NerdkramsIn den Nachrichten
Blackoutphone / Schweizer Datenschutzlügen

Wegen der NSA sind die Leute erfreulich vor­sichtig gewor­den, was ihre Pri­vat­sphäre im Netz bet­rifft; sie ver­schlüs­seln ihre Mails häu­figer, gehen mit Face­book und der­gle­ichen etwas weniger naiv um und wis­sen um die Gefahren von Google, so fassen’s die Medi­en derzeit gele­gentlich zusam­men. Sie — die Leute — instal­lieren dutzendweise “Track­ing”- und JavaScript-Bekämp­fungsmit­tel wie NoScript und Ghostery in ihren Browsern, was all­ge­mein eine gute Idee ist (siehe auch hier, hier und hier).

Und es verge­ht kaum ein Tag, an dem nicht neue Sicher­heit­slö­sun­gen “gegen Überwachung” angekündigt wer­den, sei’s software‑, sei’s hard­ware­seit­ig.

Seit gestern etwa wird allen­thal­ben das “Black­phone”, ein mit dem ominösen Android-Fork “Pri­vatOS” verse­henes “sicheres Smart­phone”, ange­priesen:

Black­phone will nun mit dem gle­ich­nami­gen Smart­phone einen Weg aus der Mis­ere bieten. So soll die gesamte Kom­mu­nika­tion – also Tele­fonate, Chats und son­stige Nachricht­en – ver­schlüs­selt ablaufen.

Mit Phil Zim­mer­mann hat man sich schon einen Kryp­tografie­ex­perten ins Boot geholt, die Her­steller­fir­ma selb­st sitzt in der Schweiz. Das klingt nach einem inter­es­san­ten Pro­dukt, vielle­icht ist also ein Blick auf die Web­site von Black­phone lohnenswert.

Das geht aber nur, wenn man JavaScript aktiviert:

Blackphone.ch

Mein Ver­trauen erweckt das nicht. Aber gut, vielle­icht ist das nur ein Aus­rutsch­er. Die meinen das mit dem Daten­schutz näm­lich ernst:

Our busi­ness is to make and sell pri­va­cy-ori­ent­ed smart­phones. We take this very seri­ous­ly. (…) The empha­sis on pri­va­cy and secu­ri­ty is what we do best.

Und nicht zu vergessen:

Your pri­va­cy is depen­dent on the prop­er han­dling of your per­son­al infor­ma­tion. We will nev­er sell this data or give access to unau­tho­rized third par­ties.

Voll­mundi­ge Ver­sprechen also: “Ihre Dat­en gehören Ihnen allein! Kein Drit­ter soll sie haben!”

Schauen wir mal in den Quell­code der Web­site:

Gut, jQuery wird also schon mal nicht von Google einge­bun­den. Außer, wenn das Laden fehlschlägt, dann näm­lich schon:

if (!jqueryLoaded) {
  var script = document.createElement('script');
  script.type = 'text/javascript';
  script.src = '//ajax.googleapis.com/ajax/libs/jquery/1.4.4/jquery.min.js';
  head.appendChild(script);
  // (...)
}

Das dürfte aber zumin­d­est in den sel­tensten Fällen der Fall sein. Son­st noch was von Google im Quell­code? Ent­war­nung: Nö. Dafür aber dieses Bon­bon am Fuß der Seite:

   <script type="text/javascript">
    //<![CDATA[
    var DID=223197;
    var pcheck=(window.location.protocol == "https:") ? "https://sniff.visistat.com/live.js":"//stats.visistat.com/live.js";
    document.writeln('<scr'+'ipt src="'+pcheck+'" type="text\/javascript"><\/scr'+'ipt>');
    //]]>
  </script>

Dies, meine Damen, Her­ren und Son­sti­gen, ist eine so genan­nte Track­ing­wanze, ein kleines JavaScript-Skript, das eure Dat­en an einen Frem­dan­bi­eter schickt, um zu guck­en, wer ihr seid und was ihr ger­ade macht. Visi­S­tat ist ein kali­for­nisches Unternehmen, das ganz beson­dere Dien­ste anbi­etet:

(…) Unternehmen wie Relead, Visi­S­tat und Full­Con­tact bieten nach eige­nen Angaben die Iden­ti­fika­tion von Seit­enbe­such­ern mit­tels Social Net­works und Geo­dat­en an.

