Gelegentlich werde ich gefragt, wieso ich immer noch in dieser Piratenpartei bin. Nun, einer der Gründe ist der, dass sie als einzige größere Partei ihre Wahlversprechen hält, auch, wenn es manchmal etwas länger dauert. Das Versprechen, dass im Fall einer Wahl die Stimme der Bürger mehr Gewicht erhalten wird, wurde nun etwa mittels einer neuen software mit dem herzerweichend dämlichen Namen OpenAntrag (nur echt mit BinnenMajuskel) umgesetzt, über das jeder Bürger “seiner” Fraktion einen Antrag übermitteln kann, der dann, wenn er nicht allzu konträr den Grundpfeilern der Piratenpartei zuwiderläuft, im jeweiligen Parlament eingebracht wird. Am bescheuerten Namen soll’s ja dann auch nicht mehr scheitern. (Wenn’s wenigstens OpenSource wäre!) — Gelegentlich (ganz, ganz selten) glaubt man ja dann doch noch in das Gute in dieser Partei, wenn’s halt weniger Spinner in ihr gäbe.
Gelegentlich (ganz, ganz selten) glaubt man ja dann auch noch an das Gute in der Musikindustrie. Den diesjährigen “Echo” (so ein medial zelebrierter Musikpreis, mithilfe dessen die Popindustrie die Popindustrie dafür belohnt, eine Popindustrie zu sein) gewannen neben allerlei Musikern, die man vermutlich nicht einmal kennen sollte, auch Led Zeppelin und Hannes Wader. Hannes Wader, der jungen Generation womöglich bis dato unbekannt, ist ein Volkssänger (nicht zu verwechseln mit Schlagersängern), der in den 1970er Jahren mit allerlei Gesellschaftspolitischem Bekanntheit erlangt hatte.
Man möge aber nur nicht glauben, die Musikindustrie sei bereit, einem nicht mit ihrer Fixierung auf die musikalischen Vorlieben junger Leute kompatiblen Musiker, gleichwie legendär er auch sein mag, eine eigene Bühne zu bieten. Da fehlt’s am Punk, und Campino kann den Text nicht. Irgendwas ist ja immer.
Und wie passend!
So vergeht Jahr um Jahr,
und es ist mir längst klar,
dass nichts bleibt, dass nichts bleibt, wie es war.
Guten Morgen.


Standardantwort der Piraten, wie denn all ihre Pläne umgesetzt werden könnten, beantworteten die Mitglieder des Chaotenhaufens meistens mit einem naiven “Ich weiß es noch nicht”.
… und legen dann überraschend vor.