Heute ist ja bekanntlich der Tag des kollektiven Abschaltens, anlässlich dessen sich jetzt jedes kleine Hobbyblog mal so richtig in Szene setzen könnte. Diesen mir geschenkten Status als wegen der Nichtteilnahme an diesem Kinderkram heute wahrscheinlich überdurchschnittlich viele Leser erhaltender Insinternetschreiber könnte ich jetzt natürlich ausnutzen, um mich wortreich über SOPA, PIPA, LEGO und Teewurst auszulassen, aber die Innenpolitik der USA interessiert mich weniger als gute Musik, also nutze ich die Aufmerksamkeit, um ein weiteres gutes Musikalbum zu empfehlen.
Zu den Musikalben, die die Frechheit besaßen, sich für die Aufnahme in die Jahresbestenliste 12/2011 nicht rechtzeitig bei mir zu melden, gehört außer Opeths ebenfalls unbedingt hörenswertem, weil mit Grölmetal nicht mehr eng verbundenem “Heritage” auch “To Shatter All Accord” von der US-amerikanischen Progressive-Rock-Band Discipline. (ganz diszipliniert mit Punkt am Ende).
Nun ist das Album augenscheinlich recht kurz, enthält es doch lediglich fünf Stücke. Allein die letzten beiden überschreiten gemeinsam jedoch bereits 30 Minuten. Radiogewohnte, schlichte Gemüter, denen die Geduld für Lieder jenseits der drei bis vier Minuten fehlt, sind hier also wahrscheinlich überfordert. Schade eigentlich.
Denn das Gehörte ist klasse. Seit dem Album “Unfolded Like Staircase” sind immerhin vierzehn Jahre vergangen, so hatte das Quartett viel Zeit, den Nachfolger zu perfektionieren, und diese Zeit hat es wahrlich genutzt. Zu hören ist gitarren- und keyboardlastiger Retro-Prog, der die bedrohliche Atmosphäre von Van der Graaf Generator (zu “Godbluff”-Zeiten) einfängt und modernisiert. Dabei ist trotz häufigen Zitierens von “VdGG”-Melodien die Aufnahme so klar und modern, dass der Rückgriff auf die 1970-er Jahre kaum auffällt.
Ausgedehnte Instrumentalpassagen, in denen Keyboards und Gitarre sich duellieren, besonders beeindruckend im 24-minütigen Abschluss “Rogue”, dem auch der Titel des Albums entnommen ist, treffen auf hervorragenden Gesang. Genregrenzen sind hier völlig irrelevant, zwischen Hard Rock, Jazzrock und Funk wird variiert, gelegentlich (etwa fünf Minuten vor dem Ende von “Rogue”) winken auch die klassischen Genesis ebenso um die Ecke wie Rush und Led Zeppelin. Rock, Alter.
Wie gesagt: Frechheit, dass ich dieses Album erst jetzt entdecke. Das Warten hat sich aber allemal gelohnt.
Nachvollziehbar ist meine Freude an “To Shatter All Accord” auf Grooveshark.com. Viel Spaß!


Nicht das, was ich mir jeden Tag antun würde. Aber gar nicht mal so schlecht. Du wirst reifer.
Nein, dein Geschmack wird besser.