Einer der Vorteile des freien Webs ist ja das mit den Werbeblockern; niemand kann einem Benutzer vorschreiben, welche Teile seiner Website er gefälligst anzuzeigen hat. Jahrelang beliebt war etwa Adblock Plus, eine Browsererweiterung für Gecko- und Webkit-basierte Browser, mithilfe derer die mitunter allzu nervige Werbung auf einigen Webseiten quasi automatisch verschwand. (Wer nicht unbedingt quelloffene Software benötigt und Windows einsetzt, der sollte sich einmal Adguard und Ad Muncher ansehen, die unabhängig vom eingesetzten Browser funktionieren.) Mittlerweile wird Adblock Edge empfohlen, denn die Macher von Adblock Plus haben augenscheinlich unter dem Vorwand der Fairness einige unsaubere Geschäftspraktiken durchgesetzt. Auch in der Open-Source-Szene scheint das mit dem Gemeinschaftsdenken und dem freien Füreinander gelegentlich nicht mehr als ein Feigenblatt zu sein. — Aber ich schweife ab.
Nachdem vor einiger Zeit seitens mancher deutschsprachigen Nachrichtenseite (das waren die mit dem Leistungsschmutzrecht) eine ziemlich umfangreiche “Bitte stellt euren Werbeblocker ab!”-Kampagne gelaufen war, beginnen die Medien, deren nervtötendem Geflenne diesbezüglich wahrscheinlich so mancher Internetnutzer nachgekommen ist, sich wieder den Ursachen, nicht mehr nur den Symptomen der Werbeblockerei zuzuwenden: Werbung nervt meist. Es gibt unaufdringliche Werbung, gegen die niemand was hat; aber grellbunte, animierte, womöglich trötende oder sonstwie klingende Werbung ist überflüssig wie sonst nur SPIEGEL ONLINE.
Das hat auch t3n erkannt. t3n (wohl “ten”, nicht “tdrein”, ist gemeint; na ja, mit drei oder vier Jahren hab’ ich so manchen Buchstaben auch noch nicht richtigherum geschrieben) ist ein vorgebliches Technikmagazin, das es in einer Druck- und einer Webfassung gibt. Die Webpräsenz ist mit dem Motto des Magazins, “we love technology”, überschrieben; laut Twitter ist man gar ein Magazin für (…) Webentwicklung. Der bloße Aufruf der Website überzeugt mich allerdings — Firefox’ wortreicher Fehlerkonsole sei’s gedankt — bereits von einem etwas merkwürdigen Verständnis von Liebe und Webzeug:
In einem aktuellen Artikel (“So deaktivierst du alle Werbung auf YouTube”) erklärt t3n-Autor Sébastien Bonset, wie man zum Beispiel die grässlich blinkbunte Werbung vor YouTube-Videos loswird:
Es gibt unterschiedliche Möglichkeiten, sich der Werbung auch auf YouTube zu entledigen. Werbeblocker sind dabei wohl das bekannteste Mittel.
Der Artikel geht im Folgenden etwas näher auf einen aktuellen und womöglich nur befristeten Test seitens Googles ein, der es ermöglicht, auf YouTube die Werbung per Cookie zu entfernen. t3n scheint also durchaus ebenfalls der Ansicht zu sein, dass animierte Werbung eher störend ist und vom Besucher einer Website nicht geduldet werden muss.
Nun, wenn ich t3n.de ohne Werbe- und sonstige Blockierwerkzeuge besuche, blinkt mir zunächst mal ein großer Flashbanner entgegen. (Flash ist dieses ständig kaputte Browserplugin, das dafür sorgt, dass Werbebanner auch Töne abspielen können. Nützlich, nicht?) Jedoch gibt es unterschiedliche Möglichkeiten, sich der Werbung auch auf t3n.de zu entledigen. Das mag t3n.de aber nicht:
Werbung auf diesen Seiten wird überwiegend pro Einblendung bezahlt und diese Einnahmen ermöglichen uns, dir die Inhalte von t3n.de kostenlos anzubieten. Wenn dir t3n.de gefällt und Du unsere Arbeit gern unterstützen möchtest, deaktiviere doch bitte den AdBlocker auf unseren Seiten.
