Spaß mit Spam
Lieber geliebter eine,

0016@btbz.biz (kann man sich merken) schrieb mir unter obigem Betr­e­ff (zu mein­er Zeit war ein Betr­e­ff noch eine kurze Zusam­men­fas­sung des Anliegens des Anschreibens und nicht die Anrede; o Zeit­en, o Sit­ten!) an eine E‑Mail-Adresse, die nicht zu meinen gewöhn­lichen gehört, dies:

Lieber geliebter eine,

Diese Anrede (hat­ten wir schon!) enthält diverse Wun­der­lichkeit­en. Wer alle find­et, bekommt eine Eins.

Was genau möchte jemand, der mich unbekan­nter­weise als “geliebter eine” anspricht, wohl von mir? Flirten? Weit gefehlt:

Ich bin Frau sus­sana suss­man, aus Sier­ra Leone. Ich habe die Summe 9,5 Mil­lio­nen Euro von meinem ver­stor­be­nen Mann geerbt. Wegen der schlecht­en poli­tis­chen Sit­u­a­tion dieses Land Sier­ra Leone, Ich demütige Bitte um Ihre Hil­fe, um mich zu investieren die Fonds in Ihrem Land.

Frau sus­sana suss­man möchte eine Bitte demüti­gen und sich in Fonds investieren, und das auch noch in meinem Land! Wo kämen wir denn dahin, wenn das jed­er täte?

Um welche schlechte poli­tis­che Sit­u­a­tion geht es eigentlich? Der Bürg­erkrieg ist doch meines Wis­sens seit dreizehn Jahren been­det? Ach so:

Das Geld ist momen­tan in der Finanz-Unternehmen hier in Sier­ra Leone.

Es gibt nur noch eine einzige Bank in Sier­ra Leone? Das ist fatal! Hat da die EU schon inter­ve­niert?

Da bietet es sich natür­lich an, das Geld lieber nach Deutsch­land zu ver­schif­f­en. Dafür gibt’s auch einen Anteil an dem Geld:

Ich werde Ihnen mehr Infor­ma­tio­nen über die Liefer­ung. Ihre eige­nen Anteil an dem Geld ich sage dir, wenn wir von Ihnen hören.

Dann hoffe ich, dass es nicht per Her­mes ver­schickt wird, son­st wird das dieses Jahr nichts mehr.

Bitte, antworten Sie mir auf meine pri­vate E‑Mail: mrs.sussana@yahoo.com

Sier­ra Leone ist so arm, die kön­nen sich nicht mal ’nen Reply-To-Head­er in ihren E‑Mails leis­ten. Nun würde ich der Bitte ja gern nachkom­men, aber ich weiß nicht mal, was gewün­scht ist. Auf nicht gestellte Fra­gen zu antworten fällt mir oft etwas schw­er.

Wenn’se ihr Geld unbe­d­ingt loswer­den wollen, Frau sus­sana suss­man, sollte es Ihnen doch nicht schw­er­fall­en, meinen Namen und meine Adresse zu ermit­teln, nach­dem Sie sog­ar eine obskure Mailadresse beziehen kon­nten. Ich nehm’s gern bar.

Mit fre­undlichen Grüßen,
Frau sus­sana suss­man.

Rat­los,
eine geliebte.