Es folgt der angedrohte Gastbeitrag, verfasst von dem Blogger aus Linden. Für Wortwahl und Inhalt übernehme ich keine Haftung. Viel Spaß.
Die Markthalle Hannovers ist seit meiner Schulzeit mein zweites Zuhause. Früher war sie der Ort, an dem ich nach dem Besuch der “Baggi” bei ein paar Gläsern Sekt den nächsten Schultag schwänzte. Während des Studiums war sie ein beliebter Anlaufpunkt in der Mittagspause und nach “Feierabend”. Heute suche ich sie privat mindestens 2 x pro Woche auf, um mich dort mit nahen Familienangehörigen, meist mit meinem Vater, zu treffen. Der eine Termin steht immer fest und zwar samstags nach dem Flohmarktbesuch.
In der Markthalle wird Politik gemacht (zweifelhafte Prominenz sieht man alle Nase lang wegen der Nähe zum Landtag). In unseren Gesprächen dreht es sich allerdings um alles andere als um die von mir verabscheute Politik.
Zur Vorgeschichte des Gesprächs des letzten Markthallenbesuchs:
Meine Eltern ziehen um. Nicht, dass sie je ihren angestammten Wohnort verlassen würden (genauso wenig, wie sie je ihren bisherigen Internetprovider wechseln würden; im Gegenteil: bei dem haben sie kürzlich den Luxus-Highspeed-Surfen-mit-bis-zu-25 Mbit/s‑Non-Plus-Ultra-VDSL-Anschluss gebucht), nein, sie ziehen bloß einige Straßenzüge weiter. Die neue Wohnung ist rentnergerechter als die bisherige, die zwar mit einem neuen Fahrstuhl ausgestattet ist, der aber nur in Anwesenheit eines Technikers funktioniert.
Also alles easy, oder? Weit gefehlt! Denn da ist ja noch die Sache mit dem Badezimmer, besser gesagt, das Problem mit dem Klo. Denn dieser Raum besitzt kein Fenster, sondern einen Luftabzugsschacht, der allein den Ansprüchen meines Vaters nicht gerecht wird. Reichliches Lüften im Innenbereich der Wohnung wird demnach oberste Pflicht sein, die zumindest, was allein den Wasserdampf angeht, leicht zu bewältigen sein dürfte. Doch was geschieht mit der unvermeidlichen und übelstriechenden Abluft?
Mein Vater ist Ingenieur im Ruhestand. Diese Leute haben die berufsbedingte Angewohnheit, für jedes noch so kleine Problem umgehend eine technische Lösung zu präsentieren zu wollen.
An diesem letzten Samstag wurde nun das Abluftproblem in allen Facetten diskutiert. Nun soll es da eine spezielle von einem Syrer entwickelte Toilettenbrille geben. High-Tech aus dem Orient sozusagen. Eingebaut sei ein Elektromotor, der den Mief ansauge und ihn in einen Kohlefilter leite. Dort, so heißt es, sollen die Gerüche restlos vernichtet werden. Mein Vater war schier begeistert. Selbst die Kosten in Höhe von rund € 240,- schienen ihn nicht abzuschrecken (besser gesagt: noch nicht; bei meinem Vater dauert nicht etwa die Umrechnung des Euro in D‑Mark lange, dafür aber um so länger die Registrierung des höheren Betrages im cerebralen Cortex, was sich meist nach einigen Tagen in einem “Donnerwetter, da war ich platt” äußert).
Aber mein Vater ist ja “Schlaufuchs”. Und er kann ja “Internet”. Deshalb hielt er mir einen Ausdruck entgegen, auf dem eine kleine Edelstahlkugel abgebildet war. Laut Hinweis soll dieses lustige Kügelchen nach einem patentierten Verfahren schlechten Geruch entfernen. Dabei soll die Oberfläche der ins Klo gehängten Kugel Schwefel und Ammoniak in Wasser umwandeln. Es entstünden geruchsneutrale Sauerstoffverbindungen. Und der Clou: das ganze Teil koste “nur” rund € 14,-.
Eine Frage blieb noch zu klären: Woher das Teil besorgen? Ein gebrauchter eBay-Artikel bleibt wohl ausnahmsweise außer Betracht. Es wurde der Vorsatz gefasst, in Richtung “Bauhaus” zu gehen, denn selbst, wenn einschlägige Kaufhäuser diesen Artikel besäßen: Wie den meist unausgebildeten Angestellten klarmachen, welchen besonderen “WC-Stein” man suche? Bis zum „Kaufhof“ hatte ich meinen Vater noch begleitet und konnte mich dort über das zunächst fragende und sich dann in Ausdruckslosigkeit verlierende Gesicht einer Verkäuferin der Sanitärartikelabteilung amüsieren:” Tja, also, ähhh…wenn, dann in der Parfümerie… .” Tschüss.


Schon ein interessanter Beitrag Didi, was ein schmunzeln bei mir hervorruft. Ich hätte gedacht die Feuchtigkeit ist eher das Problem, was wir ja alle aus Hotel Badezimmer kennen. Da wird schon mal schnell aus dem Badezimmer ein Sauna- und Dampfbad. Aber sehr schön, dass es für fast alles im Leben Lösungsansätze gibt lach…
Das mit dem Parfümerie Vorschlag war aber Weltklasse! und diese HiTec Brille würde mich schon mal interessieren.
Was den penetranten Geruch angeht, lag die Dame ja gar nicht mal so falsch
Ich meide diese Abteilung immer. Nichts gegen ein gutes Parfum. Dort herrscht aber eher ein Geruchschaos, das ich schon eher als Gestank bezeichnen möchte.