Blinde reden über Farben, Taube huldigen dem Postrock und drei Menschen, die sich nie mehr im Leben Sorgen um ihr finanzielles Überleben machen müssen, reden über Mindestlöhne. Oh, Verzeihung – letzteres ist tatsächlich passiert:
Mit scharfen Wortgefechten über Mindestlohn, Rente und Steuern haben die Spitzenkandidaten von Grünen, Linken und FDP um unentschlossene Wähler gekämpft.
Der aufmerksame Wähler weiß, dass die Grünen zusammen mit der SPD die gegenwärtige Altersarmut maßgeblich forciert und die seit einigen Jahren wieder mitregierende F.D.P. bislang nichts dagegen getan hat. Zwei der drei Teilnehmer haben also zumindest Wissen aus erster Hand vorzuweisen, von dem sie auch reichlich Gebrauch machen. Jürgen „Dosenpfand“ Trittin etwa gab zu verstehen, den grünen Wandel gebe es nur mit starken Grünen; gut, dass er das erklärt, denn bislang dachte ich, dafür müssten die Grünen besonders schwach sein.
Beim Rententhema war er trotzdem nicht gut vorbereitet:
Trittin plädierte dafür, das Rentenniveau durch höhere Einkommen zu stabilisieren. Auch dazu diene unter anderem ein Mindestlohn. [Er] verteidigte die von seiner Partei bei einem Wahlsieg angekündigten Steuererhöhungen. Bei dem Konzept würden durch eine Anhebung des Grundfreibetrags 90 Prozent der Einkommensbezieher mehr Netto vom Brutto haben.
Es soll also mehr Rente geben, indem es mehr Einkommen gibt, das dazu führt, dass es höhere Steuern gibt, die dazu führen, dass die Leute mehr Geld haben. Kommt ihr noch mit? Ich nicht. Wahrscheinlich habe ich aber auch nichts verpasst.
Seltsamerweise hat keiner der drei Politiker vorgeschlagen, denen, die kein Brot haben, stattdessen zum Kuchen zu raten. Sie haben wider Erwarten ja doch etwas gelernt.


Nun, theoretisch:
Mehr Lohn -> höhere Steuern -> mehr Steuereinnahmen -> mehr Rente
Das Modell der Schweiz wäre:
Mehr Lohn -> mehr Steuereinnahmen -> mehr Rente
Das Problem der Schweizer mit ihrer dämlichen, funktionierenden hohen Mindestrente ist, dass alle Steuerzahler ausnahmslos in den Rententopf einzahlen. In Deutschland undenkbar. Man stelle sich nur vor ein Politiker müsste in die Rentenkasse einzahlen, oder ein Selbstständiger, oder ein Beamter, oder ein Jurist, oder[…]. Es bleiben also rund 20% der arbeitenden Bevölkerung übrig die Rentenkassen zu befüllen. Aber welcher (deutsche) Politiker möchte schon so ein bewährtes System ändern?
Was kümmern einen deutschen Politiker irgendwelche Renten für den Pöbel?
eben, sind ja eh alles nur diese Undankbaren!
Bist du nicht im Urlaub, du stinkreicher Pöbel?
„Es soll also mehr Rente geben, indem es mehr Einkommen gibt, das dazu führt, dass es höhere Steuern gibt, die dazu führen, dass die Leute mehr Geld haben. Kommt ihr noch mit? Ich nicht. Wahrscheinlich habe ich aber auch nichts verpasst.“
Wenn man die obersten 10% höher besteuert, den unteren 90% mehr Geld gibt, dann müssen die 90% nicht unbedingt mehr Steuern zahlen und haben mehr Einkommen. Da die Renten an die Löhne gekoppelt sind, bedeutet eine Lohnsteigerung bei den 70–80% unterhalb der Beitragsbemessungsgrenze (69.600 EUR West; 58.800 EUR Ost), dass mehr in die Rentenkasse eingezahlt wird. Wenn man die Renten unterhalb oder Gleich der Steigerung der Löhne steigen lässt, haben sowohl Rentner als auch Beschäftigte mehr in der Tasche. Die Idee funktioniert, wenn man nach Einkommen unterscheidet. Du argumentierst wie ein FDPler, frei nach dem Motto der Gesamtdurchschnitt zählt. Da hast du Recht. Im Durchschnitt wird sich nicht viel Ändern, aber an der Verteilung.
Poah!
ja ich bin zum Glück noch im Urlaub und anscheinend hat NRW keine Ferien mehr, keine Deutsche mehr hier, endlich!

Na ja, doch, du.
pah.
Pwned