Das kann man sich im Hause Black­phone doch nicht ent­ge­hen lassen!

Ihre Pri­vat­sphäre ist abhängig von der sauberen Ver­w­er­tung Ihrer pri­vat­en Infor­ma­tio­nen. Wer diese Ver­w­er­tung übern­immt, ist ja vol­lkom­men uner­he­blich.

Mein Inter­esse daran, mich mit dem “Black­phone” selb­st zu beschäfti­gen, hält sich doch ger­ade sehr in Gren­zen.

Senfecke:

  1. gut recher­chiert!

    um den von dir zitierten quell­code mit meinem mini­dis­play ganz nach rechts scrollen zu kön­nen, habe ich zwar … äh… erst … nun .… irgend­was mit dem zitierten NOSCRIPT freis­chal­ten müssen…

    aber hey was solls, ich will ja auch kein phone von dir kaufen

    • Ich exper­i­men­tiere ger­ade ein wenig. Eigentlich sollte die Codeanzeige momen­tan ohne JavaScript sog­ar bess­er funk­tion­ieren als mit ihm…

      Danke für den Hin­weis, ich kon­nte das Prob­lem nachvol­lziehen, aber mit NoScript hat das nur bed­ingt zu tun. Ohne das JavaScript für die Codeanzeige ist der Code nicht viel mehr als ein sim­ples einge­färbtes <pre> — und das wäre für ein “Mini­dis­play” auch zu bre­it. Tut mir Leid, Brows­er funk­tion­ieren so. ;)

      • Brows­er wis­sen sehr wohl wann sie Scroll­bars anzeigen oder Text umbrechen müssen, wenn man sie denn lässt. Also im Artikel was von wenig ver­trauenswürdi­gem JS faseln und es dabei selb­st für Pillepalle zu nutzen ist schon ein biss­chen absurd.

        • Ich bin Autor und verkaufe kein “sicheres Smart­phone”. Übri­gens kann man hier Javascript dur­chaus abschal­ten, ohne dass nichts mehr geht.

  2. Danke für den Ghostery-Tip. Jet­zt kann ich dein Piwik-Snip­pet viel ein­fach­er block­en.

    • Dass Piwik eben­so wie mein Kom­men­tarsys­tem jeden Aufruf anonymisiert, ist dir aber schon bewusst? Dzdz, als wär’ ich bei Visi-irgend­was.

  3. Na, da ist noch ein klein­er Fehler auf dein­er Seite, die zum The­ma passt:
    src=‘http://1.gravatar.com/avatar/

    In diesem Sinne ist gravater.com auch eine möglich­er Track­ing Serv­er, der Aufruf kommt bei vie­len Blogs. Somit wieß gravater.com schon, welche Blogs ich lese.

    :aufsmaul:

    • Das ist tat­säch­lich ein Son­der­fall, der mir bish­er ent­gan­gen war. Leute, die ein Avatar­bild bei Gra­vatar eingestellt haben, bekom­men es auf meinem Serv­er zwis­chenge­spe­ichert, um dieses Track­ing zu ver­mei­den; die automa­tisch gener­ierten Avatare wer­den aber nicht gespe­ichert, weil sie eben, nun, gener­iert wer­den.

      Du kön­ntest natür­lich *.gravatar.com block­ieren, Prob­lem gelöst. :D

      Ich habe jet­zt mal etwas aus­pro­biert (und die “gener­ierten Avatare” abgeschal­tet). Mal guck­en, ob es funk­tion­iert. Der Cache lädt noch.

  4. Ja, Gra­vatare sind zwar nett zum anse­hen, aber unter dem strich eigentlich über­flüs­sig. und es gibt ein prob­lem mit track­ing. deshalb habe ich gra­vatare vor einiger zeit kom­plett aus meinem blog eli­m­iniert.

