In den Nachrichten
Kurz notiert zum 30C3

In Ham­burg tre­f­fen sich momen­tan “Hack­er”, Inter­essierte und Jour­nal­is­ten, um sich gegen­seit­ig davon zu bericht­en, dass sie das alles schon vor Jahrzehn­ten geah­nt hat­ten. Die Ein­führungsrede stieß ins gle­iche Horn; da man, jed­er Einzelne im Saal, es ja schon immer gewusst habe, sei man, jed­er Einzelne im Saal, Papst und “Teil der Lösung”.

Und die Jour­nal­is­ten? Sie sitzen da und staunen über die blink­enden Vorhänge und all die anderen kleinen Basteleien, die man sich als Hob­by­bastler in sein­er Freizeit aus Vergnü­gen halt mal so zusam­men­lötet, aus ihren Redak­tio­nen ken­nen sie das näm­lich nicht, da gibt’s nur den Gilb. “Die IT-Profis” (SPIEGEL ONLINE), denn ein solch­er wird man offen­bar bere­its mit­tels bloßer Anwe­sen­heit auf einem dieser Kon­gresse, suchen “Mit­tel gegen die Überwachung durch Geheim­di­en­ste”; sie “suchen” also nach Tor und GnuPG/OpenPGP und son­stiger ver­schlüs­sel­ter Kom­mu­nika­tion, wie wirk­sam sie auch immer sein möge. Da müssen sie zwar nicht lange suchen, was SPIEGEL ONLINE eigentlich wis­sen sollte, aber irgend­wie muss man’s sich ja schön­schreiben.

Palaver, Palaver. “Die Hack­er” haben sich vor lauter Begeis­terung dieses Jahr sog­ar das Mot­to ges­part. Ein Schaulaufen der­er, die von Anfang an wussten, dass ein offenes Netz nicht nur für brave Hack­er, son­dern auch für Arschlöch­er ein­se­hbar ist. SPIEGEL ONLINE applaudiert, noch ganz benom­men von der Saaläs­thetik: “Durch das ganze Gebäude zieht sich auf zwei Kilo­me­ter Länge gelbes Plas­tikrohr: Kün­stler und Hack­er haben sich aus Staub­saugerteilen eine eigene Rohrpost gebaut.” Saal betreten, Hack­er sein. Wahlweise: Kün­stler. So läuft das heutzu­tage.

Mon­tag ist der Spuk vor­bei. Die NSA wird immer noch da sein, SPIEGEL ONLINE aber schon beim näch­sten großen event. Vielle­icht irgend­was mit Kli­maer­wär­mung oder so, direkt schneien tut’s ja momen­tan eher nicht. Die große Offen­barung wird auf dem 30C3 jeden­falls aus­bleiben, vol­lkom­men unab­hängig davon, ob Julian Assange nun noch reden wird oder nicht.

Durch­hal­teparolen; kein gutes Zeichen.