(Vorbemerkung: Im Folgenden verlinke ich in Ermangelung wirklich zuverlässiger Quellen mehrfach auf die Google-Suche. Ich empfehle vor einem Klick auf diese Verweise vorübergehend JavaScript und Cookies zu deaktivieren.)
Wie friedfertig die Menschen in diesem Land doch sind, obwohl ihr Land weltweit Soldaten stationiert hat, ist doch immer wieder erfreulich. Glaubt man Google, so sind die gewaltfreien Engagements hierzulande vielseitig: Die Bürger setzen sich zum Beispiel mit Sprache und Millionen gegen rechte Gewalt (etwa 1,3 Millionen Ergebnisse), männliche Gewalt gegenüber Frauen (etwa 1,14 Millionen Ergebnisse) und nicht zuletzt Gewalt an Kindern (immerhin noch etwa 461.000 Ergebnisse) ein.
Was haben all diese Gewaltverhinderungen gemeinsam? Richtig: Sie differenzieren. Es scheint eine allzu weltentrückte Vorstellung zu sein, die Überzeugung, man lehne Gewalt immer und grundsätzlich und unter allen Umständen ab, ohne Einschränkungen nach außen hin zu vertreten; offenbar gibt es Qualitätsabstufungen in der Beurteilung von Gewalt. Eine gedankliche Trennung von schlimmer Gewalt (etwa “von rechts”) und weniger schlimmer Gewalt (zum Beispiel Männer, die Männer schlagen) ist en vogue, denn, so lautet eine gängige Argumentation, wenn ein deutscher Mann einen anderen deutschen Mann schlägt, sei das ja nicht so schlimm wie Gewalt von deutschen Männern gegen männliche Asylanten, weil isso. Es fehlt die Fähigkeit zu erkennen, dass es keine qualitativen Unterschiede in gewaltsamen Übergriffen gibt, denn wo zieht der Mensch die Grenze zwischen akzeptabler und inakzeptabler Gewalt? Wo liegt momentan der Konsens? Sofern er erstaunlicher- wie erfreulicherweise lautet, dass Gewalt immer und unter allen Umständen keine vertretbare Lösung ist, warum fällt es euch dann so schwer, die Phrase “gegen Gewalt” ohne jedes Adjektiv und ohne jede sonstige Einschränkung zu verwenden?
Gewalt, das lasst euch gesagt sein, ist niemals angemessen, auch nicht, um größeres Leid zu vermeiden. (Wäre sie das, dann wären die deutschen Kampfeinsätze im Ausland nichts, wofür wir uns schämen sollten, sondern ein Akt der Notwehr gegen Taliban und ähnliche Bösewichte, die uns ja quasi jeden Tag direkt bedrohen und so.) Wenn ihr das nächste Mal gefragt werdet, ob ihr Interesse daran habt, euch gegen irgendeine Unterkategorie von Gewalt zu engagieren, empfehle ich euch daher milde Ablehnung und (optional) Vogelzeigen. Wer Gewalt qualitativ abstuft, der hat das Prinzip der Gewaltspirale noch nicht verstanden und ist potenziell selbst Gewalttäter, denn in seinen Augen gibt es offenbar nicht so schlimme Gewalt. Es ist also auch in eurem Interesse, die Gesellschaft solcher Zeitgenossen bestmöglich zu meiden.
Es gibt übrigens einen Verein namens Menschenrechte für die Frau. Die Pointe überlasse ich ganz eurer Fantasie.

Ich verstehe das Ziel des Artikels, sehe aber einen gedanklichen Fehler: Nur, weil man sich einsetzt, eine konkrete Unterkategorie eines Problems zu bekämpfen (z.B. rechte Gewalt), bedeutet das nicht, dass einem alle anderen Kategorien egal sind. Der Grund kann auch die realistiche Einschätzung der eigenen Macht sein. Wenn es überall brennt und ich nicht alles löschen kann, muss ich mich für ein Haus entscheiden.
Spannd ist die Frage, warum man sich für eine Kategorie entscheided. Und vor allem, warum es keine Gleichverteilung der Akteure gegen die einzelnen Unterkategorien gibt, sondern sich Deine genannten so häufen. Weil es dort Fördergelder dafür gibt? Weil es in ist? Weil die Peergroup das macht? … weil die Opfer “sympatischer” sind?
Das selbe gilt ja auch für den Tierschutz: Warum werden explizit Robben geschützt?
Weil Robben niedlich sind und Knopfaugen haben.
Vielleicht brauche ich Knopfaugen.