Sonstiges
Medi­en­kri­tik CXXII: Ent­spannt dank Intim­kos­me­tik

Über den Intim­be­reich von Frau­en erfährt man neu­er­dings mehr als nötig. Da kann das Maga­zin „mys­elf“ – Unter­ti­tel: „Wir machen Frau­en stark“ – frei­lich nicht zurück­ste­hen und titelt auf sei­ner noch aktu­el­len August­aus­ga­be: „Intim-Kos­me­tik: Braucht man das?“. Damit es nicht so aus­sieht, als wol­le man sei­tens der Redak­ti­on vor allem ver­un­si­chern, domi­niert aber die Anlei­tung zur Gelas­sen­heit, näm­lich sowohl „How to be cool! In jeder Lage sou­ve­rän sein“ als auch „Ent­spannt statt aus­ge­brannt: Ein-Minu­ten-Man­tras zum Run­ter­kom­men“, die Titel­sei­te.

Wie man in einer Dis­kus­si­on über „Intim-Kos­me­tik“ sou­ve­rän sein kann, wür­de mich tat­säch­lich inter­es­sie­ren, also schla­ge ich im Innen­teil (auf Sei­te 22) nach.

Stimmt schon: Nie­mand sagt heu­te noch „cool“, aber alle wären es ger­ne – ein paar Tipps

Es han­delt sich um acht Tipps, um einen pro Sei­te, und sie sind alle­samt schreck­lich. Ich zitie­re mal nur aus zwei davon, zu viel Sou­ve­rä­ni­tät ertra­ge ich nicht.

Das cool­ste Tier der Welt? Die Kat­ze, weil sie ihr Ding durch­zieht.

Ich hät­te ja statt­des­sen den Pan­da­bä­ren genannt, weil er den hal­ben Tag frisst und den hal­ben Tag schläft und inso­fern nicht nur eben­so sein Ding durch­zieht, son­dern auch gar kei­nen gro­ßen Bock auf dau­ern­de action hat, aber Kat­zen sind ja auch ganz in Ord­nung. Die Essenz die­ses Tipps lau­tet jeden­falls, man sol­le halt machen, wor­auf man Bock hat. Lei­der ist vie­les von dem, wor­auf ich Bock habe, ille­gal und ich weiß nicht, ob „miau, ich bin eine Kat­ze“ vor Gericht zum Frei­spruch reicht.

Ein wei­te­rer Tipp ist gar kei­ner:

Was sich (…) nicht auf­hal­ten lässt, ist das Altern. Man kann nicht ein Leben lang wie 30 oder 40 aus­se­hen.

Auch ich wer­de der­einst, sofern ich nicht vor­her erschla­gen wer­de (was ich immer noch für nicht unwahr­schein­lich hal­te), aus­se­hen wie ein alter Lap­pen. Das zu wis­sen ver­setzt mich nun nicht gera­de in sou­ve­rä­ne Cool­ness, aber ich bin ja auch noch kei­ne 40. Viel­leicht kommt das noch. Ein Ein-Minu­ten-Man­tra (Dop­pel­sei­te 34/35) soll’s rich­ten:

Use it or lose it.

Nein, das lie­ber nicht. Lie­ber das:

Ich kann jeder­zeit etwas ändern.

Man muss ja nicht älter wer­den, wenn man nicht will.

Es gibt in die­ser Aus­ga­be der „mys­elf“ einen wei­te­ren Text, der „F*ck, bin ich das Pro­blem?“ zur Über­schrift hat. „Fsternck“ sagt man also noch. Ich gehe grund­sätz­lich immer davon aus, dass Men­schen, die sowohl auf eng­lisch­spra­chi­ge Flü­che zurück­grei­fen als auch die­se dann sicher­heits­hal­ber (war­um?) selbst weg­pie­pen (und sei’s nur schrift­lich), das Pro­blem sind und möch­te mich hier inso­fern selbst nicht vom Inhalt des Tex­tes beein­flus­sen las­sen.


Eine August‑, nein: „August/September“-Ausgabe gibt es auch von der „Cos­mo­po­li­tan“, die sowohl mit „Feri­en-Sex, der fünf Ster­ne ver­dient“ als auch mit „Augen­rol­len ist auch ein Sport: War­um inner­lich Lästern gut­tut“ beti­telt ist. Bestimmt könn­te man das mit­ein­an­der zu einer guten Poin­te kom­bi­nie­ren, aber ich mag nicht.

Der Text über das Lästern beginnt mit einer Bit­te um Ehr­lich­keit, aber wenn ich ehr­lich bin, bin ich gar nicht so.