      • Nein.
        Zumin­d­est nicht ohne eine ganz grosse Keule.
        — geset­zt den Fall, ich habe einen Gra­vatar, so lan­det min­destens (m)ein erster Aufruf ein­er Seite bei denen im Log.
        — - das kön­nte man ansatzweise lösen, indem man die Gra­vatare von einem (anderen) exter­nen Serv­er holt, der die in den Cache “schiebt”. Der “externe” Serv­er kann im Opti­mal­fall auch eine Sub­do­main sein.
        Dann weiss Gravatar.com zwar nicht welche Seite ich aufrufe, hat aber immer noch die Verbindung von $extern­er-serv­er. Soviel zu Opti­mal­fall.
        — geset­zt den Fall, ich habe keinen Gra­vatar, dann muss sin­nvoller­weise das Script bei jedem Besuch ein­er Seite schauen, ob ich “mit­tler­weile” einen habe. Also ist in dem Falle das Caching fürn Arsch.

        Fakt ist: dieses Gra­vatar-sys­tem (bei mir im Fil­ter) ist im Grunde keine dumme Sache, aber man wird es aufs Ver­reck­en nicht hin­bekom­men, das daten­schutzkon­form zurechtzus­trick­en.

        Dis­claimer: Alles recht the­o­retisch, musst jet­zt nicht drüben kuck­en kom­men, ob mein Sys­tem genau­so scheisse is oder noch schlim­mer.

        • Deine Seite guck’ ich eh’ bevorzugt per RSS an, das tut nicht so in den Augen weh. Na ja, stimmt, dass ein ein­ma­liger Cachevor­gang nötig ist, ste­ht außer Frage, aber ob es ein Avatar­bild­chen für deine Mailadresse gibt, kann mein Serv­er ja auch her­aus­find­en, ohne dich dafür auf Gravatar.com vor­beizuschick­en.

          Dass das Cachesys­tem den Nachteil hat, dass es wp_cron nutzt und daher gele­gentlich “ver­al­tete” Bild­chen zurück­sendet; ja nun, es kön­nte schlim­mer sein.

          • dass ein ein­ma­liger Cachevor­gang nötig ist, ste­ht außer Frage, aber ob es ein Avatar­bild­chen für deine Mailadresse gibt, kann mein Serv­er ja auch her­aus­find­en, ohne dich dafür auf Gravatar.com vor­beizuschick­en

            welchen Teil von meinem Kom­men­tar hast Du genau nicht ver­standen? (her­vorhe­bung von mir)

  5. Quote Com­ments plu­g­in is hav­ing some trou­ble! It could pos­si­bly be a prob­lem with your Word­Press theme. Does it work if you use the default theme? Does it work if you dis­able all oth­er plu­g­ins? If you look in the HTML source of a page with com­ments, can you find where [id] is the ID of the com­ment?

    Wenn “aber” nichts mit meinem Kom­men­tar zu tun hat, dann ist ja alles in Ord­nung.

    • Hast Recht. Ich mach’ die Funk­tion erst mal weg, bis ich weiß, was da kaputt ist.

      Dafür hab’ ich jet­zt den Antworten-Link endlich gefixt. :D

  6. Ihr macht euch einen Kopf wo kein­er zu machen ist.

    Es ist ganz sim­ple aber das tut so weh das es kein­er sehen mag.

    GSM ist die Wanze und damit JEDES angeschlossene Gerät. Es ist unmöglich GSM und die Nach­fol­ger zu benutzen ohne gläsern zu wer­den. Schaut euch an wie die Zeitschlitz Ver­fahren funk­tion­ieren und freut euch über eine Auflö­sung im 3D Raum von weni­gen cm. Man kann euch beim Trep­pen­steigen zuse­hen.

    Ihr regt euch über sicht­bare track­er auf? Wenn jemand das Seek­a­bel anzapft und genau das tun die pöh­sen purschen dann ist auch jed­er track­er harm­los dage­gen.
    Wenn die pöh­sen purschen den gesammten traf­fic sehen SSL aushe­beln kön­nen weil viele der imple­men­tirun­gen auf schlechte zufall­szahlen set­zen dann muss man sich kein­nen Kopp über nen track­ing dienst in bum­stown ida­ho machen. Ihr seid schon wieder gläsern. Lasst euch nicht durch die vie­len Blend­granat­en ble­den welche euch auf detail Prob­leme ver­weisen. Das Haupt­prob­lem ist das die phösen purschen unbe­gren­zte Mit­tel haben und ihr nicht.

