Lange nichts mehr über Musik geschrieben.
Manchmal, langjährige Leser erinnern sich, ist der Autor dieser Zeilen ein wenig melancholisch gestimmt. Dann schreibt er keine bissigen Satiren und auch sonst nur wenig, verzichtet gar auf den üblichen „Krach“ (Quelle: Banausen), der hier manchmal als Empfehlung erscheint. Stattdessen sitzt er, wie man so schön sagt, mit einem anständigen Glas Whisky — zwei Fingerbreit, aber das geht ja in beide Richtungen — im stillen Kämmerlein und hört oft (zu oft) Musik, die diese Melancholie nicht etwa wegmacht, sondern fördert.
Der Autor dieser Zeilen ist manchmal ein bisschen blöd.
Diese Blödheit nun unterstützt vortrefflich „Vom Wissen und Wollen“ (TIDAL, Amazon.de) , das 2016er Studioalbum der seit 2018 pausierenden Musikgruppe Heisskalt, irritierend mit Doppel‑s geschrieben; also der Bandname, nicht der Titel des Albums. Der muss so. Außer mir hat das Album sowieso jeder schon vor Jahren gehört, also ist es wahrscheinlich völlig egal, wie ich es finde. (Und zwar ziemlich gut.)
Die Texte — dargeboten oft mit fordernder Inbrunst, manchmal immer noch ein bisschen an The Hirsch Effekt (ohne Orchester) erinnernd — erfüllen das Klischee, das man an hiesige Post-irgendwas-Bands („Post-Hardcore“) üblicherweise als Maßstab anlegt: immer ein bisschen traurig, immer ein bisschen wütend. Immer ein bisschen wie ich. Die zugrundeliegende Musik lebt von überraschenden Wendungen, Elektroexperimente eingeschlossen, nach denen ich spätestens seit The Notwists „This Room“ längst aktiv suche. Auf viele Arten mein Lieblingsstück auf dem Album: „Absorber“.
Ich will nur einmal ohne Zweifel sein.
Musikalische Vergleiche aus dem Internet: Turbostaat und Fjørt. Keine Ahnung, was Turbostaat so machen. Die lerne ich wahrscheinlich in so zehn, fünfzehn Jahren auch als letzter Mensch des Landes mal kennen.

