PersönlichesMir wird geschlecht
Glei­cher als die ande­ren (Fort­set­zung).

Zu Beginn mei­ner Stu­di­en­zeit hat­te ich mich teils belu­stigt, teils ver­wun­dert über das hoch­schul­ei­ge­ne Frau­en- und Gleich­stel­lungs­bü­ro geäu­ßert. Es ist Zeit für einen Nach­trag.

Heu­te näm­lich kam durch Zufall ein Exem­plar der zur­zeit gül­ti­gen Richt­li­nie gegen sexu­el­le Belä­sti­gung und Dis­kri­mi­nie­rung in mei­nen Besitz. Dar­in ste­hen gut gemein­te Hin­wei­se, was denn alles zu unter­las­sen sei. Dabei ist aus­drück­lich nicht von Geschlech­ter­dis­kri­mi­nie­rung die Rede:

[Zu uner­wünsch­tem Ver­hal­ten] zähl[t] unter ande­rem: (…) sexu­ell her­ab­wür­di­gen­de Kom­men­ta­re über Per­so­nen, deren Intim­ge­ben, deren Kör­per sowie deren sexu­el­le Iden­ti­tät

Nor­ma­les Her­ab­wür­di­gen auf­grund des Geschlechts wird von besag­ter Richt­li­nie somit nicht ein­mal for­mell abge­deckt.

Das erklärt, wie­so im Umfeld der Richt­li­ni­en­ex­em­pla­re zahl­rei­che wei­te­re Pam­phle­te aus­lie­gen und ‑lagen, etwa „Schutz und Hil­fe für Frau­en in Not!“ vom loka­len Frau­en­schutz­haus („Frau­en­schutz­Haus“), denn so ein Mann braucht kei­ne Hil­fe:

Miss­hand­lun­gen durch den Ehe­mann, Lebens­part­ner, Freund oder die Fami­lie gehö­ren für vie­le Frau­en in Deutsch­land zum All­tag.

Vice ver­sa; aber mit eurem Latein seid ihr wohl längst am Ende.

Frau­en wer­den: (aus sti­li­sti­schen Grün­den gekürzt, A.d.V.)

  • Kon­trol­liert
  • Bedroht
  • (…)
  • Geschla­gen
  • Getre­ten
  • Belei­digt
  • Sexu­ell miß­han­delt

(…) Spre­chen Sie mit mög­lichst vie­len Men­schen über Frau­en- und Kin­des­miss­hand­lung sowie Frau­en­dis­kri­mi­nie­rung, wie sie über­all und täg­lich geschieht.

Ich sag‘ euch was, „Frau­en­schutz­haus Wol­fen­büt­tel“: Ich spre­che gern mit mög­lichst vie­len Men­schen dar­über, wie ihr eigent­lich das Rol­len­mo­dell in der Gesell­schaft seht. Ist das eigent­lich schon Her­ab­wür­di­gen des Geschlechts, wenn Frau­en in die Rol­le der hilf­lo­sen Opfer gedrängt wer­den? Aber was interessiert’s euch, ihr kämpft ja für die gute Sache. Auge um Auge, Zahn um Zahn. Auch die „Bera­tungs­stel­le gegen sexu­el­le Gewalt e. V.“ hat neben eurem, „Frau­en­schutz­haus Wol­fen­büt­tel“, ein eige­nes Falt­blatt plat­zie­ren las­sen, das the­ma­ti­siert, wie­so Ver­ge­wal­ti­gung schlimm ist. Natür­lich auch hier nur die gegen Frau­en und Mäd­chen, denn ande­re Men­schen ste­hen in die­ser Gesell­schaft nicht unter Schutz. Die sol­len sich gefäl­ligst selbst weh­ren!

Zuge­ge­ben: Besag­te Pam­phle­te ent­stamm­ten nicht direkt der Feder des „Frau­en- und Gleich­stel­lungs­bü­ros“. Die­ses hat sein eige­nes Scherf­lein bei­getra­gen: Ein Falt­blatt namens „Nie­der­sach­sen-Tech­ni­kum – Eine inter­es­san­te Per­spek­ti­ve für Abitu­ri­en­tin­nen“ beschreibt eine Art Prak­ti­kum, das vom Land finan­ziert und nur Frau­en ange­bo­ten wird, die vor der Wahl ihrer beruf­li­chen Zukunft ste­hen. „Gleich­stel­lung“ ist anschei­nend eine ande­re Art, „Frau­en brau­chen mehr Vor­tei­le gegen­über den Män­nern“ aus­zu­drücken. Aller­dings kei­ne viel bes­se­re.

Was das Gleich­stel­lungs­bü­ro so macht? Nun, dies erklärt ein A4-Blatt: För­de­rung einer geschlech­ter­sen­si­blen Leh­re steht dar­auf, Lite­ra­tur zu gen­der­spe­zi­fi­schen The­men sei auch im Ange­bot. Außer­dem – nicht zu ver­ges­sen – Maß­nah­men zur För­de­rung der Balan­ce der Geschlech­ter in den Stu­di­en­gän­gen, denn in so einem Stu­di­um geht es nicht um „Inter­es­se oder nicht“, son­dern um „Tit­ten oder nicht“. Des­halb ist es auch drin­gend not­wen­dig, in der Infor­ma­tik eine Frau­en­quo­te von min­de­stens 50 Pro­zent zu errei­chen, denn auch als Frau hat man gefäl­ligst Inter­es­se an Com­pu­tern zu haben und nicht nur an so doo­fen sozia­len Beru­fen. Nur für Frau­en, so das A4-Blatt wei­ter, sei­en Ver­an­stal­tun­gen und Work­shops im Ange­bot, Ver­net­zung in Stu­di­um und Beruf und der­glei­chen. Män­ner, Trans­se­xu­el­le und Geschlechts­lo­se brau­chen so was nicht. Oder sie bekom­men es ein­fach nicht.

So flößt man der schwei­gen­den Mas­se immer wie­der aufs Neue ein, wie die Rol­len­mo­del­le in die­ser Gesell­schaft so lau­fen, auf dass sie auch wei­ter­hin den­ken möge, es sei schon alles in Ord­nung so.

Falls es noch jemand nicht ver­stan­den hat: Insti­tu­tio­nen wie die­ses „Gleich­stel­lungs­bü­ro“ sind ein wider­wär­ti­ges, weil tra­gen­des Ele­ment sexi­sti­scher Aus­wüch­se an staat­li­chen Ein­rich­tun­gen und gehö­ren daher abge­schafft. Von Steu­er­gel­dern bezahl­te Heu­che­lei haben wir in den Par­la­men­ten bereits genug.