Mike hat die dieswöchige Ausgabe des SPIEGEL derart überzeugend gelesen, dass ich nicht umhin kam, mir die digitale Ausgabe auch mal zu, nun ja, besorgen, und zwar wegen eines einzigen Artikels. Dieser Artikel trägt die Überschrift “Der Tag, an dem ich schwul wurde” und beschreibt einen Selbstversuch des SPIEGEL-Mitarbeiters Uwe Buse — hihi -, der ein paar White-Hat-“Hacker” (inflationär verwendete Berufsbezeichnungen genieße ich bevorzugt mit Vorsicht) auf die Frage angesetzt hat, was für Möglichkeiten sich so ergeben, wenn man vollen — auch physischen — Zugriff auf fremde Hardware erhält.
Das macht der investigative SPIEGEL-Mensch dann etwa so:
Zwischen uns auf dem Tisch liegen ein Laptop und ein Handy. Auf beide Geräte haben meine Hacker Spionageprogramme geschleust (…).
So funktioniert die Infektion in freier Wildbahn: Drückt den Bösewichtern eure Hardware in die Hand und geht mal für eine Weile aus dem Zimmer.
Dabei hat er doch so schön vorgesorgt:
Der Virenscanner des Laptops meldet: Dieser Rechner ist virenfrei.
Und was die “Hacker” da nicht so alles Spannendes herausfinden!
Nachdem die Hacker auch meine E‑Mails durchforstet haben, wissen sie, dass ich verheiratet bin, zwei Kinder habe, eine Tochter und einen Sohn, der noch in den Kindergarten geht. Meine Hacker kennen den Namen meiner Frau, Birgit.
Manche müssen dafür Herrn Buses Mails lesen, andere nur den SPIEGEL. So kann’s gehen. Und was die “Hacker” sonst so tun? Sie besorgen sich Amazon- und Google-Passwörter und gucken mal hinein. Das sei aber auch nicht weiter schwer:
Den Hackern werden all diese Informationen auf sehr komfortable Weise geliefert. Es ist kaum Expertenwissen vonnöten.
Um für den SPIEGEL zu schreiben, muss man offenbar auch nicht viel wissen. Eine steile Karriere steht so jedem Menschen offen, der leidlich gut lesen und schreiben kann. Wenn da nur nicht der Ekelfaktor wäre!
Zumindest hat sich der Autor ein paar höfliche “Hacker” ausgesucht, die vorher nachfragen:
Meine Hacker lassen mich wissen, dass sie mir nun noch Kinderpornos auf den Rechner schieben können, danach könnten sie die Polizei alarmieren. Ich bitte sie dringend, von dieser Idee Abstand zu nehmen.
Schade, vielleicht wäre der Artikel dann doch noch was geworden.
Gibt es eine Moral von der Geschichte? Klar:
Um künftig besser auf solche Angriffe vorbereitet zu sein, frage ich meine Hacker ein paar Tage später, wie ich mich schützen kann. (…) Keine Windows-Rechner mehr benutzen, sagen sie, sondern Linux als Betriebssystem. Software-Updates immer installieren, und zwar schnell, das gilt vor allem für den Viren-Scanner.
Linux, nicht erst seit 2003 ein bequemes Angriffsziel von Schuften, sieht so ein “Hacker” natürlich besonders gern auf fremden Geräten. Da hilft auch nicht, dass die im Artikel verwendete Malware namens Mobistealth “für Android, nicht für Linux” — das lasse ich der Dämlichkeit wegen einfach mal als Zitat stehen — verfügbar ist. Und Virenscanner (“Viren-Scanner”)? Ihr wisst schon, das war das, das den Rechner anfangs virenfrei nannte.
Der SPIEGEL hat im Printressort halt nicht so fähige Autoren wie Frank Patalong.

+1
Birgit Buse?
Vermutlich. Witziger Name, nicht?