End­lich Urlaub, end­lich ent­spannt … glot­zen! Sei­en wir ehr­lich zu unse­rer tole­ran­ten Grund­hal­tung, nichts macht mehr Spaß, als sich an Pool und Buf­fet über die ande­ren Urlaubs­gä­ste lustig zu machen.

Die „Cos­mo­po­li­tan“ dürf­te damit offi­zi­ell das deut­sche­ste Frau­en­ma­ga­zin sein, das am Bahn­hofs­ki­osk her­um­liegt. Der „Land­ser“ ist ein Witz dage­gen. Es wer­den fünf Arten von Urlaubs­gä­sten genannt (dar­un­ter die „Alman-Annet­te“ und die „Strand­prin­zes­sin“), über deren Eigen­hei­ten man sich sei­tens der Redak­ti­on zu beöm­meln pflegt, jedoch ist „die blö­de Nuss, die in der Cos­mo­po­li­tan gele­sen hat, dass es echt toll ist, sich über ihres­glei­chen lustig zu machen, und damit jetzt den gan­zen Urlaub zu ver­brin­gen gedenkt“ nicht dabei. Scha­de.

Auf Sei­te 106 ist eine Frau abge­bil­det, die offen­sicht­lich unter ihrem weit­ge­hend durch­sich­ti­gen Kleid kei­nen BH trägt. Der Text dane­ben weist dar­auf hin, dass sie einen total ver­füh­re­ri­schen Lip­pen­stift tra­ge, aber so weit nach oben habe ich noch nicht geguckt. Was für eine Ver­schwen­dung von Lip­pen­stift!

Einer der weni­gen Män­ner im Heft, Cor­ne­li­us Poll­mer (sonst mit dem Föje­tong der „Süd­deut­schen“ beschäf­tigt), kommt in die­ser Aus­ga­be mit einer Kolum­ne zum The­ma Som­mer zu Wort. Die Kolum­ne trägt die Über­schrift „Man wun­dert sich“, eine Zwi­schen­über­schrift heißt mehr­fach­plu­ra­li­sie­rend „In den AGBs des Som­mers lau­ern Tücken“. Man wun­dert sich. Sein Kol­le­ge Yan­nick Werani, dem die letz­te Inhalts­sei­te zur Ver­fü­gung stand, gesteht dort zwei­spal­tig, dass er sehr gern im Zug die pri­va­ten Nach­rich­ten ande­rer Leu­te mit­le­se. Er sei bis­her nur ein­mal dabei erwischt wor­den, aber er „wür­de es immer wie­der tun …“, denn die Frau, vor deren Auf­merk­sam­keit sich in Acht zu neh­men ihm nicht gelun­gen war, habe sich ledig­lich weg­ge­setzt und ihm nicht etwa nach­drück­lich auf­ge­zeigt, wel­che Kon­se­quen­zen die­ser feh­len­de Respekt vor dem Pri­vat­le­ben ande­rer Leu­te haben könn­te, wenn die­se kein zivi­li­sier­tes Mit­glied der Gesell­schaft sind.

Ich nei­ge selbst nicht dazu, mei­ne pri­va­te Kor­re­spon­denz dort zu erle­di­gen, wo Drit­te zuschau­en, jedoch stel­le ich fest, dass ein Foto von Yan­nick Werani neben sei­nem Text zu sehen ist. Er sieht genau so aus wie jemand, über den die übri­ge Redak­ti­on im Urlaub wahr­schein­lich aus­gie­big lästern wür­de, und scheint das drin­gen­de Bedürf­nis zu haben, end­lich mal ver­mö­belt zu wer­den.

Die näch­ste Aus­ga­be der „Cos­mo­po­li­tan“ kommt am 5. Sep­tem­ber raus und ent­hält, ver­spricht der Innen­text, unter ande­rem einen Text dar­über, was man machen kön­ne, wenn aus­nahms­wei­se mal der Mann in einer klas­si­schen Paar­be­zie­hung kei­ne Lust auf Bei­schlaf hat. Ich glau­be, die kann ich aber nicht kau­fen. Ich hab’ Migrä­ne.

Senfecke:

  1. Naja, Augen­rol­len ins Sport­pro­gramm auf­zu­neh­men, wür­de mir ja ent­ge­gen­kom­men. Da hät­te ich mit dem Lesen einer „Frau­en­zeit­schrift“ schon das Pen­sum für zwei Wochen erfüllt. Irgend­wie passt aber auch der: „Roll ruhig wei­ter mit den Augen, viel­leicht fin­dest du da hin­ten ja ein Gehirn.“ https://tuxproject.de/blog/wp-content/plugins/wp-monalisa/icons/smiley_emoticons_rolleyesnew.gif

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