In meinem Fundus an Musik, die sich im Laufe der Zeit so angesammelt hat, fand ich zufällig auch das Album “The Paranormal Humidor” (“Der paranormale Feuchtraum”) des US-amerikanischen Quintetts Somnambulist, veröffentlicht im Jahr 2001.
Dabei handelt es sich um das zweite Album beziehungsweise das erste (und bis heute offenbar letzte) nach der Neugründung der Band. Als Sänger ist Peter Cornell, Bruder von Chris Cornell (unter anderem Mitglied von Soundgarden), zu Somnambulist gestoßen, was keineswegs eine stilistische Übereinstimmung bedingt. Vielmehr ertönt hier mit allerlei Anleihen am Progressive Rock angereicherter Hardrock.
Das Album beginnt mit “In The Mindwarp Pavillion”: Tiefes Atmen, Stimmengewirr. “The Summer has ended and you’re not prepared to meet God — are you afraid to die?”. Sehr stimmungsvoll und ein wenig beängstigend. Es beginnt mit einem Hardrockteil mit fiesem Death-Metal-Gesang, passend zur Einleitung, wird aber rasch sanft. Getragen wird das Album insgesamt vom Zusammenspiel der dominanten Retro-Prog-Keyboards und der Gitarre einerseits, vom gelegentlich ausufernden Schlagzeugspiel andererseits. Auf den “Babyblauen Seiten” ist außerdem von einem “wuchtigen Bass” die Rede — den verschluckt mein Abspielgerät in diesem Fall leider. Ich nehme an, das liegt ausnahmsweise an mir. (Nachtrag: Es lag tatsächlich am Abspielgerät.)
Das Resultat der Mixtur ist mit seiner Melancholie, aber auch Düsterheit eine durchaus eigenständige Mischung aus echolyn (“mei”), den frühen (also besseren) Genesis (“Foxtrot”, gelegentlich “The Lamb Lies Down on Broadway”) und Van der Graaf Generator (“Still Life”). (Ich finde Stilvergleiche ja immer blödsinnig, aber wenn sie der Wahrheitsfindung dienen, will ich mal nicht so sein.)
Ach, oben hatte ich ja die “Babyblauen Seiten” erwähnt. Ich zitiere mal von dort:
Die sieben Songs des neuen Outputs bieten komplexen Progressive Rock, der typische Retro-Elemente mit einer gesunden Härte verbindet. Dabei ist man jedoch von üblichen Metal-Tendenzen meilenweit entfernt, sondern verbindet die traditionelle und symphonische Rocktradition mit aggressiven Ausbrüchen, wobei sich insbesondere Sänger Peter Cornell statt des üblichen pathetischen Gesangs durch bisweilen fast schon brachial anmutende Ausbrüche auszeichnet. (…) [Es] braucht dem Prog-Puristen keinesfalls angst und bange zu werden, da insbesondere der Keyboardsound tief in den seligen 70er Jahren verwurzelt ist und die volle Breitseite an Hammond- und Mellotronsounds geboten wird.
Alles endet mit einer weiteren gesprochenen Passage. “I’m scared sometimes”. Passt.
“The Paranormal Humidor” ist ein hörenswertes Album für jeden Musikfreund, der nichts dagegen hat, wenn die Siebziger bemüht werden, ohne dass es angestaubt oder künstlich klingt. Meinerseits eine unbedingte Gutfindempfehlung. Es muss ja nicht immer Heino sein.

