Altbekannt sind organisierte Scheinbettler an deutschen Bahnhöfen, die sich von richtigen und von mir meist als harmlos wahrgenommenen Bettlern dadurch unterscheiden, dass sie zur Begrüßung nicht etwa „haben Sie mal 80 Cent?“ und/oder „ich bin arbeitslos und habe seit Tagen nichts gegessen“ statt „guten Tag“ im Munde führen, sondern „Excuse me, do you speak English?“ als wohl einzigen auswendig gelernten Satz aufsagen und daraufhin, wenn man nicht schnell genug was auf Japanisch sagen kann, einen Zettel entfalten, auf dem seit Jahr und Tag der gleiche Kokolores steht, der sich allerdings auch mit „ich will Geld“ zusammenfassen ließe, ohne dabei nennenswerte Einbußen an Tiefe zu erleiden.
Bisher konnte ich der Versuchung widerstehen, die mich so Ansprechenden postwendend nach einer kleinen Spende für Bedürftige zu fragen. Sie würden mich ohnehin wohl kaum verstehen. An guten Tagen hebe ich nur wortlos mein mobiles Endgerät in Augenhöhe, woraufhin die Organisierten (übrigens zu Unrecht) den Eindruck gewinnen, ich würde ein Foto von ihrem rechtlich mindestens fragwürdigen Treiben schießen wollen, und sich beeindruckend schnell verpissen, mich jedoch anscheinend noch am selben Tag wieder vergessen. Daran sollte ich arbeiten. An schlechten Tagen fehlt mir für solche Schelmerei die Muße, dann gehe ich mit der ungebetenen Gesprächssituation gar nicht um, sondern ignoriere sie gekonnt. Ignorieren kann ich gut, man frage hierzu zum Beispiel eine Exfreundin der Wahl. (Jeder Mensch trägt sein sprichwörtliches Päckchen mit sich herum. Meines ist inzwischen Sperrgut.)
Für jedenfalls mich neu ist, dass die Organisierten auf aktive Ignoranz nicht etwa mit Schulternzucken reagieren, sondern mich — stur weiterschlendernd — verfolgen, „Hellooooo?“ rufen und mir auf die nächstbeste Schulter tippen. Wenn ich eines ja besonders gern mag, dann sind es Menschen, die nicht nur mein ausbleibendes Kommunikationsbedürfnis missachten, sondern ihre eigene Lust daran, mich dem Wahnsinn einen großen Schritt näherzubringen, dadurch ausleben, dass sie ungebeten Körperkontakt mit mir aufnehmen. Mit Mühe konnte ich dem kaum zu bändigenden Bedürfnis widerstehen, meinem eigentlich sonnigen Gemüt eine gröbere Handgreiflichkeit als Kerbe beizufügen. Für den Moment hat das wortlose Heben des Smartphones genügt. (Allein dafür ist’s sinnvoll, stets eines bei sich zu führen, wenn man einen Bahnhof betritt. Leider gehen die Soldaten, die sich dort herumtreiben, so leicht nicht ebenfalls weg. Ich habe es versucht.)
Nächstes Mal tippe ich vielleicht einfach zurück.
Wer profitiert eigentlich von dem internationalen Bestreben, mir die sichere Verschlüsselung meiner Kommunikation zu verbieten? Die Antwort erstaunt selbst mich: Ashton Kutcher.

Lerne einen Satz auf russisch ala “Brauchen Sie Butter? Ich habe Fische!” — nur so zum Kontern.
Alternativ denke ich über n paar auf die Fresse nach.
“Erst schlahn, dann frahen” — gute alte Weisheit.
Aber! Ich kann dich, bezogen auf die beschriebene Situation, verstehen. Da fehlt der Respekt gegenüber deine Person und damit haben die Akteure den Behandlungsrahmen für sich selbst gesetzt.