Dass ich das Betriebssystem FreeBSD sehr schätze, ist für regelmäßige Leser meiner Texte ja kein Geheimnis mehr. Ein Blick über den Tellerrand bleibt dennoch erhellend.
Vor einer Weile erstand ich ein günstiges ThinkPad T60. Meine anderswo kurz geschilderte Leidensgeschichte beim Versuch, verschiedene BSDs darauf zu testen, möchte ich hier gar nicht en detail reproduzieren, sondern das Augenmerk auf eine ganz andere Frage lenken: Wie lässt sich ein “uralter” 32-Bit-Laptop optimal nutzen?
Der Standardansatz: Irgendein “leichtes” Linux, zum Beispiel antiX oder Puppy Linux. Kann man machen, ist aber vielleicht nicht die beste aller Ideen; gerade auf Laptops sind “Ruhezustand” und WLAN-Unterstützung, beides Schwachstellen vieler Linuxdistributionen, gelegentlich Glückssache.
Auftritt OpenBSD, eines der “kleinen” BSDs. OpenBSD wurde nach einem Zerwürfnis von Theo de Raadt, einem der Gründer des NetBSD-Projekts, mit anderen Mitgliedern desselben im Jahr 1995 abgespalten und hat seitdem zum Ziel, ein System zu sein, das sicher und korrekt ist, also Sicherheit vor Geschwindigkeit und Einfachheit vor Featuritis stellt. Dass man einem “alten” ThinkPad mit PC-BSD (dessen 32-Bit-Variante ohnehin mit Version 9.2 offiziell eingestellt wurde) oder sonstigen großen Systemen wahrscheinlich gar nicht erst zu Leibe zu rücken versuchen sollte, versteht sich wahrscheinlich von selbst; aber warum nicht mal was Anderes ausprobieren?
Das Installationsmedium der aktuellen “CURRENT”-Version von OpenBSD — also sozusagen das ständig in der Entwicklung befindliche Rolling Release mit regelmäßig aktualisierten Paketen, womöglich aber auch gelegentlichen tiefgreifenden Änderungen — ist weniger als 250 MiB groß, Installation und Aktualisierung des kompletten Systems gehen denkbar einfach vonstatten. Die Grafikkarte (ATI X1300) wird (mit dem bereits vorhandenen radeon-Treiber) automatisch erkannt, was in der letzten “stabilen” Version 5.4 noch nicht der Fall war, der WLAN-Adapter aber nicht: ifconfig wpi0 up zeigt fehlende Firmware. Die wpi-Firmware für OpenBSD 5.5 gibt es hier und sie muss irgendwie auf den Laptop kommen. Eine herumliegende beschreibbare CD hat in meinem Fall ihren Zweck erfüllt, wofür sonst braucht man heutzutage noch solche Medien? (Geschickte Leser, denen es doch etwas seltsam vorkommt, eine etwa 64 KiB große Datei auf einen gesonderten viel größeren Rohling zu schreiben, können die Firmware auch gemeinsam mit dem Image auf die CD brennen und sparen so gegebenenfalls auch etwas Zeit.)
Den WLAN-Adaptertreiber installiert man als root von der CD dann folgendermaßen:
mkdir -p /mnt/cdrom mount /dev/cd0a /mnt/cdrom cd /mnt/cdrom ; cp wpi-*.tgz /root/ ; umount /mnt/cdrom cd /root pkg_add wpi-firmware-3.2p1.tgz ; rm wpi-*.tgz ifconfig wpi0 up
Sofern der ifconfig-Befehl ohne Fehlermeldung funktionierte, ist das WLAN nun einsatzbereit. (Überhaupt spielt OpenBSD seine Stärken gerade in der mobilen Nutzung aus: Auf dem ThinkPad T60 konnte ich hier ein deutlich stabileres WLAN nutzen als unter einem testweise installierten FreeBSD 10.0, auch ACPI — also der Ruhezustand — funktioniert anscheinend problemlos.)