Das könnte natürlich erklären, warum man beim Magazin für Webentwicklung nicht darauf eingestellt ist, dass nicht jeder Besucher den Blinkquatsch ertragen möchte:
Interessanterweise läuft t3n.de übrigens unter GNU/Linux, einem Betriebssystem, das überwiegend (mit Ausnahme Dummbuntus) kostenlos und werbefrei angeboten wird, obwohl viele Freiwillige eine Menge Zeit (und Geld) hineininvestieren, ohne dafür regelmäßiges Gehalt abgreifen zu können:
# nmap ‑v ‑A t3n.de
(…)
OS details: Linux 2.6.32 — 2.6.33
Dass auf eurer mobilen Seite, auf der mich keinerlei Werbung anbrüllt, besagter Artikel im Gegensatz zur Desktopversion nicht in den “Top-Artikeln” zu finden ist, verwundert mich nur bedingt. Ich danke jedoch für die Formulierung in eurem Werbeblockeranprangerungstext, denn so gesehen habe ich gar kein Interesse daran, dass eure “Arbeit” finanzierbar bleibt. Ich nehme an, ihr versteht das.
“Herrje!”
– Winnie Puuh
(teilweise via Alarmknopf)





Eine Alternative für alle gängigen Betriebssysteme wären auch Polipo bzw. Vidalia. Als Proxy können beide Werbung filtern (einer von beiden kann die Adblock-Plus-Listen nutzen, glaube Polipo.…). Man kann sich beide Proxys auch auf einem NAS oder Router installieren und kann so diese für alle Geräte im Heimnetz und auch für Notebooks und Smartphones unterwegs nutzen.
Wegen dem Flash-Problem: Ist nicht Click-to-run üblicherweise default? Müsste doch eigentlich auch bei Werbung wirken, dann hat man halt einen grauen Kasten auf der Webseite. Bei meinem FF ist es aktiv, kann mich nicht erinnern, es bewusst aktiviert zu haben.
Alternative Proxylösungen existieren, erfordern jedoch oft händische Nacharbeit (etwa in den Proxyeinstellungen der Browser). Leider fehlt mir da zzt. der Überblick, insofern danke ich für die Ergänzung.
Ich hab auch kein Flashproblem, ich meide es bestmöglich ..
Du kannst den Proxy auch einfach in den Einstellungen deines Betriebssystems einstellen, dann sollten die meisten Anwendungen darauf zugreifen. Wenn du es auf einem Router installierst, kannst du auch einfach den gesamten Traffic des Netzes da durchleiten, ist aber recht kompliziert einzurichten.
Wenn du Flash nicht nutzen möchtest, aber dich nciht zur Deinstallation überwinden kannst, nutz Gnash oder Lightspark. Damit funktioniert Youtube und ein bisschen Video/Galery-Kram, aber schon mit blinkender Werbung sind beide zum Glück überfordert. Und man hat wieder was, worüber man nen ordentlichen Mecker-Post schreiben kann!
Das gibts aber nicht für Mac glaube ich…falls du das überhaupt einsetzt.
Gibt es für Linux/BSD auch transparente Proxys wie Ad Muncher, die ohne Extrakonfiguration laufen? Schwer sollte das nicht sein.
Ein Betriebssystem beherrscht meines Wissens keine “globalen Proxyeinstellungen”, auch unter Windows gilt das nur für Programme, die den IE benutzen.
Gnash/Lightspark laufen leider nicht sauber unter Windows — diese Malware Mac kommt mir nicht ins Haus.
Glaube nicht…regeln das unter Linux und BSD nicht sogar die DEs unterschiedlich? Ich meine aber, dass ich unter Ubuntu mal irgendwas systemweit mit Proxys einstellen konnte…weiß aber nicht mehr genau, ich nutze aktuell Debian ohne X, da bin ich im Moment schon genug damit beschäftigt, tmux zu kapieren.
Wenn man mit der Shell umgehen kann, ist die einfachste Lösung wohl, das ganze im Router zu installieren. Für openWRT gibt es da ewig lange Tuts, da kann man sich bei schlechtem Wetter mal durchquählen und gut ist. Eine einfachere Lösung kenne ich leider nicht. Ist aber ein gutes Beispiel für die Nachteile der Linux/BSD-Welt gegenüber Windows.
Auch unter Ubuntu würde das bedingen, dass jede Anwendung sich daran hält und sich nicht direkt mit dem Systemstack unterhält. P2P-Software zum Beispiel dürfte so nicht funktionieren, schon wegen der Ports. (tmux? screen reicht doch meist.)
BSD hat weniger Nachteile als Linux, aber dass Windows ein wahres Eldorado an Software bietet, ist schon auffällig, ja. Klar, ich könnte einfach meinen Router (Fritz!OS, meines Wissens Debian-basiertes System…?) hacken, aber da spare ich mir lieber die Mühe und starte den Ad Muncher.
