernt, wenn ihr die Anga­be 0: weg­lasst oder durch 1: ersetzt. Nach erfolg­ter Ver­ar­bei­tung soll­te das Exif­Tool eine Sta­tus­mel­dung aus­ge­ben, die etwa so aussieht:

12 direc­to­ries scanned
 3 image files updated
 2 image files unchanged
 1 files weren’t updated due to errors

Even­tu­el­le „Feh­ler“ könnt ihr hier igno­rie­ren. Von allen geän­der­ten Datei­en legt das Exif­Tool vor der Ände­rung eine Kopie an, so dass ihr gege­be­nen­falls kei­nen Daten­ver­lust zu befürch­ten habt. Sind alle Datei­en unver­sehrt, könnt ihr die­se Sicher­heits­ko­pien gefahr­los löschen.

Ist alles zu eurer Zufrie­den­heit ver­lau­fen, so könnt ihr die berei­nig­ten Datei­en wie­der hochladen:

cd abla­ge
..\ncftp­put ‑R ‑u Benut­zer­na­me ‑p Pass­wort meinServer.de /​archiv/​bilder/​ .

Fer­tig!
Wenn ihr wollt, könnt ihr jetzt alles wie­der löschen. Aber viel­leicht wollt ihr auch noch ein wenig damit spielen?

In die­sem Fall: Viel Spaß!

Senfecke:

  1. Ein wirk­lich inter­es­san­ter Arti­kel. Scha­de, dass ich dieses
    Wochen­en­de kei­ne Zeit habe. Ich habe ihn auf Wie­der­vor­la­ge gelegt
    (die­ser Juri­sten­kram hat sich im Hirn fest­ge­krallt, verdammt!)

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