Nun — nach der ersten Anmeldung — strahlt uns ein eher schlichter Desktop an:
Vorhanden ist ein Basissystem mit allerlei POSIX-Werkzeugen und manchem Serverdienst, aber sicherlich wollen wir ja noch mehr Dinge mit dem Laptop tun, zum Beispiel im Internet rumsurfen. Dafür wäre eine Paketverwaltung hilfreich. Zwar ließe sich auch NetBSDs pkgsrc nutzen, aber einem nicht mehr allzu aktuellen Prozessor regelmäßiges Kompilieren anzutun wäre womöglich bei der Arbeit eher hinderlich. Empfohlen wird unter OpenBSD ohnehin die Verwendung von Binärpaketen.
OpenBSD verzichtet auch hier auf Experimente und setzt auf das bewährte pkg_add. Die Pakete des “CURRENT”-Zweigs sind dabei durchaus ziemlich aktuell. Zuerst mal sollte allerdings dafür gesorgt werden, dass der Standardbenutzer überhaupt administrative Dinge tun kann, wofür ihn root in die Gruppe “wheel” (für su) schieben und/oder in die sudoers-Datei eintragen (für sudo) sollte. Nach einer Neuanmeldung sind alle nötigen Rechte vorhanden.
Anders als andere BSDs und viele Linuxdistributionen kennt OpenBSD kein “Standardverzeichnis” für Binärpakete, der Benutzer darf es sich also nicht nur selbst aussuchen, sondern muss es sogar. Empfehlenswert ist natürlich eines, das nicht allzu weit entfernt ist, zum Beispiel in Europa. Um es dauerhaft einzustellen, sollte mit einem Texteditor — etwa vi — die Datei ~/.profile geöffnet und folgende Ergänzung vorgenommen werden:
export PKG_PATH=ftp://ftp.eu.openbsd.org/pub/OpenBSD/snapshots/packages/i386/
Diese Zeile könnte anschließend auch noch einmal direkt in der Konsole (oder in einem xterm) eingegeben werden, damit pkg_add auch ohne eine weitere Neuanmeldung sofort funktioniert. Was nun?
Nun, zunächst wäre ein hübscherer Desktop durchaus sehenswert. (Das gilt natürlich nur, wenn euch der eingestellte fvwm nicht gefällt.) Da der Minimalismus von OpenBSD schon hardwarebedingt nicht allzu sehr pervertiert werden sollte, bietet sich statt KDE, GNOME oder einem anderen “vollwertigen” Desktop ein einfacher Fenstermanager an. Dieser sollte Bildschirmplatz — die mir zur Verfügung stehende Ausführung des T60 beherrscht Auflösungen von bis zu 1024x768 — nicht verschwenden, gleichzeitig aber funktional und komfortabel sein. Geht nicht? Geht doch, zum Beispiel mit awesome (ich hatte es hier bereits beworben).
Nach der Installation (pkg_add awesome) lässt sich OpenBSD auch so konfigurieren, dass es awesome direkt nach der Anmeldung startet. Dafür genügt der Eintrag awesome in der Datei ~/.xsession des jeweiligen Benutzers. — Eigentlich könnten alle folgenden Schritte nun bereits aus awesome heraus vorgenommen werden. “Mod4+R” öffnet in der awesome-Leiste ein “Ausführen”-Feld, “Mod4+Eingabe” ein neues xterm-Fenster (der hierfür verwendete Terminalemulator lässt sich in der Konfigurationsdatei ~/.config/awesome/rc.lua einstellen). “Mod4” ist meist die “Windowstaste”.
