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Tuten und Blasen

Und falls es echt noch jeman­dem nicht so ganz klar war, wieso einem die ganze Krise in den USA ger­ade irgend­wie bekan­nt vorkommt, leis­tet man als über­bezahlter Ses­sel­furz­er doch gern mal Abhil­fe:

Face­book-Anteil­seign­er Peter Thiel glaubt nicht an eine neue Finanzblase bei Inter­ne­tun­ternehmen. Statt jet­zt einzuknick­en, müsse man noch viel stärk­er in Zukun­ft­stech­nolo­gien investieren. Dem SPIEGEL sagte der Mil­liardär, die High­tech-Indus­trie ver­spreche weit­er Wach­s­tum und Fortschritt. (…) Thiel sieht nicht “den Wahnsinn von früher” wiederkehren, son­dern im Gegen­teil eine “kul­turelle Trans­for­ma­tion”. (…) Das Sil­i­con Val­ley sei nun an der Spitze gelandet, als einziger Ort, “der noch Wach­s­tum und Fortschritt ver­spricht”.

Klar würde so ein Face­book-Anteil­seign­er nie sagen, dass es eine ziem­liche Schnap­sidee wäre, sein sonst­wie ergaunertes Geld in das Web 2.0, was immer das jet­zt genau auch sein soll, zu pumpen. Nein, diese Dot­com-Blase wird niemals platzen, denn anders als noch vor einem Jahrzehnt spekuliert man nicht darauf, dass die Unternehmen, in die man Geld investiert, sat­te Gewinne abw­er­fen, son­dern nur darauf, dass der Markt, in dem sie sich etablieren wollen, sta­bil bleibt; was ja dann auch irgend­wie das­selbe Ergeb­nis hat.

Ger­ade aus ein­er “Krise” her­aus­gerutscht und wieder ein paar Kröten auf dem Kon­to zeigt man sich in Investi­tion­skreisen also wieder wage­mutig. Man hat es allerd­ings auch leicht heutzu­tage, als Investor stinkre­ich zu wer­den, denn man muss kein Glück mehr haben oder gar ökonomis­che Weit­sicht, son­dern die jew­eili­gen Unternehmen ver­sprechen Wach­s­tum und Fortschritt, was selb­stver­ständlich nur bedeuten kann, dass es bergauf geht und man sich mit dem Investieren bess­er ein biss­chen beeilen sollte, und nicht etwa, dass so ein Unternehmen natür­lich schön blöd wäre, möglichen Aktionären zu sagen: So, Leute, wir sind dann in Bälde mal pleite.

Die tat­säch­lichen Unternehmenswerte liegen eben im run­derneuerten Web zwei­dreivier­tel eben­so in der Cloud wie die Aus­sicht­en auf Gewinn aus diesen Unternehmenswerten. Die Logik scheint bestechend: So etwas ist ja erst vor kurzem gewaltig in die Hose gegan­gen, der kollek­tive Gemeinsinn macht den gle­ichen Fehler nicht zweimal in so kurz­er Zeit und wird schon rechtzeit­ig die Kurve kratzen bekom­men.

Und Peter Thiel hat das ver­standen:

“Es gibt keine Blase, nicht bei Face­book, nicht bei LinkedIn und bei keinem der anderen bekan­nten Unternehmen”, so Thiel im SPIEGEL.

Denn das hätte sich ja wohl schon herumge­sprochen, wenn es eine Blase gäbe, die kurz vorm Platzen ist, das hat ja damals auch schon gut funk­tion­iert. Wo der tat­säch­liche Fir­men­wert von zum Beispiel Face­book liegt, dessen einziges stetes Kap­i­tal seine Kun­den — vielmehr: ihre Dat­en — sind, wagt ein Face­book-Anteil­seign­er natür­lich nicht zu hin­ter­fra­gen. Wird schon alles seine Richtigkeit haben, son­st würde man den Wert wohl kaum so hoch schätzen.

Krise? Was für eine Krise?