    Die sich­er­ste Verbindung zu öffentlichen Net­zen ist ein 10cm bre­it­er Luftspalt. Die beste Fire­wall ist ein Seit­en­schnei­der der auch benutzt wird. Wer draht­los komu­niziert hat den Knall nicht gehört und ist eben selb­st schuld.

    Think again ;)

  7. LOL! Was für ein sel­ten bescheuert­er Beitrag. Sie sind, mit Ver­laub, ein Arschloch. Hätte man nicht warten kön­nen?! Ein Leser mehr! Jeho­va! Jeho­va! m( m( Full ACK! WTF FAIL! OMG

  8. Was soll verkauft wer­den?
    Web­seite oder Handy?

    Wer die Frage beant­worten kann, ist einen großen Schritt weit­er.

    Wenn ich eines nicht lei­den kann, wenn man vom war­men Sofa aus Leuten ans Bein pinkelt, die was bewe­gen wollen.

    • Wenn ich eines nicht lei­den kann, sind das Leute, die meine Dat­en an die USA vertick­en und mir dann auf ihrer Web­site was von “Ihre Dat­en sind bei uns sich­er” vor­lü­gen.

  9. Die sich­er­ste Verbindung zu öffentlichen Net­zen ist ein 10cm bre­it­er Luftspalt.

    Wohl eher ein paar km.

    Die beste Fire­wall ist ein Seit­en­schnei­der der auch benutzt wird. Wer draht­los komu­niziert hat den Knall nicht gehört und ist eben selb­st schuld.

    Ah, ja! Das heißt, du benutzt ein Wählscheiben­tele­fon, weil das festver­drahtet ist und deshalb per Def­i­n­i­tion (aber nur dein­er) abhör­sich­er? Und Com­put­er sind sowieso nur Teufel­szeug?

    Jeho­va! Jeho­va! (Sor­ry, war zu ver­lock­end ;))

    • Nein wed­er noch. IHR redet darüber wie man unsichere Sys­teme benutzen kann und sich dabei sich­er fühlt. Was ich wie mache ste­ht gar nicht zur Debat­te und wie Du merkst nehme ich an dem Dia­log teil was wohl bedeutet das ich den Seit­en­schnei­der noch nicht benutzt habe. Kein Kom­mu­nika­tion­ssys­tem das Dir von Drit­ten ange­boten wird darf­st Du als sich­er betra­cht­en und dabei ist es vol­lkom­men Wurst welchen Aufwand Du treib­st. Du hast keine Kon­trolle über die ver­wen­dete Infra­struk­tur also gib­st Du jegliche Sicher­heit auf. Es kommt also auf Dich an wie Du damit umgehst und wie Du Dich dabei fühlst. Aber sich­er wird es durch Deine Gefüh­le nicht. Seit­dem Teleko­mu­nika­tion­ssys­teme ange­boten wer­den, wer­den sie auch zur Überwachung benutzt das war schon immer so und es wird immer so bleiben.
      Wenn Du Dein eigenes, geschlossenes kabel­ge­bun­denes Netz benutzt ist das per def­i­n­i­tion sich­er. Benutzt Du aber Funk ist alles wieder beim alten und Sicher­heit wird nur gefühlt. Das meinte ich mit kabel­los­er Kom­mu­nika­tion. Wenn es heisst es wird Dein Tele­fon abge­hört. Dann bes­timmt nicht wirk­lich Dein physis­ches Tele­fon son­dern Du wirst in der Ver­mit­tlung­stelle abge­hört. Ist bil­liger und ich muss nicht in Deine ach so sichere und schützenswerte Woh­nung ein­drin­gen.
      Es bringt nichts sich gefühlte Sicher­heit vor zu machen und dabei die Augen zu ver­schliessen vor der Wirk­lichkeit. Wie schon in meinem ersten Satz geschrieben es ist so sim­pel aber es tut eben auch so weh…

  10. Good job!
    Solche Infor­ma­tio­nen müssten eigentlich irgend­wo auf ein­er zen­tralen Seite gesam­melt wer­den, damit der gemeine nicht-tech­nis­che Pöbel sich über sowas informieren kann.

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