Um den “leichtgewichtigen” Desktop zu komplettieren, fehlen jetzt natürlich noch Anwendungsprogramme. Man könnte für E‑Mail, Usenet, IRC, Twitter und so weiter nun komplett auf Emacs setzen, für jedenfalls einzelne Mailkonten ist aber auch Mutt einen Blick wert. Vor allem aber fehlt noch ein Webbrowser. Unter OpenBSD gibt es außer den “großen” Browsern wie Firefox mit xombrero (ehemals “xxxterm”), Dillo und dem ursprünglich für RISC OS entwickelten NetSurf drei großartige Alternativen. Während xombrero auf das aufgeblähte WebKit und eine Vim-ähnliche Bedienung setzt und Dillos Kern so minimalistisch ist, dass auch grundlegende Unterstützung für CSS und JavaScript keine hohe Priorität besitzt, ist NetSurf eine durchaus brauchbare Software, die im täglichen Gebrauch nur selten den Griff zum Firefox nötig macht. NetSurf setzt auf eine eigene engine, die recht wenig RAM belegt.
Was fehlt zur Perfektion? Richtig: Dropbox. Dropbox für BSD-Systeme wurde schon vor Jahren für möglicherweise umsetzenswert befunden, bei dem Befund blieb es allerdings auch bis heute. Zum Glück stellt Dropbox eine Schnittstelle bereit, die sich zur Umgehung dieses Makels eignet.
Auf GitHub steht ein Skript zur Verfügung, das diese Schnittstelle nutzt, um die fehlenden Funktionen umzusetzen. OpenBSD benötigt dafür nur git, curl und die bash (allesamt per pkg_add verfügbar), anschließend ist das Skript herunterlad- und sofort einsetzbar:
cd ~ git clone https://github.com/andreafabrizi/Dropbox-Uploader.git chmod a+x ~/Dropbox-Uploader/*.sh
Auf der GitHub-Seite zum Skript sind die erstmalige Einrichtung (der Zugriff auf Dropbox muss natürlich erst über die Website zugelassen werden) und die Optionen erklärt, auch die Installation als Cronjob (da kein “Wächterprogramm” wie beim offiziellen Dropbox-Client verfügbar ist) wird kurz erläutert; so lässt sich ein lokales “Dropbox”-Verzeichnis wie unter anderen Betriebssystemen pflegen. Ich empfehle, jedenfalls beim Cronjob für’s Hoch- und Herunterladen zusätzlich die Option -s (für inkrementelle Änderungen) anzugeben.
Der fertige OpenBSD-Desktop — mit awesome, ein paar kleinen Anpassungen und einem selbstgestrickten Hintergrundbild — sieht übrigens so aus:
Die Systemlast — wie man sieht — ist ein Witz. Alles ist per Tastenkürzel zugänglich und automatisierbar, der “Desktop” wird optimal ausgenutzt und verschwendet weder Platz noch Ressourcen.
Es muss ja nicht immer Multimedia sein.



Ich mag Wurst.
Also, ich hab hier ja noch einen richtig alten Laptop (233 MHz, 64 MB RAM oder so) rumliegen, vielleicht ist die Hardware noch schwächer. Da wäre OpenBSD sicherlich eine Option. Macht der vorinstallierte Serverkram denn viel aus, und lässt sich dieser mit vertretbarem Aufwand entfernen (nicht, dass die Konfiguration ewig viel länger dauert als einem Linux das Standby und meinen Wlan-Stick beizubringen)?
Statt Dropbox kann ich noch als Alternative copy.com empfehlen. Copy bietet einen Kommandozeilenclient an, und etwas mit Klickibunti. Offiziell natürlich nur für Linux, aber ich sehe nichts, was gegen die Nutzung unter *BSD sprechen würde.
Ein einzelnes Standard-Repo haben meines Wissens nach auch nur noch ganz kleine Linux-Distributionen und die Wallbuntu-Armada. Alle großen Distributionen erfordern es mittlerweile auch, eine Auswahl des Repos zu treffen, z.B. Arch, Ubuntu, Debian… ;-)
Der vorinstallierte Serverkram (im Wesentlichen sshd und früher Apache 1.3, seit ein paar Tagen das enorm leichtgewichtige nginx) macht nicht viel aus, es wird ja nicht mal standardmäßig mitgestartet, wenn du das nicht willst. Nein, es ist Teil des Kerns, “entfernen” würde ich es an deiner Stelle nicht; ist halt nur ein Eintrag in der Startdatei mehr oder weniger.