Ein Winnie Puuh Zitat? Was zum…
Würde ich nicht angebräunt gerade an der Nordsee sitzen und ein WLan Hotspot anzapfen wäre ich empört. Zurecht.
Zitate wenn dann nur von nem Esel mit nem abnehmbaren Schwanz
Guten Morgen. falls es ein guter Morgen ist. was ich bezweifle.
– I‑Aah
Du brauner Zapfen.
Wieso hat BSD weniger Nachteile als Linux? Auf meinem Notebook konnte ich bisher kein BSD-basiertes System booten…egal welches Live-Medium, egal auf welche Art ich es erstellt habe, egal ob CD/DVD oder USB-Stick. Für mich schon mal ein großer Nachteil…ich habe gerne Betriebssysteme, die sich nicht nur in einem Virtualbox-Fenster benutzen lassen.
Weniger Malware, stabilere Systembasis (da alles aus einer Hand kommt und nicht zusammengeschustert ist).
Welche Malware denn?
Oder meist du die Amazon-Shopping-Linse? Das installieren sich die User ja freiwillig, wenn sie Ubuntu wählen. Wer ein Betriebssystem wählt, ohne sich darüber zu informieren, ist wohl selber seine eigene Malware.
Echt? Hat der Benutzer bei der Installation da eine Auswahlmöglichkeit?
Und ja, hätte ich, hab ich aber nicht. Hör auf zu jammern.
Das Dummbuntu hättest du dir auch einfach sparen können.
Bei der Alternate-CD oder wie die heißt kann man im Experten-Modus installieren, da sollte man eine manuelle Paketauswahl haben. Ansonsten natürlich die Wahl, alternativ Xubuntu, Lubuntu etc. zu nehmen. Das meine ich mit informieren. Wer einfach die Standard-ISO nimmt, weil die Computerbild es gesagt hat, muss damit leben, keine Entscheidungsmacht über die installierten Pakete zu haben.
Angesichts der Shopping Lens finde ich Dummbuntu ziemlich treffend — dumm, wer sich blind Software installiert, ohne sich zu informieren. Und dumm, neue “Features” (Mir, Amazon usw.) mehr oder weniger von jetzt auf gleich ins System einzubauen bzw. es ein, zwei Versionen später fest einzubauen — ohne Diskussion mit der Community, wie es im FOSS-Bereich üblich ist (bzw. sein sollte).
Ach so, unter Umständen (und wenn man sich der Existenz einer bewusst nicht allzu rege beworbenen Alternativ-CD bewusst ist) ist man in der Lage, Dummbuntu so einzurichten, dass es seine Benutzer nicht mit Anlauf in den Arsch tritt? Klasse! (Das Problem, dass so’n Dummbuntu-Update mit schönster Regelmäßigkeit diverse Serverdienste ins Nirvana befördert, behebt die Alternativversion aber auch nicht, oder?)
Ich bin ja tolerant gegenüber schlechter Software, aber zu Dummbuntu fällt mir beim besten Willen außer “man kann ja was anderes benutzen” nix Positives mehr ein.
Welche Server-Dienste gehen ins Nirvana? Wenn du meinst, die Nicht-LTS-Version macht auf Servern Probleme bei Updates…es wird nicht zu unrecht die LTS dafür empfohlen.

Xubuntu, Lubuntu, Kubuntu und so weiter braucht man ja nicht großartig einrichten, was das angeht…die Shopping-Linse ist nicht drin, Ubuntu One ist nicht drin, und auch Mir wird in Zukunft nicht in allen Varianten drin sein. Ich wüsste nicht, wann mir die Macher dieser Derivate in den Arsch getreten hätten. Das Standard-Ubuntu würde ich mir auch nicht installieren.
Für mich stellt sich eher die Frage, warum nicht gleich Debian. Wer basteln will, nimmt sich ein Unstable, die “Normalos” haben mit Stable auf Jahre ihre Ruhe. Das System ist natürlich weitestgehend mit Ubuntu vergleichbar…bis auf Unity.
Ach ja, mir fällt noch eine Lösung gegen Werbung ein: Wenn ein Banner nicht blinkt und in keiner Liste steht..für den Adblock Plus und seine Klone gibt es das Zusatz-Plugin Element Hiding Helper, damit kann man jedes Element einer Webseite dauerhaft ausblenden. Man muss es eben manuell tun, aber immerhin geht dadurch wirklich jede Form der Werbung weg.
Mit schönster Regelmäßigkeit: MySQL. Auch auf LTS-Systemen.
…, und Vorteile gegenüber einer weniger kaputten Distribution haben sie auch nicht.