Ich nutze seit Jahren Dropbox und lasse gelegentlich auch mal einen ownCloud-Server laufen (zum Beispiel gerade), aber vom Hocker haut mich das nicht.
Ubuntu hat kein Standardrepository mehr? Wollen die etwa professionell werden?
Es gibt schon ein Repository auf ubuntu.com, aber schon bei der Installation (ob textbasiert oder über die normale Live-DVD) wird man nach dem Land gefragt. Dabei wird dann einer der Mirror wie de.blabla.ubuntu.com (kenne die genaue Domain nicht), ch.blabla…usw. ausgewählt. Ich glaube aber, zumindest Ubuntu leitet dabei intern an irgendeinen Server dieses Landes weiter. Quasi wie die Mirrorlist von Arch nach Ländern aufgeteilt und unsichtbar. Ich persönlich wähle lieber den Server selber aus, Debian z.B. macht es so.
Also so ganz gut läuft es bei Ubuntu noch nicht, die investieren ihre ganze Power ja auch in Ubuntu Phone. Sollte langsam mal was werden, sonst werden aus den Ubuntu-Pros Debian-Pros und die Linux-“Fach“magazine verticken dann wieder Debian und OpenSUSE auf Live-DVD
.
Die Frage nach dem Land und anschließende “automatische” Auswahl ist immer noch ziemlich komfortabel. Unter OpenBSD ist das immer noch Handarbeit (was ja durchaus Vorteile haben kann).
Ubuntu Phone? Da fällt mir nur eine Frage ein: Wofür?
Naja, ein System, bei dem man die Paketquellen und eigentlich wirklich *alles* am System verändern kann (wobei Ubuntu manches natürlich unnötig komplizierter gestaltet) ist noch eine ganz andere Kategorie als Android, wo man teilweise Sicherheitslücken ausnutzen muss, um als Besitzer des Gerätes überhaupt irgendetwas wie sudo zu haben.
Ubuntu Phone wird halt ein richtiges Linux mit einer smartphonefreundlichen Oberfläche. Frag mal in den Maemo- und Meego-Foren, wozu das gut ist ;-) Ich vermisse unter Android die Freiheit von meinem alten Nokia N9, und Maemo (N900) war noch viel offener. Ubuntu Phone sollte in dieser Hinsicht beide Systeme schlagen.
Android (AOSP) ist wohl kaum weniger offen als Ubuntu mit seinem proprietären Firlefanz.
ich hatte recht lange Zeit aufm x60 ein Mint laufen, was flüssig lief.
Da ich mit dem Rechner länger nicht mehr arbeite, hab ich den zum Spielzeug umfunktioniert und spasseshalber ein kfreebsd draufgetan.
Siehe da: ich bekomme kein Wlan zu laufen. Nun liegt er wieder seit paar Wochen in der Ecke, mal schauen, wannn mir wieder langweilig is…
WLAN und FreeBSD ist eine böse Kombination. Zwar importiert das FreeBSD-Team häufiger neue Treiber aus Linux (zuletzt sehr viele mit 10.0), aber manches ist eben auch nicht “besser” als dort. — Ja, Mint ist vorbildlich in puncto Treiber, fast wie PC-BSD und — zugegeben — Ubuntu. WLAN-Treiber sind aber auch dort Glückssache.
TL;DR
Hä?
TL;DR
Aber hast eine gute Wahl getroffen mit so einem alten TP. Wird sicher noch eine ganze Weile funktionieren.
Auf meinem T61 tuts Debian seit langer Zeit sehr gut.
Das T61 war leider schon weg.
Was haste denn eigentlich für eien Grafikeinheit drin?
’ne alte ATI X1300, läuft mit Radeon-Treiber halt ziemlich prächtig. (3D-Beschleunigung habe ich nicht getestet, aber das Ding soll schnell sein und nicht bunt.)
Ich hab’ die Information mal reingeschrieben, war missverständlich formuliert.